Reinbek : Schuldig! – Beweislage erdrückend

Schuldig! Der Angeklagte wurde vom Landgericht Lübeck verurteilt.
Schuldig! Der Angeklagte wurde vom Landgericht Lübeck verurteilt.

Der 24-jährige Angeklagte wurde zu knapp neun Jahren Haft verurteilt. Zusammen mit zwei Komplizen hatte er eine 79-Jährige überfallen und ausgeraubt.

shz.de von
10. Januar 2018, 06:00 Uhr

Acht Jahre und neun Monate Haft verhängte die III. Große Strafkammer des Landgerichts Lübeck gestern gegen Rainer D. Der 24-jährige Reinbeker wurde wegen gemeinschaftlichen besonders schweren Raubes, räuberischer Erpressung und Körperverletzung für schuldig befunden. Mit zwei Komplizen hatte er eine heute 79-jährige Glinderin im November 2016 in ihrem Haus überfallen und ausgeraubt (wir berichteten). Mit einem Trick verschafften sie sich Zutritt, fesselten die Frau und raubten sie aus.


Bereits vier Vorstrafen
Die Beweislage war erdrückend. Die Polizei ermittelte verschiedene DNA-Spuren mit dem genetischen Fingerabdruck des Angeklagten. Auf einem Überwachungsvideo war das Trio zu erkennen und schließlich hatte einer der Komplizen umfassend ausgesagt. Der dritte Täter erschien gestern vor Gericht, verweigerte aber die Aussage. Auch der Angeklagte sagte zur Sache nicht aus. Er schien die Aufmerksamkeit des Publikums zu genießen und lächelte öfters. Vier Vorstrafen hatte D. bereits. Von Hausfriedensbruch über gemeinschaftlichen Einbruch, schweren Raub bis zur Brandstiftung reicht sein Vorstrafenregister. Zur neuen Haftstrafe kommen noch zwei Jahre auf Bewährung, die jetzt ausgesetzt wird.

„Er brachte die arglose Geschädigte zu Fall, setzte sich auf sie und fesselte sie“, so schilderte es der Staatsanwalt. Dann ließ er D. seine Komplizen in die Wohnung. Sie durchstöberten das Haus, rissen der Frau die Perlenkette vom Hals und zwangen sie, den Tresorschlüssel herauszugeben. Das gefesselte Opfer brachten sie in die Badewanne und flohen. Sie erlitt einen Schock, Prellungen und Schnittwunde. Im Haus kann sie nicht mehr wohnen, es steht jetzt zum Verkauf.

Wert der Beute: 44 758 Euro (Schmuck, Bargeld). Soweit noch vorhanden, wird das Geld eingezogen. „Der Raub war detailliert geplant, der Angeklagte ist in die absolute Intimsphäre eingedrungen“, sagte der Staatsanwalt und forderte zehn Jahre Haft. Dem schloss sich der Anwalt der Nebenklage an: „D. hat eine klassische Straftäter-Karriere hinter sich.“


Tatplanung raffiniert
Die Anwältin D.s bezweifelte, dass er dabei ein Messer eingesetzt hatte und dass er der Drahtzieher der Tat war. „Wieso wurde ein Mittäter aus der Haft entlassen und der dritte nicht einmal verhaftet?“, fragte sie. D. brauche eine Perspektive für sein Leben, sie plädierte auf vier Jahre Haft. „Wir sind überrascht, dass sie bei der Beweislage nicht gestanden haben“, so der Vorsitzende Richter. Die Taten wögen schwer, entsprechend hoch müsse die Strafe sein. „Sie sind ein vor sich hinlebender Gelegenheitskiffer, der sich an fremdem Eigentum gütlich tat.“ Zugunsten des Angeklagten spreche wenig. Gegen ihn die raffinierte Tatplanung und sein gelangweiltes Verhalten ohne Mitgefühl vor Gericht.
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