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Adipositas-Krankenwagen : Schwerlast-RTW für Lübeck und Stormarn

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Fahrzeug in Lübeck wird für die Kreise Ostholstein, Stormarn und Herzogtum Lauenburg zuständig sein.

von
erstellt am 20.Aug.2014 | 18:43 Uhr

Die Zahl der Übergewichtigen steigt, und wenn diese Menschen ins Krankenhaus müssen, ist das ein Problem. In Stormarn gibt es keinen Rettungswagen, mit dem Patienten über 180 Kilogramm transportiert werden könnten. Im Südkreis wurde das Spezial-RTW aus Hamburg angefordert, in im Rest Stormarns ein ausgedienter Rettungswagen, den die Johanniter für XXL-Patienten umgebaut hatten.

„Das Fahrzeug wird nicht mehr eingesetzt. Es war so alt, dass es drohte, auseinanderzufallen“, sagt Rettungsdienstleiter Tobias Beyer. Aber Abhilfe ist in Sicht: Die Krankenkassen haben gerade grünes Licht für die Anschaffung eines Schwerlast-Rettungswagens gegeben. Während die normalen RTW 3,5-Tonner sind, basieren die XXL-Fahrzeuge auf einem 7,5 Tonner.

Mit 2,55 Metern sind sie rund einen halben Meter breiter als ein Standard-RTW. Mit Hilfe einer Ladebordwand können die Patienten hochbugsiert werden, und die Trage ist ebenfalls breiter und schafft 750 Kilogramm. Bei den normalen Rettungswagen schaltet die Automatik bei 180 Kilogramm ab. Auch das weitere Equipment wie Tragetücher und Gurte fallen wesentlich größer und belastbarer aus.

Auf rund 200 Einsätze mit stark übergewichtigen Patienten kommen die Lübecker, mehr als zwei Drittel in der Hansestadt selbst, ein Viertel im Kreis Ostholstein, der Rest in Stormarn und dem Herzogtum Lauenburg.

Tobias Beyer geht zudem davon aus, dass im Stormarner Süden weiterhin das Hamburger Fahrzeug im Zuge von Amtshilfeersuchen zum Einsatz kommt. „Jedes Bundesland ist zwar selbst für sich verantwortlich, aber es macht wenig Sinn, im Speckgürtel das Fahrzeug aus Lübeck anzufordern“, sagt Beyer, der erwartet: „Das wird sich einspielen.“

Die Entlastung im Alltag, die sich die Leiterin des Stormarner Rettungsdiensts, Annett Zander, durch das XXL-Fahrzeug verspricht, wird es wohl nicht geben. „Auch künftig werden wir die Unterstützung durch einen weiteren Rettungswagen und bei Bedarf auch der örtlichen Feuerwehr anfordern“, sagt Beyer. Nicht nur Tragen und Gurte, auch die Mitarbeiter der Dienste und Feuerwehren sind nicht auf so viel Übergewicht ausgelegt. „Die Grenze für zwei Sanitäter liegt bei Personen mit 120 bis 130 Kilo“, sagt Kreisbrandmeister Gerd Riemann.

Und der Transport ist noch keine Behandlung. Größere Kliniken richten bereits Zimmer mit extra breiten Türen ein, beschaffen OP-Tische und Betten für Schwerlast, breitere Sitzmöbel und spezielle Lifter zum Hochziehen übergewichtiger Patienten. Da sind die extralangen Instrumente für minimalinvasive Operationen noch das Geringste

Als fettleibig oder adipös gilt, wer einen Body-Mass-Index über 30 hat, Übergewichtig beginnt bereits bei einem BMI von 25. Laut Untersuchungen sind mittlerweile 23,3 Prozent der Männer und 23,9 Prozent der Frauen adipös. 1998 waren es 19 und 22,5 Prozent. Die größte Zunahme gab es in der Altersgruppe 25 bis 34. Nach einer Langzeituntersuchung zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ist mittlerweile jedes siebte Kind übergewichtig. Das sind bundesweit 1,9 Millionen und 50 Prozent mehr als im Untersuchungszeitraum 1985 bis 1999. Mehr als 40 Prozent gelten sogar als adipös, krankhaft übergewichtig. Zudem hat sich gezeigt, dass der Anteil Übergewichtiger mit dem Alter steigt.

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