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Ausstellung : Sehnsucht, Vergänglichkeit und Jeansblumen für River

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Verena Schöttmer, Stipendiatin der Sparkassen Kulturstiftung, zeigt ihre Abschlussausstellung in der Trittauer Wassermühle.

shz.de von
erstellt am 20.Apr.2017 | 12:00 Uhr

Dass man all seinen Ex-Partnern nochmal Blumen schenkt, kommt eher selten vor. Im Fall von Verena Schöttmer, Stipendiatin in der Trittauer Wassermühle, ist das aber im Rahmen ihrer Ausstellung „Ghostwritings“ der Fall. Mit Chlor hat sie Jeansstoff gebleicht und die daraus entstandenen „Blumensträuße“, die irgendwann auf dem Stoff erkennbar wurden, widmete sie kurzerhand ihren Ex-Partnern. Diese heißen nun „Für R.E.“ oder „Für J.S.“. Die ausgeblichenen Blumen für die verblichenen Lieben also sozusagen. Die Ahnungen der Formen eines Straußes sind eher Erinnerungen an Blumen für den Betrachter. Interessant ist, dass Schöttmer – und das ist ihr Ansatz –
damit ein klassisches Motiv mit einem im wahrsten Sinne des Wortes popkulturellen Stoff zusammenbringt: der Blue Jeans. Somit entsteht aus der Kombination etwas Neues. Noch heute ist die Jeans mit Abenteuerlust und Arbeit konnotiert. Die Blumen hingegen sind eher zerbrechlich und vergänglich, im Gegensatz zum Image der Jeans, die quasi als unverwüstlich gilt. „Der Name Ghostwriting fiel mir ein, weil die Blumen, wie von Geisterhand, auf dem Jeansstoff erschienen“, erklärt die Künstlerin. Noch dazu wird bei diesem besonderen Prozess eben nicht Farbe aufgetragen, sondern Farbe weggenommen. Es wird etwas ausgelöscht und verändert. Parallelen zu Beziehungen und all ihren Problemen sind schnell hergestellt.

„Ich möchte das aber auch alles etwas scherzhaft und augenzwinkernd verstehen“, erklärt Schöttmer. Die Auseinandersetzung mit ihren ehemaligen Beziehungen, sei kein schmerzhafter Prozess oder ähnliches gewesen. „Erstens habe ich zu allen noch ein gutes Verhältnis und zweiten bin ich dabei gar nicht so tief gegangen. Ich habe darin jetzt nicht meine Beziehungen nochmal aufgearbeitet“, so die Künstlerin weiter, die sich trotz der Themen Vergänglichkeit, Abwesenheit und Trennung wünscht, dass ihre Abschlussausstellung eine „gewisse Leichtigkeit“ behält. Zu sehen sind in der Wassermühle auch Skulpturen, die sich auch aus zwei unterschiedlichen Stoffen zusammensetzen. Ist es bei den Jeansbildern der Kontrast zwischen dem Dargestellten und dem Medium auf dem es dargestellt wird, so ist es bei den Skulpturen – die sich ebenfalls mit Beziehungen auseinandersetzen – das Aufeinandertreffen unterschiedliche Stoffe. Edelstahl trifft auf Keramik, Leggins oder Winterjacken treffen ebenfalls auf Keramik und bringen damit vergangenes, altes Kunsthandwerk und Moderne zusammen.

Neben ihren Ex-Freunden hat die Künstlerin noch den 1992 verstorbenen Schauspieler River Phoenix mit einem Jeans-Chlor-Strauß bedacht. „Er war eine Sehnsuchtsikone, wenn man so möchte. Und als ich am Katalog zur Ausstellung saß, kamen mir seine Bilder vor Augen. Er passt zur Jeans und zu Popkultur. Man hätte auch James Dean nehmen können, aber das wäre mir viel zu offensichtlich gewesen“, so Schöttmer weiter. Und so kommt der als großes Talent gehandelte Phoenix in Trittau nochmal zu unerwarteten Ehren.

>Die Ausstellung wird am 22. April um 16 Uhr in der Galerie in der Wassermühle eröffnet. Sie ist bis zum 28. Mai zu sehen. Öffnungszeiten: Sonnabend und Sonntag 11 bis 18 Uhr.

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