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Drogenkurier verurteilt : Schnelles Geld – langfristige Folgen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ein 21-Jähriger aus Bad Oldesloe muss 3600 Euro zahlen, nachdem er fünf Kilogramm Marihuana von Holland nach Deutschland transportiert hatte

Er wollte das schnelle Geld und muss jetzt eine hohe Geldstrafe zahlen. Das Schöffengericht Ahrensburg verurteilte einen 21-jährigen Oldesloer, der fünf Kilogramm Marihuana über die deutsch-niederländische Grenze schmuggelte. 500 Euro hatte Jürgen B. (Name geändert) für seine erste Kurierfahrt erhalten, bei der zweiten wurde er mit einem Kilo „Gras“ in einer Damentasche vom Zoll erwischt. „Es war von guter Qualität“, so Staatsanwalt Dr. Jens Buscher, „der THC-Gehalt betrug 13,7 Prozent.“

Zur Vorgeschichte: Als er seiner Ausbildung zum Elektroniker abgeschlossen hatte, kam der Oldesloer mit dem Drogen-Milieu in Kontakt. „Ich lernte den Cousin eines Bekannten aus Hamburg kennen. Er bat mich, ihn zu Verwandten nach Neubrandenburg zu fahren.“ 250 Euro will er dafür erhalten haben. Die nächste Tour ging nach Rotterdam, wo sein neuer Bekannter vier Kilogramm Marihuana abholte. Dafür erhielt Jürgen B. 500 Euro und 250 Euro Spritgeld.

Am 16. März 2013 fuhr er erneut nach Holland, diesmal allein – und wurde geschnappt. Jürgen B. legte sofort ein Geständnis ab und gab auch seine erste Schmuggelfahrt zu. Nach seiner Aussage schätzte die Polizei die Menge auf vier Kilogramm.

Er selbst habe keine illegalen Drogen konsumiert, sagte der Angeklagte vor Gericht aus. Zur Tatzeit sei er arbeitslos gewesen und zudem habe er noch 7000 Euro Schulden durch einen Autokauf.

Die Fußballleidenschaft hatte den Oldesloer schon mehrfach in Konflikt mit dem Gesetz gebracht. Zweimal wurde gegen ihn wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt, wegen gemeinschaftlichen Landfriedensbruchs und einem Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz stand er vor Gericht. „Bei mir wurde ein Böller gefunden, ein Kilometer vor dem Stadion“, sagt der Anhänger des VfB Lübeck, der Stadion-Verbot auf der Lohmühle hat.

„Die VfB-Fans kenne ich als nationale, stark rechtsorientierte Gemeinschaft“, sagt Richter Ulf Thiele. In seinem Auto hatte die Polizei auch CDs mit nationalistischem Liedgut gefunden. In Kontrast steht allerdings, dass sich Jürgen B. in einer Hilfsorganisation ehrenamtlich für den Katastrophenschutz engagiert. Da er inzwischen wieder eine Arbeitsstelle gefunden hat, sah das Gericht von Arbeitsauflagen ab und verurteilte Jürgen B. zu einer Geldstrafe von 3600 Euro bezahlen. Außerdem muss er die Kosten des Verfahrens tragen.

Der Staatsanwalt hatte ein Jahr und sechs Monate Haft auf Bewährung gefordert: „Die Mindeststrafe für unerlaubte Einfuhr und Beihilfe zum Handel mit Betäubungsmitteln beträgt für Erwachsene zwei Jahre.“ Der Staatsanwalt sah den Angeklagten, der vier Wochen nach der Tat seinen 21. Geburtstag feierte, als voll strafmündig an. Mildernd sei zu berücksichtigen, dass Jürgen B. geständig sei und zur Aufklärung beigetragen habe: „Durch seine Aussagen konnten weitere Verfahren eingeleitet werden.“

Das sahen Verteidiger und auch das Gericht anders. „Ich empfinde den Angeklagten als orientierungslos“, sagte Anwalt Thomas Elvers, der auf die „Nazi-Musik“ hinwies und sich wunderte: „Gleichzeitig macht er Kurierfahrten für Drogenhändler mit Migrationshintergrund.“

Dem folgte das Schöffengericht und urteilte nach Jugendrecht: „Jürgen B. wurde raffiniert an den Kurierdienst herangeführt.“. Der erhoffte Gewinn von 1000 Euro sei für das Risiko erstaunlich niedrig gewesen, so Richter Ulf Thiele, der ein erhebliches Maß an Naivität und Unbekümmertheit beim Oldesloer sah. Und Geldgier: „Die Verlockung von 1000 Euro reichte für ihn schon aus.“ Doch das schnelle Geld könne eben auch mit langfristigen Risiken verbunden sein.




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erstellt am 17.Okt.2013 | 00:34 Uhr

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