Schulunterricht mit sehr viel Gefühl

 Nico (l.) und sein Freund Steve von der Masurenwegschule fühlen sich stolz - und zeigen das auch.  Foto: Rohde
Nico (l.) und sein Freund Steve von der Masurenwegschule fühlen sich stolz - und zeigen das auch. Foto: Rohde

An der Schule am Masurenweg geht es neuerdings um Gefühle aller Art. Training im Problemelösen steht auf dem Stundenplan.

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15. Juli 2009, 09:59 Uhr

Bad Oldesloe | Steve und Nico sind stolz. Dieses schöne Gefühl zeigen die beiden Drittklässler auch auf einem Blatt eines so genannten Gefühleblocks. Hier sind verschiedene Gefühlegesichter abgedruckt, die von stolz über traurig, ängstlich fröhlich oder frustriert insgesamt zehn verschiedene Regungen zeigen. "Wir sind stolz, weil wir heute die Yu-Gi-Oh-Karten mit dem Weißen Drachen bekommen haben", erklärt Nico und strahlt mit seinem Freund um die Wette.

Um Gefühle aller Art geht es nämlich bei dem Projekt "TIP". Training im Problemelösen ist ein Gruppentraining für Grundschüler, mit dem die beiden Trainerinnen Wiebke Finck und Andrea Kefrig-Blase seit einigen Wochen in der Klasse 3 d der Gemeinschaftsschule am Masurenweg zu Besuch sind. In einer Schulstunde pro Woche machen sie den Kindern das Erkennen und Benennen von Gefühlen bewusst. TIP soll die Selbstkontrolle der Kinder stärken und ihre Fertigkeiten im Lösen von sozialen Problemen fördern.

Zuvor müssen die Schüler aber erst einmal ihre eigenen Emotionen erkennen, einordnen und benennen können. Dabei helfen so genannte Gefühlegesichter auf Blocks, die jedes Kinder bekommt. Hier können sie zeigen, wie sie sich gerade fühlen, ob sie traurig, frustriert oder gar wütend sind. Negative Gefühle sind unangenehm, müssen aber ausgehalten und verarbeitet werden.

Dafür bedarf es einer gewissen Selbstkontrolle, die die Kinder lernen müssen. Das Trainingsprogramm, das am Institut für Psychologie der Universität Erlangen-Nürnberg entwickelt wurde, enthält deshalb auch Strategien des Beruhigens und Bewältigens von Problemen und Gefühlen.

"Die Kinder lernen, dass auch negative Gefühle okay sind, aber das dann folgende Verhalten nicht unbedingt richtig ist", sagt Wiebke Finck, die sich mit ihrer Kollegin an der Uni Erlangen für das Programm schulen ließ. Ein großes Plakat mit einer Ampel zeigt drei Strategien, wenn Probleme auftreten. Die Farbe Rot bedeutet "Stop, erst mal tief durchatmen", Gelb animiert dazu, einen Plan zu machen und über das Problem zu reden. Die Farbe Grün schließlich meint "Los, probiere die beste Idee aus". Die Gruppentrainerinnen arbeiten mit kleinen Geschichten, Bildern, Folien und Rollen sowie Bewegungsspielen, um die Kinder zu sensibilisieren. Wichtig sei es, auch die Eltern miteinzubinden, sagt Andrea Kefrig-Blase. Die Kinder bekämen deshalb jede Menge Material und Elternbriefe mit nach Hause, in der Hoffnung, dass sie auch gelesen würden. "Die Eltern müssen schließlich wissen, wovon wir hier reden", meint Wiebke Finck.

Das ganze Projekt sei recht anspruchsvoll, die Kinder müssten die Zusammenhänge in den Geschichten begreifen, sie nacherzählen können und auch viel schreiben, so die Vorsitzende des Mehrgenerationenhauses Oase.

Neben dem Ausdrücken von Gefühlen sollen die Kinder sich auch gegenseitig Komplimente machen, das sei ganz wichtig, so Andrea Kefrig-Blase in ihren weiteren Ausführungen. Für Klassenlehrerin Vera Schultz hat sich die Atmosphäre in der Klasse bereits zum Positiven verändert. "Die Kinder überlegen jetzt erst einmal, bevor sie aggressiv oder wütend reagieren, und besonders die Mädchen weisen auf die Ampel hin", so die Pädagogin.

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