Sehmsdorfer Reitemeyerbräu - einzigartig

Edles Gebräu in ansprechender Bügelflasche. Fotos: ol
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Edles Gebräu in ansprechender Bügelflasche. Fotos: ol

Es ist strahlend gelb, ein bisschen trübe, mit gewaltiger Schaumkrone, schön gekühlt - und es schmeckt nach mehr: Ein Glas echtes Sehmsdorfer Reitemeyerbräu! Ernst-Ulrich Reitemeyer braut es.

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12. August 2009, 09:59 Uhr

Bad Oldesloe | Vor elf Jahren hat Ernst-Ulrich Reitemeyer damit angefangen. Er hatte ohne tiefere Absichten, aber mit viel Spaß, an einem Braukursus teilgenommen und sich danach gesagt: "So schwer kann das doch nicht sein. Das probierst du mal." Gesagt getan. Jüngst wurde der 300. Sud gefeiert.

Der erste Versuch war gleich explosiv und ist eingeschlagen wie eine Bombe. Reitemeyer hatte ein 30-

Liter-Fass aufgeflext und darin seinen Sud angesetzt. Alles lief so weit auch ganz gut. Bis zum Anstich, als der Gerstensaft quasi explodierte. Von den 30 Litern blieben nur noch 15 über. "Aber die haben unwahrscheinlich gut geschmeckt", berichtet der Hobbybrauer und schmunzelt.

Die folgenden Versuche waren nicht so wohlschmeckend, aber der Sehmsdorfer hat tapfer alles ausgetrunken und weiter experimentiert. Mit Erfolg, auch wenn Reitemeyer den anfangs gar nicht haben wollte. "Der Satz: Sag das bloß nicht weiter, ist die beste Garantie dafür, dass es das ganze Dorf weiß." So wurde sein "Rotary Bier", das regelmäßig für den guten Zweck verkauft wird, zum regelrechten Renner. Seine Frau Elisabeth schenkte ihm dann mal zur Weihnacht zwei 80-Liter-Töpfe, die den Einstieg in größere Produktionsmöglichkeiten bedeuteten. Eine eigene Malzmühle kam hinzu, und die eröffnet ihm größere Freiheiten beim Brauen.

Für den Altstadtverein braute Reitemeyer unlängst 500 Liter Treidlerbier und gesteht: "Ich habe im Leben nicht damit gerechnet, dass die das alles verkaufen." Aber es kam dann relativ schnell ein Anruf: "Wie viel Bier hast du noch? Wir haben nichts mehr."

Neben Rotary- und Treidler-Bier hat der Oldesloer eine ganze Palette an Gerstensäften "im Angebot". Klassisches Pils, Dunkelbier (weil es am Tag der Geburt von Enkel Malte entstand, trägt es seinen Namen), Hefeweizen … Nur mit der Frage nach einem Alsterwasser darf man ihm nicht kommen. "Da gibt der Brauer sich größte Mühe, das deutsche Reinheitsgebot einzuhalten, und dann wird es mit irgendwelchen Limonaden verpanscht", zeigt er sich empört.

Gerste, Hopfen, Malz und Wasser: Ernst Ulrich Reitemeyer weiß, wie daraus Bier wird. Er braut nicht irgendwelche Rezepturen nach, sondern kennt sich auch mit den chemischen Vorgängen bestens aus, die da ablaufen. Der "Trick" dabei ist es, Getreidekörnern die Energie zu entziehen. Ein aufwändiger Prozess von erhitzen und ruhen lassen. Zusammen mit dem Hopfen hat man dann die Stammwürze. "Im Grunde ist das reines Zuckerwasser", erklärt der Fachmann: "Das muss man schnell abkühlen, weil es sonst alle Arten von Bakterien magisch anzieht." Zu dieser Stammwürze kommt dann Hefe, die den Fruchtzucker in Kohlensäure und Alkohol umwandelt - man kann es auch Bier nennen.

Das Gebräu muss gut lagern. Ein Pils mindestens zwei Wochen, Bockbier kommt auf stolze zwei Monate. So viel Zeit haben die großen Brauereien natürlich nicht, aber Ernst-Ulrich Reitemeyer nimmt sie sich. "Dadurch werden die Fuselöle abgebaut. Das ist das, wovon man die Kopfschmerzen bekommt. Das schlimme ist nur, dass es gleich schon gut schmeckt. Aber wenn man wartet, schmeckt es noch besser."

Neben unbedingter Hygiene ist Kühlung beim Brauen wichtig. Der 64-Jährige hat deshalb extra seine Sauna rausgeworfen und zu einem Kühlraum umgebaut. Sein Bier gärt da vor sich und dort werden auch die Vorräte gebunkert. Im ehemaligen Ruheraum stapeln sich jetzt die Säcke mit Malz. Hefe bekommt der Hobbybrauer bei den großen Brauereien kostenlos - sie wird dort nur einmal verwendet und vermehrt sich auch noch, gilt deshalb als Abfall.

Bier brauen ist das Hobby des Elektroingenieurs, das soll es auch bleiben, beteuert Reitemeyer. Trotzdem muss es mit der nötigen Ernsthaftigkeit und Professionalität betrieben werden. Dazu gehört auch, das Hobby beim Zoll anzumelden.

In den großen Brauereien ist noch etwas anders als in der kleinen Sehmsdorfer Privatbrauerei. Sie filtern und pasteurisieren das Bier, um es haltbar zu machen. Reitemeyer schmunzelt: "Komischerweise wird es bei mir nie so alt, dass es schlecht werden könnte, trotzdem ist alles, was an Vitaminen und Mineralien rein gehört auch drin."

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