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Stormarner Tageblatt

21. Oktober 2017 | 11:08 Uhr

Schule statt Ausbildung

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Firmen beklagen rückläufige Bewerberzahlen auf Lehrstellen / Gute Chancen für junge Leute

Das Angebot an Lehrstellen ist unverändert gut, die Unternehmen engagieren sich in der Ausbildung und haben fast so viele Ausbildungsstellen gemeldet im Vorjahr. So lautet die Zwischenbilanz von Arbeitsamt, Handwerk, Handel, Industrie und Berufsschulen zum Ausbildungsmarkt in Stormarn. Seit Herbst wurden 1079 Stellen gemeldet, 129 weniger als im Vorjahr.

„Die hohe Zahl zeigt den Willen der Unternehmen, junge Leute betrieblich auszubilden“, sagt Dr. Heike Grote-Seifert, Chefin der Arbeitsagentur Bad Oldesloe. Die Zahl der Bewerber auf eine Lehrstelle stieg zwar um 123 auf 1144, aktuell sind aber nur 682 junge Leute noch auf der Suche. Das sind gerade mal fünf mehr als im Vorjahr. Mehr als 700 Lehrstellen in Stormarn sind zurzeit noch nicht besetzt. Und weil es auch in den Nachbarregionen mehr Stellen als Kandidaten gibt, seien die Chancen auf einen Ausbildungsplatz unverändert gut.

Allerdings klagen viele Unternehmen über rückläufige Bewerberzahlen. Immer mehr Schulabgänger entscheiden sich gegen eine duale Ausbildung. „Wir stellen einen anhaltenden Trend in Richtung weiterführende Schulen und Studium fest“, sagt Grote-Seifert. Dabei sind Abitur oder Fachhochschulreife aus ihrer Sicht nicht zwingend Voraussetzung für einen erfolgreichen beruflichen Werdegang: „Auch mit einer betrieblichen Ausbildung stehen den jungen Leuten alle Karrierechancen offen.“

Eine abgeschlossene Berufsausbildung ermöglicht die Weiterbildung zum Betriebswirt, Meister oder Techniker. Und die hohe Zahl von Studienabbrechern sei ein klarer Indikator, dass die Entscheidung wohl abgewogen werden sollte.

Auch bei Bewerbern für eine Berufsausbildung ist der Anteil derjenigen mit Abitur oder Fachhochschulreife weiter gestiegen, von 26,3 Prozent im vergangenen Jahr auf 29,8 Prozent. Das hängt allerdings mit dem doppelten Abi-Jahrgang zusammen.

Den größten Anteil an den gemeldeten Stellen haben mit 23 Prozent die Kaufleute vom Einzelhandel bis zur Industrie. Bei den Bewerbern interessieren sich sogar sogar 27,9 Prozent für einen der vielen Kaufmannsberufe. Ebenfalls in der Top Ten ist der Kfz-Mechatroniker. Den 46 Interessenten stehen aber nur 21 Lehrstellen zur Verfügung. Noch schlimmer sieht es bei Immobilienkaufleuten. Dafür interessieren sich 27 junge Leute, aktuell gibt es in Stormarn aber nur eine Lehrstelle in Barsbüttel. Entspannt hat sich die Lage dagegen bei früheren Modeberuf Tischer Für 15 Ausbildungsstellen gibt es 24 Interessenten.

Die Agenturchefin appelliert zudem an die Unternehmen, auch schwächeren Jugendlichen eine Chance zu geben. „Viele entwickeln in der betrieblichen Praxis Fähigkeiten, die sich nicht in ihren Schulnoten spiegeln“, so Grote-Seifert. Gerade für sie sei der Praxisbezug eine besondere Motivation. Agentur und Jobcenter können mit der assistierten Ausbildung unterstützen. „Wir können den Jugendliche insbesondere beim Abbau von Bildungsdefiziten oder beim Erwerb fachtheoretischer Kenntnisse und Fähigkeiten zur Seite stehen“, so Grote-Seifert. Auch Einstiegsqualifizierungen, Stützunterricht und ausbildungsbegleitende Hilfen würden angeboten.

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