Positives Fazit in Stormarn : Schutzstreifen: Autos machen Platz für Radfahrer

Zwischen den Radfahrsteifen – das ist das richtige Fahrverhalten, hier auf der K  79.
Zwischen den Radfahrsteifen – das ist das richtige Fahrverhalten, hier auf der K 79.

Auf drei Strecken im Kreis Stormarn testet der Bund Markierungen auf Landstraßen – ein erstes Fazit fällt positiv aus.

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22. Januar 2015, 18:15 Uhr

Bad Oldesloe | Die abmarkierten Radfahrschutzstreifen in Stormarn bleiben – zumindest bis Jahresende. „Das Zwischenfazit ist positiv, der Modellversuch läuft erstmal weiter“, erläuterte Gutachter Stefan Luft vom Büro Urbanus im Kreisverkehrsausschuss. Bundesweit wurden auf 18 Straßen außerorts Radfahrstreifen markiert, Stormarn beteiligte sich als einziger Kreis in Schleswig-Holstein mit drei Strecken. Die K79 zwischen Eichede und Barkhorst, die K97 ab dem Kreisverkehr in Siek Richtung Hoisdorf und die K98 zwischen Lütjensee und Oetjendorf waren ausgewählt worden, da die Straßenbreiten und die Verkehrsbelastung passten. Mehr als 4000 Kraftfahrzeuge am Tag sollten es nicht sein. Mit den 1,30 bis 1,50 Meter Abmarkierungen wurden auch Tempo 70 Schilder aufgestellt.

Die Autos sollen die „Kernfahrbahn“ zwischen den Streifen benutzen, die nur „im Bedarfsfall“ – zum Beispiel bei Gegenverkehr – überfahren werden dürfen, sofern dort kein Radler unterwegs ist. Das scheint auf den Stormarner Strecken nicht allzu häufig der Fall gewesen zu sein. Ein eintägige Befragung der Verkehrsteilnehmer gab es nur auf der Kreisstraße zwischen Lütjensee und Oetjendorf. 120 Autofahrer und 22 Radler waren dort unterwegs. Luft: „Wir haben jeden Radfahrer angehalten.“

Von den 22 beurteilten 20 die Abmarkierungen sehr positiv und fühlten sich sicherer auf der Straße. Auch bei den Autofahrern war die Zustimmung groß. Zwei Drittel fanden sie gut oder sehr gut, nur rund zwölf Prozent lehnten sie ab. Etwa ein Drittel hielt die Markierung aber für weniger sicher als zuvor.

Allerdings gaben die meisten Autofahrer auch an, ihr Fahrverhalten geändert zu haben. Das konnten die Messungen nicht bestätigen. Luft: „Das Geschwindigkeits-Niveau hat sich nicht reduziert, es war sogar höher als vorher.“ 85 Prozent seien schneller als 70 gewesen.

Unfälle, die mit den Schutzstreifen in Verbindung stehen, gab es aber keine. „Diese zu Beginn des Versuchs geäußerte Befürchtung hat sich nicht bestätigt“, sagt Luft. Vor den Abmarkierungen sahen zwei Drittel der befragten „lokalen Experten“ vom ADFC bis zur Polizei Konfliktpotenziale zwischen Radlern und Autos. Bei der zweiten Befragung waren es nur noch 34 Prozent.

Die Gutachter haben Radler und Autofahrer nicht nur befragt, sondern auch gefilmt. Es wurden stationär und Verfolgungs-Videos gedreht. Die Auswertungen sollen zeigen, ob die Autofahrer die Sicherheitsabstände einhielten. Radler hatten zum Teil kritisiert, dass die Autos zu dicht an ihnen vorbei fuhren. Es kann aber auch sein, dass einfach die Radfahrer ganz links an der Markierung fuhren.

Fehlverhalten, so Luft, habe es nicht nur bei den Auto-, sondern auch bei den Radlern gegeben, zum Beispiel das Nebeneinander-Fahren auf dem Schutzstreifen. Das änderte insgesamt aber nicht am positiven Zwischenfazit. Auch bei den „lokalen Experten“ votierten 61 Prozent für eine Beibehaltung. Nur etwa zehn Prozent wollten die Radfahrstreifen gleich wieder abschaffen.

Die Gutachter aus den verschiedenen Testregionen befassen sich zurzeit mit den „komplexen Ergebnissen“, so Luft. Zwar war die Zustimmung bei gering belasteten Strecken höher und bei rot markierten Radfahrstreifen wurde tendenziell langsamer gefahren, systematischen Zusammenhänge zwischen Geschwindigkeit, Verkehrsstärke und Fahrbahnbreite seien aber noch nicht ableitbar.

Bis Mitte des Jahres sollen die Gutachter ihre Empfehlung aussprechen, ob die Radfahrschutzstreifen in die StVO aufgenommen werden sollen. Haupt-Diskussionspunkte sind die Akzeptanz , vor allem des Tempolimits, die Information der Verkehrsteilnehmer über das richtige Verhalten und eine Kennzeichnung potenzieller Konfliktstellen. Durchaus möglich ist zudem, dass es weitere Versuchsstrecken geben wird mit Straßen, die eine höhere Verkehrsbelastung aufweisen.

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