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Schloss Ahrensburg : Schräge Vögel, skurrile Charaktere

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Unterhaltsame Zeitreise: Louisa Bolm erzählt einmal im Monat Geschichten zu den Porträts im Schloss.

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Eine unterhaltsame Zeitreise können Besucher des Ahrensburger Schlosses unternehmen. Unter dem Motte „Schräge Vögel und skurrile Charaktere – Geschichten zu den Porträts im Schloss“ führt Louisa Bolm jetzt an jedem letzten Sonntag im Monat durch das Wahrzeichen Ahrensburgs.

Die 21-jährige Medizinstudentin hat von Kindheit an ein Faible dafür. „Ich bin in Wandsbek aufgewachsen, neben meiner Schule steht das Mausoleum der Schimmelmanns“, sagt sie. Mit dieser Familie, der das Schloss bis zum Jahr 1932 gehörte, hat sie sich ausführlich beschäftigt. Schwerpunkt wird die Zeit zwischen 1760 und 1860 sein. „Aus dieser Zeit sind viele Dokumente und Briefe erhalten“, sagt sie, „auch sehr Persönliches kommt darin vor.“

So gibt es eine „Aschenputtel-Geschichte. Louise Schimmelmann war eine Tischlertochter aus Ahrensburg und wurde von der kinderlosen Familie Ernst Schimmelmanns adoptiert. Sie lebte fortan in einem noblen Palais in Kopenhagen. Louise verliebte sich in einen Mann aus dem Hochadel, fand aber keine Gegenliebe. Schließlich wurde sie an einen Diplomaten verheiratet, der sich als Schürzenjäger entpuppte. „Sie kehrte so arm nach Ahrensburg zurück, wie sie gekommen war“, sagt Louise Bolm. Ihren Lebensabend fristete sie in einer Dachkammer.

In Ahrensburg wuchs Julia Schimmelmann auf, die jüngste Tochter der Familie des ersten Schlossherrn Heinrich Carl. „Er ging als junger Mann bankrott, brachte es aber aus dem Nichts 20 Jahre später zu Reichtum und bis zum Mitglied des dänischen Hochadels.“ Die frömmelnde Julia lebte später auf dem Gut Ehmkendorf und führte einen literarischen Salon, in dem auch der Dichter Klopstock verkehrte. „Goethe und Schiller mochte sie nicht einladen, weil ihnen das rechte Christentum fehlte“, beschreibt Louisa Bolm diese Zeit. Julia habe zwar gegen die Sklaverei gewettert, die Leibeigenschaft ihrer Untertanen berührte sie aber nicht. Noch in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts berichtet eine Dienstmagd, dass sie an sieben Wochentage von 7 bis 19 Uhr arbeiten musste.

Sohn Friedrich Joseph hob die 1788 Leibeigenschaft in Ahrensburg auf. Aber er verprasste sein stattliches Erbe, das Gut war hoch verschuldet. Konsolidiert wurde es erst Mitte des 19. Jahrhunderts vom Urenkel des ersten Schlossherrn, Ernst von Schimmelmann. Er wurde ein großer Freund Friedrich von Schillers. „Er unterstützte den Dichter, als er in Not war“, erzählt sie. Auch deshalb habe Schiller einen Sohn Ernst genannt. Der Briefwechsel kann im Schloss als Kopie eingesehen werden.

Von allen Protagonisten gibt es Porträts im Schloss, wenn die Personen auch oft sehr idealisiert dargestellt wurden. Die bekannte Porträtistin Angelika Kaufmann fertigte einige der Bilder an, auch der einstige Hofmaler vom Sachsenherrscher August dem Starken ist im Schloss vertreten.

Am Sonntag, 26. Oktober gibt es um 14.30 Uhr die Zeitreise voll unterhaltsamer Anekdoten. Sie führt vom Feudalismus des Rokoko-Speisesaals bis ins eher bescheidenen Biedermeier des blauen Salons.

 

Die 90-minütige Führung kostet drei Euro, zusätzlich zum Eintritt von sechs Euro

 

 

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