Seine Arbeit beginnt mitternachts

Immer auf Achse für die Leser des Stormarner Tageblatt: Zusteller Wolfgang Trojahn mit seinem bislang siebenten Roller.
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Immer auf Achse für die Leser des Stormarner Tageblatt: Zusteller Wolfgang Trojahn mit seinem bislang siebenten Roller.

Der Barkhorster Wolfgang Trojahn ist Zeitungszusteller mit Herz und Seele – und das schon seit einem Vierteljahrhundert

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15. Dezember 2014, 13:18 Uhr

Sie sorgen dafür, dass das Stormarner Tageblatt pünktlich bei den Lesern im Brief- oder Zeitungskasten landet: Rund 120 Zusteller sind im Kreis Stormarn Tag für Tag - oder besser gesagt Nacht für Nacht - unterwegs, bei Wind und Wetter, Schnee oder Regen.

Wolfgang Trojahn ist einer von ihnen, und sein Arbeitstag beginnt um 1 Uhr nachts, also zu einer Uhrzeit, zu der die meisten Menschen gerade in ihre Tiefschlafphase versinken. Doch wie fast alles im Leben wird auch diese unbequeme Arbeitszeit irgendwann zur Gewohnheit. Mitten in der Nacht klingelt unbarmherzig der Wecker, dann geht es bei Wind und Wetter hinaus in die Dunkelheit. „Verschlafen ist die absolute Ausnahme“, sagt Wolfgang Trojahn. Der Barkhorster packt bei Nacht und Nebel einen dicken Zeitungsstapel in das Topcase seines Mopeds, anschließend geht es auf Tour von Barkhorst über Lasbek, Krummbek und Pölitzfeld. So landet das Stormarner Tageblatt tagtäglich zuverlässig und bereits nachts bei den Abonnenten in den Zeitungs- und Briefkästen.

Seit genau 26 Jahren ist Wolfgang Trojahn Zusteller. „Meine Zeitungen sind noch nie nass geworden“, sagt der 63-Jährige nicht ohne Stolz, der im Winter bei Schnee und Eis allerdings auch mal ausnahmsweise das Auto nimmt. 18 Kilometer beträgt seine Tour, manchmal springt er auch als Vertretung für eine zweite ein.

Als Wolfgang Trojahn vor 26 Jahren als Austräger begann, waren die Arbeitszeiten noch angenehmer, denn das Stormarner Tageblatt erschien bis Ende der 80er Jahre erst am frühen Nachmittag. Die nächtliche Arbeit macht dem Barkhorster allerdings nichts aus. „Samstag ist der einzige Tag in der Woche, wo ich auch mal abends länger Fernsehen gucken kann, denn sonntags ist mein freier Tag“, erzählt der HSV-Fan. Allerdings funktioniert die innere Uhr sehr gut und lässt sich nicht so einfach ausschalten, deshalb liegt Wolfgang Trojahn auch am Sonntag nicht lange im Bett.

Wenn der Zusteller erst mal auf seinem Motorroller sitzt und durch die Nacht fährt, ist er hellwach und begegnet so manchen Tieren, die man tagsüber eher selten zu Gesicht bekommt: Füchse, Wildschweine, Hasen, Rehe und sogar mal einen Marderhund. „Um Wildschweine mache ich einen großen Bogen, das kann gefährlich werden. Aber ich habe mal eine kleine Eule auf der Straße gefunden, da halte ich natürlich an“, erzählt der Barkhorster. Oft begegnet er auch Katzen, die dann ihre Streicheleinheiten bekommen. Manchmal kommen leider auch noch ein paar betrunkene Zweibeiner dazu. „Angst darf man nicht haben. Bisweilen begegne ich auch der Polizei, meinem Freund und Helfer. Man kennt sich und deshalb werde ich auch mal gefragt, ob ich etwas Verdächtiges gesehen habe. Aber auf dem Dorf werden höchstens ein paar Schweine geklaut“, lacht Wolfgang Trojahn, der neben Handy und Helmleuchte auch eine Taschenlampe dabei hat, denn viele Grundstücke sind nachts schlecht beleuchtet.

Und natürlich hatte er in all den Jahren auch schon die eine oder andere unheimliche und skurrile Begegnung. „Einmal habe ich mich zu Tode erschrocken, als an einer Haustür plötzlich eine alte Dame im Nachthemd und mit ihrem Gebiss in der Hand vor mir stand. Sie war wohl etwas verwirrt und konnte nicht schlafen. Und eine reglose Gestalt im Straßengraben entpuppte sich als ein dort übernachtender Zimmermann, der sich bei mir bedankte, dass ich ihn geweckt hatte, denn sonst wäre er wohl zu spät zur Arbeit gekommen“, erzählt der Austräger von seinen Erlebnissen.

Eigentlich ist Wolfgang Trojahn nie krank, doch einmal sorgte eine betrunkene Autofahrerin dafür, dass er bei einem schweren Unfall wegen mehrerer gebrochener Rippen längere Zeit im Krankenhaus verbringen musste. Die junge Frau fuhr in sein Moped, und der 63-Jährige hatte noch Glück, dass er nicht drauf saß, sondern nur daneben stand. „Das ist jetzt schon mein siebenter Roller. Der Verschleiß ist eben groß, genau wie bei meinen Schuhen, denn man muss auch viel laufen“, erzählt Trojahn, der im vergangenen Jahr für seine treuen und zuverlässigen Dienste von der Zustellgesellschaft mit einer Silbermedaille ausgezeichnet wurde. „Ich mache so lange weiter, bis ich einen Rollator brauche“, lacht Wolfgang Trojahn, denn bekanntlich kann ihn ja nichts so schnell schrecken.



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