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Stormarner Tageblatt

23. Oktober 2017 | 17:56 Uhr

Bad Oldesloe : Sicherheit weiter sehr hoch

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Bei der zweiten städtischen Informationsveranstaltung blieb die Zahl der Zuhörer weit hinter den Erwartungen zurück. Die Zuhörer bekamen viele Zahlen serviert. Flüchtlinge sind nicht krimineller als Deutsche

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erstellt am 05.Mär.2016 | 08:00 Uhr

„Naja, hundert sind es dann ja noch geworden.“ Die Enttäuschung war Bürgermeister Tassilo von Bary doch anzuhören. Im August hatte die Stadt zu einer Bürgerinformation in die Festhalle geladen, und die Plätze reichten nicht. Deshalb wurde diesmal in die Stormarnhalle geladen. Mit 800 Besuchern hatte die Verwaltung gerechnet, aber diese Zahl wurde nicht annähernd erreicht. Viele Stühle blieben leer.

Ein breites Podium war geladen. Stadt- und Kreisverwaltung, Kripochef sowie Wehrführer saßen bereit und ergossen eine Flut von Zahlen über die Zuhörer. Woher kommen wie viele Flüchtlinge, welchen Anteil muss Oldesloe übernehmen und wo werden sie untergebracht? Aktuelle Zahlen, geballt präsentiert, aber zum Großteil nicht wirklich neu. Und wie führte doch Dr. Edith Ulferts von der Kreisverwaltung treffend aus: „Die Zahlen sagen nur beschränkt die Wahrheit.“

Spannend wurde es erst, als Hans-Jürgen Köhnke von der Kriminalinspektion ans Mikro trat. „Wo Menschen zusammen kommen, werden Straftaten begangen“, erklärte er. Eine Studie aus Braunschweig habe belegt: Ja, es gibt Kriminalität durch Flüchtlinge, aber nicht mehr als von Deutschen begangen worden wäre. Wenn es zu Delikten komme, seien das hauptsächlich kleinere Vergehen wie Ladendiebstahl oder Schwarzfahren. Köhnke deutlich: „Die Nationalität hat keinen kriminalitätsfördernden Charakter.“ Die Statistik weise für Stormarn so niedrige Zahlen wie schon seit Jahren nicht mehr auf. Steigend seien die Einbruchszahlen. „Aber das sind nicht die Flüchtlinge“, so Köhnke.

20 Prozent aller ermittelten Tatverdächtigen seien „nichtdeutscher Herkunft“ – ein Topf voller unterschiedlicher Ausländer. Eine „hohe Gerüchtelage“ führe zu einer Absenkung des subjektiven Sicherheitsgefühls, für das es objektiv keinen Anlass gebe. Köhnke: „Straftaten gegen Flüchtlinge nehmen zu. Das ist aus meiner Sicht das Problem der Sicherheitslage.“

Ja, es hat in Oldesloe eine versuchte Vergewaltigung durch einen Flüchtling gegeben. Ohne das Verbrechen klein reden zu wollen stellte der Kripo-Chef allerdings klar: „Das war keine überfallartige Vergewaltigung durch einen Fremdtäter. Die beiden haben einen gemeinsamen Abend mit Alkoholkonsum zusammen verbracht.“

Bürgerwehren erteilte Hans-Jürgen Köhnke eine klare Absage. „Ich halte davon überhaupt nichts“, sagte er: „Das kann eskalieren und zu Konflikten führen. Betätigen Sie sich lieber ehrenamtlich, das ist eine sinnvolle Geschichte.“ Auch als Ex-Staatsanwalt Richard Rohweder argumentierte, Bürgerwehren hätten sich in Großhansdorf und Teilen Hamburgs bewährt, bliebt der Polizist bei seiner ablehnenden Haltung. „Gemäßigte Ableger im Sinne von ‚wachsame Nachbarn‘ können Sinn machen, mehr aber auch nicht“, so Köhnke.

Aus dem Publikum kam der Vorschlag, eine gemeinsame Info-Veranstaltung für Oldesloer und hier lebende Flüchtlinge zu organisieren. „Man muss auch mal die Probleme der Gegenseite kennenlernen. Je größer die Angst auf beiden Seiten ist, desto vergifteter wird das Klima“, sagte die Oldesloerin. Eine Anregung für die es viel Applaus gab. Bürgermeister Tassilo von Bary versprach, die Idee umzusetzen.

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