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Stormarner Tageblatt

12. Dezember 2017 | 07:49 Uhr

Schulterschluss für Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Kooperation mit Vorbildcharakter: Stadt und Amt bündeln ihre Kräfte

shz.de von
erstellt am 24.Feb.2015 | 12:39 Uhr

Sie flüchten am helllichten Tag und in Nacht- und Nebelaktionen. Nur mit dem, was sie am Leib oder in den Händen tragen und in den Armen halten können. Babys und Kinder im Schlepptau. Nur weg hier! Hier – das sind Länder wie beispielsweise Irak, Syrien, Afghanistan. Wo die Zustände barbarisch, mörderisch, katastrophal sind. In Europa, Deutschland, Schleswig-Holstein erhoffen sich diese gebeutelten Menschen– wer kann es ihnen verdenken – eine bessere Welt, ein Leben ohne Angst und Schrecken.

Der immer weiter ansteigende Flüchtlingsstrom sei eine „riesengroße Herausforderung“, betont Bargteheides Bürgermeister Henning Görtz. Eine Herkulesaufgabe, die allein nicht zu bewältigen sei. Deshalb bündeln die Stadt und das Amt Bargteheide-Land ihre Kräfte und arbeiten eng zusammen.

Gestern wurde im Bargteheider Rathaus das Kooperationsprojekt „Flüchtlingsbetreuung“ vorgestellt. Eine Mission mit Vorbildcharakter! Für die Flüchtlinge sitzen Hauptamtliche und Ehrenamtliche in einem Boot.

„Es gibt gemeinsame Bezugspunkte, viele Verflechtungen zwischen Stadt und Amt“, sagt Görtz – etwa bei Kitas und Schulen. Da sei eine enge Zusammenarbeit bei der Flüchtlingsproblematik nicht nur überaus sinnvoll, sondern notwendig. Deshalb wurde „ein verlässliches Netzwerk der Verwaltungen, der Kollegen in Stadt und Amt aufgebaut“, merkt Amtsvorsteher Herbert Sczech an: „Durch das rechtzeitige und gemeinsame Handeln haben wir ein hohes Maß an Akzeptanz bei den Bürgern erfahren.“ Im Umkehrschluss erfahren die Stadt und die Gemeinden ein hohes Maß an Hilfsbereitschaft von Seiten der Anwohner. Viele Stormarner wollen helfen, unterstützen, sich einbringen. Das verdeutlicht Bargteheides Gleichstellungsbeauftragte Gabriele Abel: In der Stadt gebe es derzeit 50 Helfer und Paten sowie 20 Institutionen, die am runden Tisch und in gebildeten Gruppen sitzen und überlegen, wie den Flüchtlingen so gut wie möglich unter die Arme gegriffen werden könne. Ebenso sieht es im Amt Bargteheide-Land aus. „In allen Orten haben wir Paten, Helfer, Institutionen“, verdeutlicht der Leitende Verwaltungsbeamte, Bernd Gundlach: „Es gibt viel Hilfsbereitschaft bei den ehrenamtlichen Politikern und den Bürgern.“ Von den vielen Spendern und Sponsoren ganz zu schweigen.

Paten betreuen Flüchtlinge komplett. Helfer fahren mit Asylbewerbern zum Arzt oder zu Behörden. Zahlreiche Dolmetscher helfen bei Sprachproblemen. Deutschlehrer geben bei der VHS unentgeltlich Deutsch-Kurse und und und. Dieses Engagement wissen auch die Menschen aus den fernen Ländern zu schätzen. „Es wurde ein Vertrauensverhältnis zu den Flüchtlingen geschaffen. Die Tuchfühlung mit den Menschen funktioniert“, sagt Herbert Sczech und legt nicht ohne Stolz nach: „Wir haben hier etwas gemeinsam auf die Beine gestellt!“

Vieles ist derzeit am Entstehen: Eine Nähstube soll eingerichtet und eine Homepage für Flüchtlinge, Helfer und Bürger erstellt werden. Für die Website arbeiten drei ehrenamtliche Helfer und zwei Flüchtlinge zusammen. Die Internet-Plattform soll unter anderem ein virtuelles Lager beinhalten und eine Liste bieten, auf der steht, was gebraucht wird und was der Bürger hat und spenden möchte – vom Bett bis zum Tisch. Ein richtiges Lager sei finanziell und personell nicht umzusetzen, gibt Bargteheides Verwaltungschef zu bedenken.

Angesichts der Zuwachsraten bereitet die Wohnraumfrage dem Bürgermeister noch Kopfzerbrechen: „Derzeit sind die Flüchtlinge gut bis vernünftig untergebracht.“ Aber bis Ende 2015 geht er von 250 bis 300 Flüchtlingen in Bargteheide (derzeit 79) und Bargteheide-Land (derzeit 105) aus. Er appelliert an die Bürger: Wer Wohnraum zur Verfügung stellen kann, bitte melden. Dezentrale Unterbringung heißt die Maxim. Heißt: Keine großen Wohnheime, sondern normaler Wohnraum oder Häuser sind gefragt. Die seien für eine gute Nachbarschaft viel besser, unterstreicht auch Bernd Gundlach. Ein festes Wohnhaus-Dach übern Kopf wäre speziell für zwei schwangere Frauen besser, meint Dietmar Fleischmann vom Ordnungsamt Bargteheide: „Wäre doch ein Jammer, wenn die obdachlos aufwachsen würden.“ Bitte helfen!

Wenn Sie sich in irgendeiner Form für Flüchtlinge einbringen möchten, wenden Sie sich bitte an Ulrike Meyborg. Kontakt per E-Mail unter:

meyborg@bargteheide.de.

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