Heilshoop : Sie bringt das Gold zum Glänzen

Gabi Pfannenstiel aus Heilshoop ist Vergolderin und kreiert aus feinem Blattgold oder Blattsilber individuelle Kunstwerke wie Spiegel , Tafelbilder und Fotorahmen.
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Gabi Pfannenstiel aus Heilshoop ist Vergolderin und kreiert aus feinem Blattgold oder Blattsilber individuelle Kunstwerke wie Spiegel , Tafelbilder und Fotorahmen.

Gabi Pfannenstiel aus Nordstormarn übt den fast ausgestorbenen Beruf der Fassmalerin und Vergolderin mit Leidenschaft aus.

shz.de von
11. Januar 2018, 14:48 Uhr

Die letzten vier Monate waren turbulent für Gabi Pfannenstiel. Gemeinsam mit der Lübecker Firma Butt restaurierte sie das Orgelgehäuse in der Stadtkirche in Neustadt. „Dabei bin ich für die Fassungen zuständig gewesen“, erklärt sie. Jetzt kehrt ein wenig Ruhe ein und die gelernte Fassmalerin und Vergolderin kann sich wieder anderen Projekten widmen.

Die gebürtige Bayerin zog es wegen der Liebe in den hohen Norden. Vor mehr als 20 Jahren lernte sie den seltenen Beruf der Fassmalerin und Vergolderin. „Ein fast ausgestorbener Berufszweig“, sagt die 45-Jährige. Schon als Kind habe sie gern gezeichnet. Nach der Schule wollte sie unbedingt etwas „ganz Besonderes“ machen und stieß dabei auf alte Techniken. In drei Jahren lernte sie ihr Handwerk von der Pike auf. Lernen könne man das alte Handwerk heute nur noch in Bayern.

Vor Jahrhunderten hieß der Fassmaler noch Staffiermaler. Er nimmt die „Fassung“ von Holzplastiken oder Rahmen vor – er bemalt und vergoldet sie. „So bekommen die Holzarbeiten erst ihr endgültiges Aussehen“, erklärt die Vergolderin.
Gabi Pfannenstiel zeigt das Foto einer von ihr restaurierten Kommode. Aus einer einfachen Fichtenkommode wurde durch die Technik des Maserierens ein kleines Kunstwerk, das durch die Fassung fast dreidimensional wirkt und unterschiedliche Holzarten „vortäuscht“. Einfache Türen aus Holz könne man mit der Marmorierung wie Marmor aussehen lassen – beliebt in Herrschaftshäusern. Bei Restaurierungen sei sie die, die den Objekten den letzten Schliff gebe. Dabei sei die Vergoldung eine spezielle Art der Fassmalerei.

Seit fast 5000 Jahren wird die Polimentvergoldung angewendet. „Das ist eine wirklich edle und handwerklich sehr aufwändige Arbeit“, so Pfannenstiel. In ihrem Heilshooper Atelier im restaurierten, früheren Schweinestall eines historischen Bauernhauses gibt es viel zu sehen: Pinsel, Blattgold, Blattsilber, diverse Leime, eine Kreissäge, Rahmen, Arbeitsplatten, ein Schrank mit fertigen Arbeiten wie Spiegel, Fotorahmen und Tafelbildern. Denn ihr zweites Standbein sind ihre eigenen Kunstwerke.

„Ich habe gerade aufgeräumt. Wenn ich mitten in einer Vergoldung bin, sieht es hier ganz anders aus“, meint die Vergolderin mit einem Augenzwinkern. Denn dann kommen diverse Utensilien zum Einsatz, bevor es an die eigentliche Arbeit – das Vergolden – geht. Um effektiv zu arbeiten, behandelt Gabi Pfannenstiel gleich mehrere Rahmen gleichzeitig. Sonst sei der Aufwand einfach zu groß. Das Holz für die Rahmen bestellt sie, schneidet es zum passenden Rahmen für ihre Foto- oder Spiegeleinfassungen. Für ihre Tafelbilder – rote Fische sind dort ihre Lieblingsmotive – verwendet sie mitteldichte Holzfaserplatten (MDF). „Das Vergolden ist ein sehr aufwändiger, langwieriger Prozess, denn zuerst muss ich den Untergrund mit mehreren Materialien bearbeiten“, erklärt die Heilshooperin. Die Untergründe müssen zuerst mit Leim getränkt und anschließend mit Kreidegrund grundiert werden. Da gibt es Champagner-, Stein-, Rügen- oder Bologneserkreide.

„Es muss alles mit der Hand geschliffen werden“, erklärt sie. Anschließend wird das „Poliment“ aufgetragen. Alle Polimente müssen vor der Verwendung mit Hautleim, Hasenleim, Gelatine oder Eiweiß gebunden werden. Es ist der sogenannte Goldträger und eine feine, aufwändig vorbereitete und geleimte Tonerde, die es in den unterschiedlichsten Farbtönen gibt und mit Leim gebunden ist. Heute wird meist nur noch Ölfarbe verwendet. Auch Gabi Pfannenstiel benutz Ölfarbe, die sie auf einer kleinen Palette anmischt. Schließlich kommt der Moment, den die Künstlerin besonders liebt: Das Auftragen des Blattgoldes oder Blattsilbers. Die bis dahin vorbereitete Holzfläche wird nun benetzt mit einer Mischung aus Wasser und Alkohol. Das Blattgold wird auf ein ledernes Vergolderbrett gelegt und mit einem Vergoldermesser aufgenommen und anschließend überlappend mit einem „Anschießer“, einem speziellen aus Feh-Haaren (sibirisches Eichhörnchen) bestehenden Pinsel, auf das präparierte Holz aufgetragen. Aber Vorsicht: Das feine Blattgold kann schon beim Berühren zwischen den Fingern in Staub zerfallen. Die Künstlerin beweist dabei viel Fingerspitzengefühl und jede Menge handwerkliches Können.

Da brauche man schon viele, viele Blättchen. Die Kunst sei, das Blattgold „ohne Falten“ aufzutragen. Gabi Pfannenstiel poliert die Goldfläche zum Schluss mit einem Achat ab, damit das Gold ordentlich glänzt und durch das Polieren der Untergrund verdichtet wird und lange hält. Die Künstlerin verwendet zur „Veredelung“ ihrer Objekte auch gern eine spezielle Technik: Das Punzieren, bei dem Formen und Muster in das Holz eingebracht werden. Das Blattgold bezieht sie von einer der Goldschlägereien in Fürth. Sie bezahlt es nach Tagespreis, der zwischen 1 bis 1,50 Euro liegt.

Jedes ihrer Werke ist ein Unikat mit unterschiedlichen Farbschattierungen. „Der Trend geht momentan von Gold zu Silber.“ Ihre Tafelbilder mit den rotschimmernden Fischen auf Gold oder Silber seien beliebter als die Spiegel. Alles eine Frage des Geschmacks. Pfannenstiel: „Je spezieller die Ausführungen, je besser verkaufe ich sie.“ Auf Ausstellungen präsentiert sie ihre Werke, auch Auftragsarbeiten nimmt sie an. Ihr Beruf ist ihre Leidenschaft: „Ich möchte die schöne, alte Vergoldungstechnik in die Moderne führen und weiterentwickeln.“


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