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Stormarner Tageblatt

17. Dezember 2017 | 21:06 Uhr

Schnelles Geld mit Drogen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ein Jahr und neun Monate Gefängnis auf Bewährung und 5000 Euro Buße für einen 29-Jährigen

Dieses Antanzen wird Sven B. (Name geändert) wohl nicht vergessen. In der Oldesloer Diskothek „Nachtschicht“ tanzte er im Februar 2015 eine 41-Jährige ausgelassen an und raunte er ihr zu: „Wenn du Koks brauchst, musst du Bescheid sagen.“ Doch die Kauffrau aus Eutin sagte nicht ihm, sondern dem Türsteher Bescheid. Und der alarmierte die Polizei. Die fand bei dem 29-jährigen Handwerker aus Hammoor ein Briefchen mit Kokain. Bei anschließender Hausdurchsuchung tauchten weitere 83 Gramm „Koks“ auf, die im Kleiderschrank versteckt waren. Dazu kamen 719 Gramm Amphetamin, die Keller entdeckt wurden. Jetzt musste er sich vor dem Schöffengericht in Ahrensburg verantworten. Sein Anwalt bietet ein Rechtsgespräch an, wenn das Gericht sich für eine Bewährungsstrafe entscheide. „Das ist nicht ausgeschlossen“, sagt die Staatsanwältin, „auch wenn es um Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringen Mengen geht.“ Auch der Vorsitzende Richter scheint geneigt, denn Sven B. ist nicht vorbestraft. Der Anwalt hält eine Freiheitsstrafe unter zwei Jahren, zur Bewährung ausgesetzt, für angemessen. Das sei vorstellbar, so der Richter: „Mit einer langen Bewährungsfrist und mit einer belastenden Geldauflage.“

„Ankauf und gewinnbringender Weiterverkauf werden eingeräumt“, sagt der Anwalt daraufhin. Ein alter Bekannter habe ihm die Drogen auf Kredit gegeben, so der Angeklagte, zum Verkauf und für Eigenkonsum. Er selbst habe zwei bis dreimal monatlich jeweils ein bis zwei Gramm Kokain genommen. Das Amphetamin sei nur zum Verkauf bestimmt gewesen.

Welche Folgen habe die Beschlagnahme der Drogen gehabt?, will der Richter wissen. „Bisher gab es keine Forderungen“, so die Antwort. Den Namen seiner Quelle will er nicht nennen, auch wenn ihm dafür eine Strafmilderung zugesichert wird. Für den Fall einer solchen Aussage seien er und seine Familie bedroht worden.

„Ja, vor der Diskothek habe ich eine Nase gezogen“, gibt er zu. „Ich hatte keine Verkaufsabsicht, nur mit meinem vorlauten Mundwerk einen Spruch gelassen.“ Er sei nicht abhängig von Kokain, habe es nur phasenweise genommen, wenn die Arbeit es zuließ. Er sei damals in finanziellen Schwierigkeiten gewesen.

Richter und Staatsanwältin bezweifeln, dass Sven B. Drogen im Verkaufswert von mehreren Tausend Euro auf Kredit bekommen habe. Das sei in diesen Kreisen nicht unüblich, entgegnet der Anwalt. Sven B. Wohnung könne ohne sein Wissen als „Bunker“ zur Aufbewahrung gedient haben, um das Risiko einer Entdeckung für den Dealer zu reduzieren.

„Er hat nicht viel verkauft und hatte auch in der Disko keine Verkaufsportionen dabei“, plädiert der Anwalt. Ein Jahr und sechs Monate Bewährungsstrafe seien angemessen. Aus Angst vor einer Haftstrafe und den Drohungen habe sein Mandant schlaflose Nächte hinter sich. „Es tut mir wirklich leid, das kommt in meinem Leben nicht mehr vor“, sagt Sven B. in seinem Schlusswort.

Das Ahrensburger Gericht folgt dem Antrag der Staatsanwältin und verhängt ein Jahr und neun Monate Bewährungsstrafe, die Bewährungszeit läuft über vier Jahre. Dazu kommt eine Geldbuße von 5000 Euro, die in Raten zu 200 Euro an die Therapiehilfe zu zahlen sind. Außerdem muss sich Sven B. jetzt umgehend einen Drogentest unterziehen. „Um Geschäfte zu machen, haben sie sich mit Kriminellen eingelassen“, sagt der Richter. Dabei wisse jedes Kind, welche Machenschaften dort üblich seien.


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