Schöner leben - trotz Handicap

Das Planungsteam der Wohnraummesse lädt ein (v.l.): Joachim Wiebers vom Stadtmarketing, Tischlermeister Hauke Heesch, Archtektin Doris Rickmers, Pflegeberaterin Roswitha Spiegel, Beiratsvorsitzende Marion Jannssen und Sparkassenleiter Oliver Ruddigkeit. Foto: srp
Das Planungsteam der Wohnraummesse lädt ein (v.l.): Joachim Wiebers vom Stadtmarketing, Tischlermeister Hauke Heesch, Archtektin Doris Rickmers, Pflegeberaterin Roswitha Spiegel, Beiratsvorsitzende Marion Jannssen und Sparkassenleiter Oliver Ruddigkeit. Foto: srp

Beirat für Menschen mit Behinderungen macht es möglich: Bundesweit erste Wohnraummesse in Bad Oldesloe

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08. Oktober 2011, 07:38 Uhr

Bad Oldesloe | Der Beirat für Menschen mit Behinderungen hat eine zündende Idee in die Tat umgesetzt: Am Sonnabend, 29. Oktober, lädt er zusammen mit der Bad Oldesloer Pflegeberatungsstelle (BOB) und der Stadtverwaltung zur bundesweit ersten Wohnraummesse in die Stormarnhalle ein. Die Sparkassen-Sozialstiftung Stormarn wird die Messe finanziell unterstützen. Die Schirmherrschaft hat Hubert Hüppe, Bundesbeauftragter für Menschen mit Behinderungen, übernommen.

Barrierefreier und bezahlbarer Wohnraum ist nicht nur in der Kreisstadt Mangelware. Eine lobenswerte Ausnahme ist da die Stadt Elmshorn. Denn dort wurden in den vergangenen Jahren mehr als 2000 neue Wohnungen barrierearm und seniorengerecht umgebaut. Was in Elmshorn möglich ist, sollte auch in Bad Oldesloe kein Tabu sein, dachte sich Marion Jannssen. Die Beiratsvorsitzende ging frisch ans Werk und suchte nach Gleichgesinnten. Sie wurde schnell fündig und gründete ein Planungsteam für die Organisation einer Wohnraummesse.

"Wir wollten eine Messe machen, weil wir wahnsinnig viele Anfragen von Bürgern bekommen haben, die nach barrierefreiem Wohnraum suchten. Mit einer Messe holen wir die Leute vom Sofa", hofft die Travenbrückerin. Die Stormarnhalle wird so barrierefrei wie möglich eingerichtet. Bisher haben sich rund 20 Aussteller angemeldet. Sie sollen zeigen, wie man trotz Handicap ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden führen kann. Das Repertoire reicht von Firmen und Handwerksbetrieben über Architekten und Vereinen bis zu Patientenombudsleuten und Selbsthilfegruppen.

Jugendliche vom Kinder- und Jugendbeirat haben sich bereit erklärt, für die Gäste bei Bedarf Messeführer zu spielen. Für Kinder soll eine betreute Spielecke eingerichtet werden. Natürlich wird auch für Erfrischungen gesorgt. Die Messe solle Ausstellern und Besuchern als Plattform dienen, um Anregungen zu finden, Kontakte zu knüpfen und Erfahrungen auszutauschen. "Es gibt bereits viele Konzepte, Ideen und Projekte, die ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen, auch in einem bezahlbaren Rahmen", weiß Marion Jannssen. Deshalb werden auch Tischgruppen aufgebaut, um miteinander ins Gespräch zu kommen und über verschiedene Themen zu diskutieren. Außerdem ist eine Podiumsdiskussion mit Vertretern der Lokalpolitik und der Bürgermeisterin von Elmshorn geplant.

Roswitha Spiegel von der Oldesloer Pflegeberatungsstelle hat bei ihren Hausbesuchen schon viele "unmögliche Zustände" gesehen. Das gebe es jede Menge Stufen, Schwellen und Engstellen. "Das grenzt an Freiheitsberaubung", so die Pflegedienstleiterin der HI-Dienstleistungsgruppe. Der Bedarf an barrierefreiem Wohnraum sei riesig. Deshalb werde auch über die finanziellen Aspekte informiert, denn eigentlich sei es nicht viel teurer gleich behindertengerecht und barrierefrei zu bauen. Besonders junge Menschen mit Behinderungen hätten ein Recht auf eine eigene Wohnung.

"Die wollen nicht bis 60 bei ihren Eltern bleiben oder in einem Heim wohnen", so Spiegel. Bisher gebe es nur zwei Prozent barrierefreie Wohnung. "Das ist auch eine große Marktlücke", betont Doris Rickmers. Die freiberufliche Architektin möchte das Thema Barrierefreiheit auch in ihre Projekte einfließen lassen und wird auf der Messe darüber informieren. "Leider wird das von vielen Architekten immer noch völlig ausgeblendet", weiß die Oldesloerin. Und Hauke Heesch wird seinen Betrieb "Holzperfektion" auf der Messe vorstellen. "Ich plane Workshops mit Rollstuhlfahrern. Deshalb möchte ich erst einmal den Bedarf feststellen", so der Tischlermeister.

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