Klartext : Schmidt vermisst Menschlichkeit beim SVE

Vorbei: Stürmer Jan-Henrik Schmidt spielt künftig nicht mehr für den SV Eichede.
Vorbei: Stürmer Jan-Henrik Schmidt spielt künftig nicht mehr für den SV Eichede.

Jan-Henrik Schmidt, Ex-Angreifer des SV Eichede, begründet im Interview, warum er den Club kurzfristig verlassen hat. Im Interview verschafft sich der 30-jährige Kicker Luft, um wachzurütteln – und damit ein böses Erwachen ausbleibt.

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12. November 2013, 06:00 Uhr

Er gehört zu denen, die sich voll und ganz mit dem SV Eichede identifizieren: Stürmer Jan-Henrik Schmidt. Schon in der Jugend schnürte der 30-Jährige seine Buffer für die Stormarner, spielte für die zweite und die erste Mannschaft zu deren Stamm ihn „Mecki“ Brunner holte. Einige wichtige Tore trug er im Vorjahr zum Sprung in die Regionalliga bei. Von Sommer an war er in erster Linie für die SH-Liga-Elf vorgesehen. Inzwischen haben sich die Wege getrennt. Vor zwei Wochen einigten sich beide Parteien auf Wunsch von Schmidt auf eine Vertragsauflösung. Schon in den Vorwochen verließen u.a. mit Gerd Dreller (SH-Liga-Trainer), seinem Co Sebastian Ballhausen oder den Spielern Patrick Boy und Manuel Plähn den Verein. Wir hakten im Gespräch mit Jan-Henrik Schmidt nach.

Hallo, Herr Schmidt. Wie schwer ist es Ihnen nach der langen Zeit beim SVE gefallen, nun zu gehen?

Das war definitiv nicht leicht für mich, einen Schlussstrich zu ziehen. Ich hätte nie gedacht, dass das einmal geschieht. Aber die Situation ließ nichts anderes zu.

Was meinen Sie konkret?

Da ist einiges vorgefallen, es hat sich summiert. Aus Jux und Tollerei wäre ich sicherlich nicht gegangen. Über alle Details möchte ich aber nicht reden. Es gab Unerfreuliches. Darüber wurde intern gesprochen. Fakt ist aber, dass ich mich von Woche zu Woche weniger mit dem Gesamtbild, das der Verein abgibt, identifizieren konnte.

Warum haben Sie nicht schon vorher die Reißleine gezogen?

Es klingt komisch, aber ich hänge an diesem Verein. Zudem fanden unmittelbar nach den ersten Vorfällen mit SVE-Fußball-Seniorenchef Heino Keiper angenehme Gespräche statt, in denen der Verein durchblicken ließ, dass um mich und andere herum eine SH-Liga-Mannschaft entstehen soll, die die Liga halten kann.

Warum ist der Verein von diesem Vorhaben abgerückt?

Das kann ich nicht beantworten. Ich denke, das liegt zum Teil an der Gesamtsituation. Die Spieler, die nicht im Kader für die Regionalliga standen, spielten dann in der Zweiten, so wie in der Partie beim VfB Lübeck. Für mich ist das aber nicht der richtige Weg. Auch in einer Zweiten, die höherklassig spielt, muss ein Grundgerüst vorhanden sein, das unter anderem auch über Teamgeist zum Erfolg kommt, gemeinsam an einem Strang zieht. Das alles kann aber so nicht zustande kommen.

Was werfen Sie den SVE-Verantwortlichen, oder womöglich Regionalligatrainer Oliver Zapel vor?

Ich will das gar nicht an einer Person festmachen. Seit dem Zusammenschluss, der Einführung eines gemeinsamen Trainings beider Leistungsmannschaften, ist der Druck gestiegen. Diejenigen, die es nicht auf Anhieb nach oben geschafft haben, wirken im SH-Ligateam oft gehemmt, wollen bloß keine Fehler machen, verkrampfen und können so teilweise nicht ihre Leistungen abrufen. Dadurch gehen auch Begegnungen verloren, die wir eigentlich von der Qualität her für uns entscheiden müssten.

Ist das nicht ein normaler Preis, den ein Verein für das Abenteuer Regionalliga zahlt?

Sportlich gesehen ist der Aufstieg natürlich toll für die ganze Region, die Aktiven und den Verein. Alles ist professioneller geworden – für mich allerdings schon zu professionell. Der Erfolg trägt natürlich auch, wie man sehen kann. Aber er kaschiert auch einiges. Für mich und viele andere zählen beim Sport aber auch Kameradschaft und Menschlichkeit. Das hat man in Eichede jahrelang vorgefunden und hat dem Club lange Sympathie eingebracht. Davon ist nicht viel übrig geblieben.

Wo würden Sie ansetzen, was wünschen Sie dem Verein für die Zukunft?

Alles Gute auf jeden Fall. Aber vor allem ein intaktes Umfeld, indem sich alle wieder so wohl fühlen können, so wie ich es vorher in Eichede vorgefunden und zu schätzen gelernt habe. Dazu gehört die Rückkehr zu menschlichen Zügen, persönlicher Ansprache. Nicht wie jetzt teilweise nur noch per E-Mail. Früher hatte jeder auch ein Ohr für private Dinge, heute zählt nur das Training, da wird man benotet und geht danach auseinander. Dazu wurde im Ligabereich auch noch ein immenser Druck aufgebaut, der sich bis in das Berufs- und Privatleben teilweise negativ bemerkbar macht. Vielleicht sollten einige Verantwortliche sich klar machen, das fast ausschließlich reine Amateure in Eichede spielen.

Das wäre dann aber doch die Aufgabe vom Vereinsboss Olaf Gehrken, alles in die richtigen Bahnen zu leiten, oder?

Klar. Ich habe Olaf als einen geradlinigen Menschen kennen gelernt, der immer den Gesamtverein im Auge gehabt hat, nie einen Unterschied zwischen Jugend- oder höherklassigen Herrenteams gemacht hat. Ich hoffe, er wird das Richtige tun, damit es nicht schon in der Winterpause ein böses Erwachen gibt und sich noch mehr Spieler entscheiden, dem Verein auch den Rücken zu kehren.

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