Schilder sind längst nicht alles

Gelungene Unternehmensnachfolge in Ahrensburg: Christoph Kroschke mit seinen Söhnen Philipp und Felix (re.)
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Gelungene Unternehmensnachfolge in Ahrensburg: Christoph Kroschke mit seinen Söhnen Philipp und Felix (re.)

Aus dem vor 60 Jahren gegründeten Prägedienst Kroschke ist ein serviceorientiertes Großunternehmen geworden

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01. Dezember 2017, 06:00 Uhr

Natürlich ahnte Christoph Kroschke nicht, welchen Weg die Firma seines Vater einmal nehmen würde, als er im Alter von sieben Jahren auf dem Hof der Werkstatt in Braunschweig Nummernschilder an- und abschraubte. Aber irgendwie wusste er schon, dass er als Unternehmer in dieser Branche arbeiten wollte. Das ist fast 60 Jahre her und Christoph Kroschke hat seine Firma in diesem Jahr in die Verantwortung seiner Söhne Philipp und Felix übergeben. Die dritte Generation übernimmt keine Garagenfirma mehr, sondern ein gestandenes, in Deutschland und den Nachbarländern tätiges Unternehmen mit 260 Mitarbeitern, das seine Zentrale in Ahrensburg hat.

Dass Kroschke in die Schlossstadt kommen würde, war Ende der 1950er Jahre überhaupt noch nicht absehbar. Die Familie war aus der DDR nach Braunschweig geflohen. Über einen Onkel, der in der Zulassungsstelle arbeitete, kam man auf die Idee, Nummernschilder zu prägen. Erst in einer kleinen Werkstatt, dann gab es einen ersten Laden: In zwei umgebauten Garagen. Bis 1969 wurden dort Schilder geprägt, dann bot sich die Chance, den größeren Konkurrenten am Ort zu übernehmen. Das managte Klaus Kroschke, der 1971 in die Firma einstieg. 1974 folgte ihm sein jüngerer Bruder Christoph, der weitere Filialen eröffnete, während sein Bruder das Schilderwerk aufbaute. Sieben Jahre später bot sich die nächste Chance: Ein mit 27 Filialen mehr als drei Mal so großer Schilderdienst stand zum Verkauf, „aber die wollten 2,5 Millionen Mark haben“, erinnert sich Christoph Kroschke. Um Geld von den Banken zu bekommen, beliehen beide Brüder ihre großen Mehrfamilienhäuser in Braunschweig.

„Von da an musste ich montags bis freitags durch Deutschland kutschieren“, sagt der 65-Jährige. Die 33 Filialen konnte er damals noch selbst abklappern, heute gehören 430 Schilderdienste zum Unternehmen, das die beiden Brüder 1995 untereinander aufgeteilten. München oder Hamburg waren die Standorte, die Christoph Kroschke ins Auge gefasst hatte. Die bayrische Landeshauptstadt war zu teuer, in Hamburg fand sich nichts wirklich Passendes. Dann vermittelte ein befreundeter Anwalt den Kontakt nach Ahrensburg. Christoph Kroschke: „Ich bin mit Bürgermeister Boenert im Hubschrauber über die Stadt geflogen, und wir haben geschaut, wo es möglich wäre.“

Es wurde das Gebäude der Friedrich-Ebert-Stiftung Am Kratt, die den Standort aufgeben wollte. In Ahrensburg nahm die Entwicklung der Firma richtig Fahrt auf. 1998 wurde die GmbH Deutscher Auto Dienst (DAD) gegründet, um Back-Office-Lösungen und Serviceleistungen für Leasing-Firmen oder den Fuhrpark von Großbetrieben anzubieten. „Man muss als Unternehmen immer darüber nachdenken, was die Zukunft bringt. Ein Autoschild ist ein Stück Blech, für das man in 20 Jahren vermutlich keine Verwendung mehr hat“, sagt der Senior.

Eine andere Idee, die Aufbereitung von Mietfahrzeugen, funktionierte nicht, „und auch beim DAD haben wir viel Lehrgeld bezahlt, aber es war ein wachsender Markt, in dem es nur einen Konkurrenten gab“, begründet Kroschke, warum man nach anfangs großen Verlusten weitermachte. Nicht nur die Restrukturierung gelang, es war auch der Einstieg in eine eigene EDV. „Wir haben die Prozesse damals schon digitalisiert und dafür eigene Schnittstellen entwickelt. Mittlerweile ist die Software selbst zu einem wichtigen Produkt geworden“, sagt Philipp Kroschke.

