Reinbek : Selbstbestimmte Arbeitszeit kommt

Die Stellvertretende Pflegedirektorin Angela Ahrens (li.) und die pflegerische Abteilungsleitung der Chirurgie, Yvonne Stresow begleiten Pool-Mitarbeiterinnen beim Spagat zwischen Beruf und Familie.
Die Stellvertretende Pflegedirektorin Angela Ahrens (li.) und die pflegerische Abteilungsleitung der Chirurgie, Yvonne Stresow begleiten Pool-Mitarbeiterinnen beim Spagat zwischen Beruf und Familie.

Das St. Adolf-Stift bietet zukünftig flexible Einsatzmöglichkeiten für Pflegepersonal. So sollen Familie und Beruf besser vereinbar werden.

Andreas Olbertz. von
11. April 2016, 06:00 Uhr

Das Krankenhaus Reinbek ermöglicht ab sofort Krankenschwestern und Pflegern durch die Gründung eines Pools zu ihren Wunschzeiten zu arbeiten, um Beruf und Familie besser unter einen Hut zu bekommen.

„Die Pflege ist immer noch sehr weiblich dominiert und gerade Frauen haben neben dem Beruf oft andere Verpflichtungen, die sich mit einem Drei-Schicht-System nicht gut vereinbaren lassen“, weiß Angela Ahrens, Stellvertretende Pflegedirektorin am Krankenhaus Reinbek. Immer wieder berichten Krankenschwestern ihr in Vorstellungsgesprächen davon, wie kompliziert es sei, Kinder oder pflegebedürftige Angehörige mit einem Dienstplan zu vereinbaren, der wechselnde Früh-, Spät- und Nachtschichten sowie Wochenenddienste vorsieht. Schon jetzt würden einige Mitarbeiterinnen nur am Wochenende arbeiten, damit der Mann dann die Kinder betreuen kann oder fünf Nachtdienste im Monat übernehmen, um fachlich am Ball zu bleiben und weiter in ihre Rente einzuzahlen. Doch die Tagdienste sind in der Regel starr in der Zeit von 6 bis 13.30 und 12.45 bis 20.15 Uhr und lassen keine Flexibilität zu.

Darum geht das Krankenhaus nun neue Wege mit einem Modellprojekt. Angela Ahrens: „Wir gründen im Mai einen Springer-Pool für Teilzeitkräfte und geringfügig Beschäftigte. Die Idee ist, dass uns die neuen Kolleginnen, die vielleicht nach ein paar Jahren in Elternzeit einen Wiedereinstieg in ihren Beruf suchen, ihre möglichen Zeitfenster nennen und wir daraufhin einen Monatsdienstplan erstellen.“ Eine Mutter kann vielleicht werktags von 8 bis 13 Uhr, eine andere immer nur freitags aber für eine ganze Schicht.

Aus dem neuen Pool sollen die Stationen punktuell verstärkt werden, bei denen eine Stelle vakant ist oder Mitarbeiter krank sind. Ahrens: „Auch wenn die Springer nur für vier oder sechs Stunden aushelfen statt die ganze Sieben-Stunden-Schicht zu arbeiten, sind sie für die Kollegen eine große Entlastung. Das Stammpersonal kann durch die Unterstützung die Qualität in der Patientenversorgung halten und baut gleichzeitig weniger Überstunden auf. Es ist also eine Win-Win-Situation.“

Einzige Bedingung: Die neuen Pflegekräfte müssen flexibel und offen für Neues sein, weil sie als Pool-Mitarbeiter in wechselnden Bereichen eingesetzt werden und dadurch auch unterschiedliche Ansprechpartner und Patienten vorfinden.

Das Projekt wird von Angela Ahrens und ihrer Kollegin Yvonne Stresow begleitet: „Wir sind für die Pool-Mitarbeiter die ersten Ansprechpartner und werden aus ihnen ein Team machen“, sagt Stresow. Die pflegerische Abteilungsleitung für die Chirurgie ist selbst Mutter einer kleinen Tochter. Ihr ist besonders wichtig, dass eine spätere Ausweitung des Stundenumfangs sowie eine Übernahme auf eine feste Station selbstverständlich möglich sei. „Wir möchten ja den Frauen eine Brücke bauen, irgendwann wieder Vollzeit in ihrem erlernten und hochqualifizierten Beruf zu arbeiten.“

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