Unfallstatistik : Senioren: Gefährdet und gefährlich

Senioren sollten ihre Fahrtüchtigkeit regelmäßig überprüfen lassen. Foto: Sturm / pixelio.de
Senioren sollten ihre Fahrtüchtigkeit regelmäßig überprüfen lassen. Foto: Sturm / pixelio.de

Die Stormarner Unfallstatistik für 2010 legt besonderes Augenmerk auf die jüngsten und ältesten Autofahrer. Gerade Senioren sind nicht nur gefährdet, sondern auch ein Risiko.

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22. März 2011, 11:10 Uhr

Bad Oldesloe | Mehr Unfälle, aber weniger Personenschäden: 4826 mal krachte es im vergangenen Jahr auf Stormarns Landstraßen, 1000 mal mehr als 2009. Allerdings geht der Anstieg um 26 Prozent fast ausschließlich auf das Konto der so genannten "S 3-Unfälle" - kleine "Ausrutscher", die von der Polizei nicht mal aufgenommen werden.
Schuld war meistens das Wetter: "60 Prozent dieser Unfälle waren in den Wintermonaten, wenn jemand auf den Vordermann gefahren oder in den Graben gerutscht ist", so Polizeidirektor Holger Meincke. Zieht man die 3509 kleinen Karambolagen ab, sind die Unfallzahlen mit 1317 nahezu gleich geblieben. Die Zahl der Verletzten verringerte sich von 988 auf 883. Allerdings kamen sieben Menschen ums Leben: Drei Auto- und ein Motorradfahrer, ein Kind auf dem Rad und zwei Fußgänger. Das waren zwar drei Getöte mehr als im Vorjahr, ist im Zehn-Jahres-Vergleich aber immer noch die drittbeste Zahl, "auch wenn jeder tödlich Verunglückte einer zu viel ist", so Meincke.
"Senioren stellen auch für andere ein Risiko dar"
Im Herzogtum kamen 2010 zehn Menschen im Straßenverkehr ums Leben. An den 17 tödlichen Unfällen waren Senioren sechsmal und damit überproportional häufig beteiligt, einmal als Opfer - eine Fußgängerin - und fünfmal als Verursacher. Ein Grund für die Direktion, die Unfallzahlen junger und älterer Fahrer gesondert auszuwerten.
"Senioren im Straßenverkehr sind eine stark gefährderte Gruppe, aber sie stellen auch für andere ein Risiko dar", so Kay-Uwe Güsmer, Leiter des Sachbereichs Verkehr. Auf den ersten Blick sind Ältere eher unauffällig. Sie machen 22 Prozent der Bevölkerung in beiden Kreisen aus, verursachen aber nur 15,3 Prozent aller Unfälle. Bei den 18- bis 24-Jährigen ist das genau umgekehrt: Ihr Anteil an der Bevölkerung beträgt nur 5,8 Prozent, bei den Unfällen sind sie allerdings zu 16,9 Prozent Verursacher. Bei den reinen Zahl ist allerdings nicht berücksichtig, dass der Anteil der Führerscheininhaber bei den über 65-Jährigen geringer ist, sie weniger Kilometer im Jahr fahren und - anderes als Berufstätige - bei Schnee und Eis das Auto stehen lassen können. Und: Wenn Senioren an Unfällen beteiligt sind, sind sie in zwei von drei Fällen auch der Verursacher. Das Risiko, das zeigen die Zahlen der Polizei, steigt dabei eindeutig mit dem Alter.
Der Polizeidirektion geht es nicht um Schuldzuweisung, sondern um die Frage, ob und wie der Verkehr in Zukunft anderes gestaltet werden muss. Meincke: "Die Zahl der Älteren wird zunehmen, ebenso der Anteil derer, die einen Führerschein haben. Und die Generation, die nachwächst, wird mobiler sein als die heutige."
In welche Richtung das gehe, weiß Güsmer nicht: "Andere EU-Staaten verlangen regelmäßige Gesundheitschecks, manche Experten fordern eine allgemeine Entschleunigung des Verkehrs."

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