Gerichtsreport : Schläge und Tritte vor dem Amtsgericht haben ein Nachspiel

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Zwei Brüder (26/28) wegen gemeinsamer schwerer Körperverletzung zu Haft auf Bewährung verurteilt

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30. Dezember 2017, 06:00 Uhr

Streit ums Sorgerecht ist fast alltäglich. Weniger alltäglich endete er am 12. Juli vergangenen Jahres in Großhansdorf. Vor einem Termin beim Familiengericht griffen Vater und Bruder den Begleiter der inzwischen Geschiedenen an, brachten ihn zu Boden und verletzten ihn mit Faustschlägen und Fußtritten und fügten ihm erhebliche Verletzungen zu. Das hatte jetzt ein Nachspiel vor dem Amtsgericht Ahrensburg. Die 26 und 28 Jahre alten Brüder waren wegen gemeinsamer schwerer Körperverletzung angeklagt.

Im Gericht sollte über das Umgangsrecht mit den beiden Kindern verhandelt werden. „Zuvor holten die Brüder und ihre Mutter sie vom Kindergarten ab und frühstückten mit ihnen“, sagte die 25-jährige Mutter aus. Die Brüder wollten die Kinder mit ins Gericht nehmen, doch das lehnte die Mutter ab. Zur Stärkung hatte sie ihren Bruder mitgebracht. Vor der Bäckerei eskalierte der Konflikt dann vor den Augen der Kinder. „Bleibt ruhig Kollegen“, hatte mein Bruder noch gesagt, aber beide gingen auf ihn los“, sagt sie. Ihr Bruder habe lediglich mit verschränkten Armen neben ihr gestanden und keine bedrohliche Haltung eingenommen. Der trug bei dem Handgemenge einen Nasenbeinbruch und Prellungen davon, ein Zahn splitterte ab. Er musste danach den rechten Arm für drei Wochen im Gips tragen. Der ältere Bruder hielt erst auf zu schlagen, als er das Knacken des gebrochenen Nasenbeins hörte.

Die Brüder hatten argumentiert, dass sie in Notwehr gehandelt hätten. „Ich hatte meine Kinder ein halbes Jahr nicht gesehen“, sagte der Vater, „der Umgang mit ihnen wurde mir verweigert.“ Erschwerend für den Kontakt kam hinzu, dass er in Lörrach lebte, die Mutter aber inzwischen nach Großhansdorf zurückgezogen war.

Das Umgangsrecht wurde inzwischen geklärt, dabei half das Kinderhaus mit einigen Sitzungen begleiteten Umgangs. „Das klappt jetzt“, sagte die Mutter, die seit der Trennung keinen Unterhalt für die Kinder bekam. Die angeklagten Brüder sind arbeitslos und leben in der Wohnung ihrer Mutter und von Hartz IV.

Eine Einstellung des Verfahrens lehnte der Staatsanwalt ab: „Das war mir zu heftig in der Gesamtschau, die Zeugen waren schockiert von der Gewalt.“ Zwar sei die Situation spontan eskaliert, aber erschwerend käme hinzu, dass sie vor den Kindern geschah. Der Staatsanwalt forderte eine Haftstrafe von sechs und acht Monaten für die Angeklagten, die zur Bewährung auszusetzen sei. Außerdem 2000 Euro Schmerzensgeld.

Die Rechtsanwältin beantragte Freispruch in der Sache und ein Schmerzensgeld von maximal 800 Euro. Die Mutter habe ihren Ex-Mann falsch angeschuldigt, er sei deshalb freigesprochen worden. Ihr Mandant sei auch verletzt worden. „Zuvor wurden fröhlich Beleidigungen ausgetauscht“, so die Anwältin, dann sei das Pulverfass explodiert.

„Ich habe früher 120 Kilo gewogen“, sagte der hagere Kindesvater: „Ich habe viel durchgemacht mit dieser Frau und wurde beleidigt bis zum Geht-nicht-mehr.“ Das Geschehen tue ihm aber leid.

„Ich habe versucht, die Situation einer entzweiten Familie zu klären“, sagte die Richterin. Sie verurteilte die Brüder zu sieben und neun Monaten Haft, die für drei Jahre auf Bewährung ausgesetzt wird. Außerdem müssen sie die Verfahrenskosten tragen und 1200 Euro Schmerzensgeld in Raten zahlen. Die Erwachsenen hätten die Situation verbockt, das gut gemeinte Familientreffen sei so gründlich schiefgegangen: „Die Kinder wurden zu Objekten in dem Konflikt und damit belastet.“ Eine Notwehrlage habe nicht einmal vermeintlich vorgelegen, das Opfer habe sich nicht gewehrt. Dass sich die Beteiligten auf einen Umgang geeinigt hätten, verdiene Anerkennung.
















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