Schuldenberatungsstelle : Schuldnerberatung am Limit

Die Schuldenberatungsstelle Schleswig-Holstein klagt: "Wir brauchen mehr Geld"

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29. Dezember 2012, 08:52 Uhr

Rendsburg / Kiel | Überall im Land ist es eng. "Wir haben immer weniger Mitarbeiter, aber es kommen immer mehr Menschen, denen wir helfen wollen", klagt Alis Rohlf von der Koordinierungsstelle Schuldnerberatung in Schleswig-Holstein. Mittlerweile bieten die meisten Mitarbeiter in den 42 Beratungsstellen nur noch schnelle Termine für Kriseninterventionen an. "Alle anderen müssen warten", sagt Rohlf. Zum Teil dauere es mehrere Monate, bis Ratsuchende eine Insolvenzberatung bekommen.

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Ratsuchenden kontinuierlich gestiegen. Immer mehr Hartz-IV-Empfänger werden von den Jobcentern in die Beratungsstellen geschickt. Und immer mehr arbeitende Menschen verschulden sich, weil es kaum Lohnerhöhungen gibt, die Kosten für Lebenshaltung und Energie aber weiter steigen. "Und Menschen kommen zu uns, weil sie durch Fernsehsendungen glauben, Schulden könnten an einem Abend reguliert werden", sagt Rohlf. Es dauere aber bis zu acht Monate, bis ein Schuldner einigermaßen stabil sei.

Oft sind Geldsorgen nicht das einzige Problem der Schuldner. "Verschuldung macht krank", erklärt Alis Rohlf. Viele Menschen könnten es sich nicht leisten zum Arzt zu gehen oder Medikamente zu kaufen. "Oft haben wir es auch mit familiären Problemen zu tun." Dazu komme die psychische Belastung, die durch Schulden entstehe, sagt Rohlf weiter.

Das Land hat das Problem erkannt. Im Koalitionsvertrag steht: "Wir werden die Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung im Dialog mit den Trägern bedarfsgerecht ausbauen." Doch bislang ist davon wenig zu spüren. "Bezüglich der Auslastung der Beratungsstellen wird das Land das Thema gemeinsam mit den Beteiligten weiter erörtern", erklärt der Sprecher des Sozialministeriums, Christian Kohl. Zunächst habe das Land in diesem Monat den Beratungsstellen 70.000 Euro extra aus Einnahmen des Glücksspielgesetzes zur Verfügung gestellt. Ansonsten bleibt es bei der Unterstützung von 3,8 Millionen Euro pro Jahr, zwei Jahre vorher waren es noch 600.000 Euro mehr. "Das würde uns schon helfen", führt Alis Rohlf weiter aus.

Die Landesregierung will auch "prüfen, inwieweit die Unternehmen der Kreditwirtschaft verstärkt beteiligt werden können." Sinnvoll findet das Alis Rohlf, denn bei den Banken, die oft zur Verschuldung der Menschen beitrügen, würden Milliarden von Euro bewegt. Die Beratungsstellen bekommen aber bislang nur vom Sparkassen- und Giroverband im Norden rund 358.000 Euro an zusätzlichen Mitteln. Alis Rohlf: "Wir brauchen mehr Geld, sonst wird der Berg an Beratungsbedarf immer höher."

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