Stormarn : Schwere Zeiten für den Nachwuchs

Gefiederte Dorfbewohner: Seit Jahren fühlen sich die Störche und ihr Nachwuchs in Bargfeld-Stegen wohl. Fotos: Weidinger/hfr (3)
Gefiederte Dorfbewohner: Seit Jahren fühlen sich die Störche und ihr Nachwuchs in Bargfeld-Stegen wohl. Fotos: Weidinger/hfr (3)

Viele Storchenjunge haben wegen Nahrungsmangel nicht überleben können

shz.de von
07. August 2018, 06:00 Uhr

Das Storchenjahr begann eigentlich sehr vielversprechend, geht aus der Bilanz des Naturschutzbundes (Nabu) Bad Oldesloe hervor: So sind insgesamt 31 Storchenpaare (Vorjahr 29) aus ihren Winterquartieren zurückgekehrt und haben die Stormarner Nester bezogen. Das ist ein neuer Rekord bei den Rückkehrerergebnissen seit Beginn der Aufzeichnungen vor 45 Jahren. Dabei ist auch eine Neuansiedlung in Bünningstedt zu vermelden. Der Rückkehrzeitraum zog sich erneut über mehrere Wochen. Der erste Storch in Todendorf war schon am 29. Januar zurück, während die letzten Störche erst wieder im Mai eintrafen.

Erneut haben die extremen Witterungsverhältnisse den Nabu-Storchenbetreuern einen Strich durch eine erfolgreiche Nachwuchsbilanz gemacht, wobei in diesem Jahr mit unnormaler Hitze und Trockenheit das gegenteilige Extrem zu 2017 mit Dauerregen und Kälte den Störchen das Leben schwer gemacht hat. Anfang/Mitte Mai sind die Storchenküken noch so klein, dass sie nahezu ausschließlich mit Regenwürmern gefüttert werden. Die gab es aber bei der Trockenheit so gut wie überhaupt gar nicht zu finden. Das führte dazu, dass Junge wegen Nahrungsmangel eingingen bzw. die schwächsten Jungen von den Eltern aus dem Nest geworfen oder selbst verspeist wurden. Die Natur ist da unnachgiebig, teils geradezu grausam. Letztlich dient dies aber dem Arterhalt. Das heißt: Bei einer Dreierbrut werden zwei Junge rausgeworfen, damit das Dritte überleben kann, weil nicht genug Nahrung für alle da ist. Vielerorts gab es daher gar keinen Nachwuchs bzw. nur ein Junges, das flügge wurde.

Am Ende führte das dazu, dass von 31 Storchenpaaren überhaupt nur 19 (Vorjahr 15) erfolgreich Junge aufzogen. Die Gesamtzahl der Jungen, die in den nächsten Wochen ihre Reise in die Winterquartiere antreten, beträgt 38 (Vorjahr 33). „Somit kommen wir in diesem Jahr auf durchschnittlich nur 1,2 Junge – Vorjahr 1,1 – pro Storchenpaar und damit auf den zweitschlechtesten Wert seit 25 Jahren. Das dritte Jahr hintereinander derart schlechte Nachwuchsergebnisse lassen vermuten, dass sich dies in den nächsten Jahren negativ auf den Bestand auswirken wird, denn zum Bestandserhalt brauchen wir einen Durchschnitt von 1,7 Jungen pro Horstpaar“, erklärt Storchenbetreuer Andreas Hack: „Der Klimawandel betrifft eben nicht nur die Eisbären in der Arktis, sondern zunehmend auch unsere Weißstörche.“

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