Barsbüttel / Lübeck : Seltsamer Fall vor Gericht

Am Landgericht Lübeck wird der Prozess verhandelt.
Am Landgericht Lübeck wird der Prozess verhandelt.

Zwei Männer sind wegen schwerer räuberischer Erpressung angeklagt. Mehrere Verhandlungstage stehen an.

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11. Juni 2018, 11:31 Uhr

In Handschellen werden die beiden Angeklagten am zweiten Verhandlungstag vorgeführt. Vor der VII. Großen Strafkammer des Landgerichts in Lübeck müssen sich die 34 und 35 Jahre alten Männer wegen schwerer räuberischer Erpressung verantworten. Die mehrfach Vorbestraften sollen einen Barsbütteler mit vorgehaltenem Messer und einer Pistole erpresst haben. 2000 Euro und später noch einmal 20 000 Euro sollte er bezahlen.

Die Vorgeschichte der Verhandlung ist einigermaßen seltsam. Ein Bekannter der Angeklagten, ein 23-Jähriger aus Hamburg, hatte zunächst einen Handel mit dem Opfer angebahnt. Im Tausch gegen fünf Bohrmaschinen sollte er eine Rohrinspektionskamera erhalten, sagte er als Zeuge aus. Die Verhandlungen verliefen zunächst positiv, die Angeklagten boten als Dreingabe noch 1000 Euro an. Die flossen allerdings nicht, und die Kamera entpuppte sich später als gestohlen.

So kam es zu einem erneuten Zusammentreffen des Trios am 3. März vergangenen Jahres. Mit einem Maserati fuhren die Angeklagten vor der Werkstatt vor. Dann soll der Jüngere den Barsbütteler mit den Waffen bedroht und das Geld gefordert haben. Eine Überwachungskamera auf dem Gelände hatte den Streit teilweise aufgezeichnet. Das wäre wohl nie bekannt geworden, hätte es nicht auch noch Streit um ein Auto gegeben. Das hatte der Schrauber, der in Barsbüttel dafür ein Gelände gepachtet hatte, verliehen und nicht zurückerhalten. Die Polizei kam erst im Zuge von Ermittlungen gegen diesen Zeugen ins Spiel. Sein Telefon wurde abgehört, und so wurde zunächst die Kripo in Norderstedt auf die Angeklagten und ihr Opfer aufmerksam. Die beiden mutmaßlichen Täter hatten massive Drohungen ausgestoßen, „morgen schnappen wir ihn uns“, kündigten sie an. Vermutlich waren sie verärgert, weil es inzwischen eine Hausdurchsuchung bei ihnen gegeben hatte.

„Das war mein Einstieg in die Ermittlungen“, sagte ein Ahrensburger Kripobeamter aus. Das Opfer habe zunächst geglaubt, er ermittele wegen des gestohlen Autos. „Es war auffällig, wie nervös er wurde, als das Gespräch auf die Erpressung kam“, sagte der Beamte. Das Opfer habe geschwitzt und sei sehr ängstlich geworden. „Zunächst wollte er aus Angst um sein Leben und das seiner Familie nicht aussagen.“ Dann gab das Opfer zu, dass man ihm mit einer schwarzen Pistole gedroht hatte. Weil ihnen seinetwegen ein Geschäft durch die Lappen gegangen sei, sollte er jetzt dafür bezahlen.


>Zwei weitere Verhandlungstage sind angesetzt.

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