Er hat ähnlich wie sein Vater bereits in jungen Jahren im Unternehmen mitgearbeitet und „wusste schon mit zwölf oder 13, dass ich mal das Gleiche wie mein Vater machen wollte. Man war immer ein Teil davon. Und ich habe dann damit auch mein Geld verdient.“ Nach dem betriebswirtschaftlichen Studium stieg er im Alter von 26 Jahren ins Unternehmen ein. „Ich bin relativ schnell in den Außendienst gegangen. Vier Jahre habe ich das Kerngeschäft gelernt – von der Pike auf. Aber ich wollte mehr.“ 2009 übernahm er den Vertriebs-Innendienst, 2011 die gesamte Außenorganisation, und 2012 – als sein Vater sich aus dem operativen Geschäft zurückzog – einen der drei Geschäftsführer-Posten.

Bei seinem zehn Jahre jüngeren Bruder Felix war dieser Weg nicht vorgezeichnet. Auch er hat zwar BWL studiert, danach aber noch Jura. Felix Kroschke wollte eigentlich Projekte in der Holding begleiten, aber als zwei Geschäftsführer ausstiegen, weil sie sich selbstständig machen wollten, fragte ihn sein Bruder, ob er nicht mit einsteigen wolle. „Ich habe mir schon die Frage gestellt, ob man die Akzeptanz bekommt, die man braucht, denn man macht den Job ja nicht allein, sondern mit den Leuten gemeinsam“, so Felix Kroscke.

Die Sorgen erwiesen sich als grundlos. Im Gegenteil. Dadurch dass zwei junge Leute aus der 3. Generation der Familie die Geschäfte führen, „merkt man, dass sich ein anderes Gefühl breit macht. Es werden Zöpfe der Vergangenheit abgeschnitten und Entscheidungsbefugnisse nach unten verlagert“, so Felix. „Das ist jetzt eine Wechselphase, und da dreht sich immer eine Menge“, sagt Philipp.    Dass beide das Unternehmen, das jetzt 60 Jahre besteht, auf ihre eigene Art, aber erfolgreich, führen, wissen sie auch, weil ihnen Christoph Kroschke als Inhaber freie Hand lässt. „Sonst wäre er nicht so ruhig und gelassen“, sagt Philipp, „wenn es dem Unternehmen gut geht, geht es auch der Familie gut. Und umgekehrt.“ Zudem hat Christoph Kroschke mit anderen Unternehmen in seinem Besitz noch genug zu tun. Dazu gehören eine Immobilienfirma, mit der er unter anderem 35 Dienstleistungszentren bei Zulassungsstellen gebaut hat, eine Firma für Boots-Ausstattungen sowie diverse Beteiligungen, etwa an einer Gesellschaft, die Start-Ups finanziert.

Seine beiden Söhne haben bereits „Kroschke digital“ gegründet, und noch einige „Ideen im Köcher, aber wir müssen mit dem wachsen, was wir haben“, sagt Philipp Kroschke, der „noch immer für das Autoschild brennt“ und sich wie sein Vater im „Bundesverband Kraftfahrzeug Kennzeichen“ engagiert, dessen Vorsitzender er seit 2016 ist. „Wir haben eine Strategie, aber kein konkretes Bild, wie es in zehn Jahren aussieht“, beschreibt Felix Kroschke die aktuelle Situation. Auch wenn sich das Unternehmen selbst immer wandeln muss, an Traditionen wie dem Fußballturnier um den Kroschke-Cup will die neue Generation festhalten. Und natürlich gehört auch die Kroschke-Stiftung für Kinder zur Tradition, die Klaus und Christoph Kroschke im Jahr 1993 gründeten. „Es ging uns wirtschaftlich gut, und deshalb wollten wir soziale Verantwortung übernehmen“, sagt Christoph Kroschke, „meine Frau hat dann gesagt, wir haben sechs gesunde Kinder. Das wird eine Kinderstiftung.“

Das Kapital beträgt mittlerweile rund zwei Millionen Euro, die auch in Erbpacht-Grundstücken angelegt sind. Er und sein Bruder geben jedes Jahr je 100 000 Euro hinzu. „Für eine kleine Stiftung haben wir bereits viel gemacht“, sagt Christoph Kroschke, der sich auf 2018 freut. Dann wird das 25-jährige Bestehen der Stiftung gefeiert – unter anderem mit einem Konzert in der Elbphilharmonie.

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