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Stormarner Tageblatt

24. Oktober 2017 | 02:33 Uhr

Braak : Seit 25 Jahren im Dienste der Mühle

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der Trägerverein feiert Jubiläum mit Chronik und Geschenken.

25 Jahre besteht der Verein Braaker Mühle nun schon und genauso lange ist Karl-Heinz Borchert ehrenamtlich aktiv: Der heute 86-Jährige gründete den Verein und ist bis heute sein Vorsitzender. „Ich habe als Junge mit dem Pferdewagen Getreide zu den Windmühlen gebracht und war seit jeher fasziniert von der alten Technik“, berichtet Borchert. Als er sah, wie die Braaker Mühle, ein zweistöckiger Galerieholländer, verfiel, wurde er aktiv, pachtete das Gelände auf 30 Jahre. Mit neun weiteren Mitstreitern wurde am 29. November 1990 der Verein gegründet.

In der Müllerstube wurde das Jubiläum jetzt gebührend gefeiert, natürlich bei laufendem Mahlwerk, dessen Knarren Borchert so liebt. Genau der richtige Rahmen, um die Chronik vorzustellen, die der Professor für frühe Neuzeit, Dr. Burghart Schmidt, nicht ganz ohne Schwierigkeiten in den vergangenen zehn Jahren verfasst hat. „Hätte ich gewusst, was auf mich zukommt, hätte ich das wohl nicht angeboten. Aber aus Respekt vor der großen Leistung von Karl-Heinz Borchert wollte ich das Projekt zu Ende bringen“, erklärt der Professor, der seinerzeit, als er das Angebot machte, noch in Brunsbek lebte. Dann jedoch ging er von Beruf wegen nach Montpellier in Südfrankreich, von wo aus er keinen Zugriff auf die hiesigen Archive hatte.

„Jedes Mal, wenn ich hier war, hat Herr Borchert mir wieder alles gezeigt, er war sehr geduldig, ich habe Fotos gemacht, um es dann aus der Ferne zu verarbeiten“, erklärte der Professor. Eigentlich sollte die Chronik zum 15-jährigen Bestehen vorliegen, aber zum 25-Jährigen passte sie nun auch sehr gut. Sie gibt einen Einblick in die 165-jährige Mühlengeschichte vom Bau 1849 über den Verfall bis zur Wiedernutzung Ende des 20. Jahrhunderts.

Zum Geburtstag gab es auch ein paar Geschenke: Vom Amtsvorsteher und Brunsbeker Bürgermeister Olaf Beber gab es eine Brunsbek-Chronik und eine Amtsvase. Die könne ja bei den Trauungen, die seit einigen Jahren in der Mühle stattfinden, zur Anwendung kommen, meinte Beber. Er hob hervor, dass es einige der wenigen Mühlen sei, die noch mahle und man sogar Brot aus dem gemahlenen Korn essen könne. Von Braaks Bürgermeister Hans-Ulrich Schmitz gab es eine Finanzspritze. Und auch der Chronikautor, der demnächst die Leitung der Uni Vechta übernimmt, bekam ein Abschiedsgeschenk vom Mühlenverein: Ein Bild, gemalt von Heinz Pätzold, wird ihn immer an seine Brunsbeker Zeit und die lange Arbeit an der Chronik erinnern.

Die Mühlengeschichte in Kürze: 1850 nimmt der Papendorfer Zimmermeister Friedrich August Reimers die Mühle in Betrieb, die er selbst gebaut hat. 1859 Verkauf an Familie Lessau, bis heute Eigentümer der Mühle. 1977 Stilllegung der Mühle, der Verfall beginnt. 1983 wird sie unter Denkmalschutz gestellt. 1990 Vereinsgründung. Die Mühle hat keine Windrose mehr, das Dach ist marode und die Windmühlen sind beschädigt. Bis 1996 Sanierung: 1992 neue Galerie, 1993 Kappe restauriert, Notdach, 1994 neue Mahlsteine, 1995 Einbau neuer Flügel und Umrandung der Mahlsteine. 11. Mai 1996 schließlich die Einweihung, die erste Getreidelieferung wird verarbeitet.1997 wird ein Müller eingestellt, der Mühlenladen eröffnet.

1998 Umweltpreis der Kulturstiftung der Sparkasse Stormarn. 1998 Teilnahme an der Norla. 2000 Zertifizierung der Mühle, der Bäckerei und des Landwirts Klaus Eggers, der das Getreide liefert. Ab 2001 dürfen hier auch Trauungen durchgeführt werden. Das Besondere: Nach der Vermählung folgt die Vermehlung. 2005 wird die Windrose erneuert. 2007 erfolgt die Biozertifizierung. Zwischen 2009 bis 2014 weitere Instandsetzungsarbeiten. 2015 wurde der Rumpf überarbeitet, 2016 ist die Galerie wieder dran.

Die Braaker Mühle ist eine der wenigen Mühlen Deutschlands, die noch mahlen. Sie produziert 130 Tonnen Getreide im Jahr. Sie ist bei Kindern und Erwachsenen als Veranstaltungsort beliebt, es werden Führungen angeboten, in der Müllerstube kann man feiern und regelmäßig am Mühlentag strömen die Besucher nach Braak.




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