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Stormarner Tageblatt

12. Dezember 2017 | 21:13 Uhr

Bargteheide : Sexueller Missbrauch: Freispruch

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Verminderte Intelligenz: Schöffengericht Ahrensburg spricht 47-jährigen Bargteheider vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs eines drei Monate alten Mädchens frei.

Mit einem klaren Freispruch endete am Donnerstag der Prozess gegen den Bargteheider Heinz B. (Name geändert). Der 47-Jährige stand wegen des sexuellen Missbrauchs eines drei Monate alten Mädchens vor dem Schöffengericht in Ahrensburg (wir berichteten).

Die Tat ereignete sich vor einem Jahr in der elterlichen Wohnung in Ahrensburg, wo B. zu Besuch weilte. Für gut zehn Minuten war er dort allein mit dem Säugling. Als der Vater zurückkehrte, stand B. mit dem Kind am Wickeltisch und wechselte eine blutige Windel. Sofort wurde B. als Kinderschänder beschimpft und aus der Wohnung gewiesen. Einen Krankenwagen wollte der Vater aber nicht holen. Erst am nächsten Tag ging er mit seiner Tochter zum Arzt und wurde gleich weiter in ein Krankenhaus verwiesen. Zuerst vermutete die Ärztin eine Infektion, doch bei genauerer Untersuchung fand sie ein eingerissenes Jungfernhäutchen. „Es gab eine Manipulation an der Scheide des Kindes“, sagte sie aus, „ob mit dem Finger oder einem anderen Gegenstand, kann ich nicht sagen.“ So kam das Verfahren ins Rollen.

Zunächst hatte er die Tat gestanden, sowohl bei seiner Vernehmung wie zum Prozessauftakt. Doch die Zweifel wuchsen, denn B. ist Alkoholiker und ausgesprochen minderbegabt. „Seine Auffassungsgabe ist eingeschränkt, vernünftiges Handeln ist ihm kaum möglich“, sagte die psychologische Gutachterin. B. habe auch keinen Bezug zur Realität, weshalb er oft widersprüchliche Angaben mache. „Ich musste meine Fragen mehrfach umformulieren, bis er mich verstanden hat.“ Selbst wenn B. der Täter war, sei er kaum schuldfähig.

Auf diese Problematik war die vernehmende Polizeihauptkommissarin nicht eingegangen. „Seine verminderte Intelligenz zeigte sich im Lauf der Vernehmung“, gibt sie zu. Warum sie das nicht dokumentiert habe, fragt der Vorsitzende Richter nach. „Das sah ich nicht als meine Aufgabe an“, lautet die Antwort. Auch sonst fragt er hartnäckig nach, kritisiert die lückenhaften Ermittlungen mit vielen suggestiven Fragen. „Schreiben sie es so auf, auch wenn es nicht stimmt“, soll der Angeklagte schließlich zu ihr gesagt haben, um seine Ruhe zu haben. Nicht nur der Angeklagte, auch die Eltern des Mädchens haben ein massives Alkoholproblem. Es lebt schon längerer in einer Pflegefamilie. „Dass sie jetzt nicht mehr in einem Trinkerhaushalt leben muss, ist das einzig Gute in diesem Fall“, sagt schließlich der Staatsanwalt. Es gebe keine überzeugenden Beweise gegen B., auch die Eltern könnten als Täter nicht ausgeschlossen werden.

Auch die Nebenklägerin ist dieser Ansicht, das „Halbgeständnis“ sei nicht viel wert: „Der Angeklagte wollte die Erwartungen erfüllen oder seine Ruhe haben.“ „Die intellektuelle Struktur von B. wurde bei der Vernehmung vollkommen ignoriert“, sagt sein Anwalt. Sein Mandant sei extrem beeinflussbar, das Geständnis nicht glaubwürdig. Dem folgt auch das Gericht.

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