zur Navigation springen

Amtsgericht Ahrensburg : Schöffengericht lässt Milde walten

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Beihilfe zur Brandstiftung: 22-jähriger Angeklagter zeigt sich geständig und kommt mit Geldstrafe davon.

Jetzt wurde ein weiterer Mittäter der vier Brandstifter aus den Reihen der Freiwilligen Feuerwehr Ahrensfelde verurteilt. Jens P. (Name geändert) ist ein Halbbruder des am schwersten belasteten Angeklagten. Der 22-jährige Tischler musste sich gestern wegen Beihilfe zur Brandstiftung vor dem Schöffengericht in Ahrensburg verantworten. Er ist geständig.

Er hatte mit seinem Golf einen der von den vier Angeklagten angeheuerten Auftragsbrandstifter zu einem Tatort gefahren und nach vollbrachtem Zündeln nach Hause gebracht. „Mein Stiefbruder hatte mich darum gebeten, um ein Alibi für die Tatzeit zu haben“, sagt er aus. An diesem 12. Januar 2014 gingen 320 Strohballen auf einem Feld beim Ahrensburger Starweg in Flammen auf. Der Sachschaden betrug 11  400 Euro. Beim Wegfahren habe er die Flammen und den Einsatz der Feuerwehr noch vom Ostring aus gesehen. Die Grillanzünder habe der Brandstifter dann aus dem Autofenster geworfen.

Sein damaliger Fahrgast ist bereits im Juli 2014 zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. „Er wollte es erst nicht tun“, sagt der Vorsitzende Richter, „die vier Angeklagten boten ihm dann Geld dafür an.“ Vor dieser Tat habe es 20 Euro Anzahlung gegeben, danach weitere 15 Euro. Unmittelbar nach dieser Verabredung habe P. den Täter zum Ort der Brandstiftung gefahren. „Er hat auch sonst Geld dafür bekommen“, sagt P. aus. Das habe er von seinem Stiefbruder erfahren. „Alle vier Angeklagten hatten etwas damit zu tun“, sagt P.

„Wussten sie, dass er organisch-psychisch gestört ist und deshalb vermindert schuldfähig war?“, fragt der Vorsitzende Richter. Das hätten die Auftraggeber ausgenutzt, und das sei besonders verwerflich. „Es war allen bekannt, dass er geistig zurückgeblieben ist“, antwortet der Angeklagte. Er bereue sein Handeln, sagt P., der selbst strafrechtlich noch nicht in Erscheinung getreten ist: „Ich bin eigentlich kein Krimineller.“

Sein Bruder habe ihn dazu überredet, weil er selbst nicht unter Verdacht geraten wollte. Aus Bruderliebe habe er dann nachgegeben. Geld habe er selbst nicht dafür bekommen. Sein Verhältnis zum Täter sei angespannt gewesen: „Ich mochte ihn nicht. Kennengelernt habe ich ihn durch die vier Angeklagten.“ Das Verhältnis zu seinem Stiefbruder habe sich inzwischen abgekühlt.

Ps Tat sei eher niedrigschwellig einzuordnen, plädiert die Staatsanwältin. „Sie hat aber zur erheblichen Verunsicherung der Bevölkerung beigetragen.“ Für den Angeklagten spreche seine Reue und Einsicht. Sie fordert eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 40 Euro. Die Rechtsanwältin plädiert auf 90 Tagessätze: „Er hat durch seine Aussagen zur Aufklärung beigetragen.“ Zudem habe P. mit Schadenersatzforderungen zu rechnen. „Ich möchte mich gern beim Geschädigten entschuldigen“, sagt P. in seinem Schlusswort, „leider ist er nicht im Gerichtssaal.“

Das Gericht folgt dem Antrag der Staatsanwältin. Die Geldstrafe kann in monatlichen Raten zu 300 Euro beglichen werden. Wichtig seien die Reue und das Geständnis des Angeklagten, so der Richter. Deshalb bleibe es an der unteren Grenze des Strafmaßes für Beihilfe zur Brandstiftung. Die Höchststrafe dafür liegt bei siebeneinhalb Jahren Gefängnis. In die eigentlichen Tatentscheidungen sei P. nicht verwickelt: „Sie haben sich von ihrem Stiefbruder beschwatzen lassen.“ Das sei ein falsches Verständnis von Familienzusammenhalt. „Eigenständiges Denken hilft dabei, andere davon abzuhalten, Mist zu bauen“, sagt der Richter.

Der Prozess gegen die vier ehemaligen Feuerwehrleute von Ahrensfelde wird am kommenden Montag ab 9 Uhr fortgesetzt. Am sechsten Verhandlungstag wird mit einem Urteilsspruch gerechnet.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen