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Stormarner Tageblatt

24. August 2017 | 05:12 Uhr

Ahrensburg : Sex mit zwölf – das Urteil

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Verbotene Liebe: 19-Jähriger wird vor dem Amtsgericht zur Rechenschaft gezogen.

In der heutigen Kommunikationswelt ergeben sich seltsame Kontaktmöglichkeiten. So lernte ein 19-Jähriger aus Ahrensburg ein gerade erst zwölf Jahre alt gewordenes Mädchen aus Wismar über das Medium Whatsapp kennen und verliebte sich in sie. Beide hatten mindestens einmal Sex miteinander. Und dafür musste sich der Ahrensburger jetzt vor dem Amtsgericht verantworten.

Der Kontakt ergab sich über eine Gruppe, die sich mit einer US-Kinderserie beschäftigte. „My little Pony“ heißt sie. „Die ist ganz witzig“, sagt der 19-Jährige. Im vergangenen März traf der junge Mann das Mädchen zum ersten Mal. In der Folge kam es zu vier sexuellen Handlungen, mindestens einmal auch zum vollzogenen Geschlechtsverkehr im Auto des Angeklagten. Gegenseitig schickte sich das Paar Fotos von ihren Geschlechtsteilen, der Angeklagte sendete ihr auch ein Video mit Aufnahmen seiner Selbstbefriedigung.

„Zuerst hat sie mir gesagt, sie sei 16 Jahre alt, dann 14 und schließlich gestand sie, erst zwölf Jahre alt zu sein“, gibt der Angeklagte zu. Da habe er sich aber schon verliebt, „es war mir dann egal.“ Das Mädchen habe sich vehement geweigert, ihn den Eltern vorzustellen. „Sie meinte auch sie sei schwanger“, sagt der Angeklagte, das war aber unmöglich, weil ich ein Kondom benutzt habe.“ Die Eltern des Mädchens beendeten diese verbotene Beziehung und zeigten ihn an.

Der Angeklagte hatte noch keine andere sexuelle Erfahrung, er wirkt schüchtern. Er ist nicht vorbestraft und lebt noch bei seinen Eltern. Zurzeit arbeitet er in einem Teilzeitjob und möchte eine Ausbildung als Tischler machen. Wegen seiner Depressionen war er schon vorher in Behandlung. Nach der Aufdeckung hatte er Selbstmordgedanken und begab sich für zehn Wochen in ein psychiatrisches Krankenhaus.

Der Gesetzgeber halte ein Kind für nicht entscheidungsfähig über sexuelle Kontakte, sagt der Richter: „Ältere Menschen mit mehr Lebenserfahrung könnten sie manipulieren.“ Der Angeklagte habe seine Überlegenheit nicht wahrgenommen. „Leben Sie noch in der Chat-Welt oder in der Realität?“, fragt er ihn.

Für eine Zwölfjährige sei es sicher begeisternd, wenn sich ein 19-Jähriger für sie interessiere. „Pädophile fühlen sich immer als Liebkindmacher“, sagt der Richter. Der Angeklagte bestreitet solche Neigungen aber glaubhaft. Der Gutachter der Jugendgerichtshilfe beschreibt ihn als grunddepressiv mit wenig Selbstvertrauen. Der Angeklagte habe Schwierigkeiten, soziale Kontakte zu knüpfen.
Die Staatsanwältin weist ihn auf den Strafrahmen hin. „Für Erwachsene drohen bei sexuellem Missbrauch von Kindern mindestens zwei Jahre Haft.“ Da es hier nicht um ein Kleinkind gehe, liege keine besondere Schwere der Schuld vor. Sie fordert eine Strafe nach Jugendrecht: „Eine Verwarnung mit Geldauflage von 700 Euro und die Weisung zu fünf pädagogischen Gesprächen reichten aus. Der Anwalt schließt sich ihr an. „Die ganze Chose tut mir sehr leid“, sagt der Angeklagte in seinem Schlusswort, „ich wollte nicht, dass es zu sowas kommt.“

Das Gericht geht über den Antrag der Staatsanwältin hinaus. 50 Stunden gemeinnützige Arbeit, 500 Euro Geldbuße und fünf pädagogische Gespräche verhängt der Richter. Die Geldbuße soll die Zwölfjährige erhalten, um sich ein neues Handy zu kaufen. Das alte bleibt eingezogen, weil sich nach Ansicht der Staatsanwaltschaft die pornografischen Fotos wiederherstellen ließen.

„Bei dem Altersunterschied ist keine gleichrangige sexuelle Beziehung möglich“, sagt der Richter in seiner Begründung. Der Angeklagte müsse erkennen, dass er ein schwer wiegendes Delikt begangen habe. „Die Freiheit der sexuellen Selbstbestimmung ist ein ganz hohes Rechtsgut.“




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