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Bad Oldesloe : Scharfe ADAC-Kritik nach A-1-Unfall

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Nach dem tödlichem Unfall auf der A1 bei Bad Oldesloe kritisiert ein ADAC-Experte die gefährliche Konstruktion der Leitplanke an der Überleitungsstelle.

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erstellt am 30.Okt.2014 | 06:00 Uhr

Bad Oldesloe | Pendler, die die Strecke regelmäßig befahren, haben das schwere Unglück fast schon kommen sehen: Im Einfädelungsbereich an der A-1-Baustelle bei Bad Oldesloe ist am Montag ein junger dänischer Autofahrer tödlich verunglückt. Ein aus der Mittelleitplanke herausragender Pfosten hatte die Windschutzscheibe seines umgekippten Suzuki durchbohrt und ihn tödlich verletzt.

Hätte der Unfalltod ohne den vorstehenden Pfosten verhindert werden können? Darüber kann nur spekuliert werden. „Der Fahrfehler liegt bei dem Dänen“, sagt Polizeisprecherin Sonja Kurz. Soweit scheinen die Erkenntnisse unstrittig zu sein. Weiter will sich die Polizeisprecherin nicht äußern. Sie verweist auf die noch andauernden Ermittlungen. In welche Richtung die Polizei ermittelt, wollte sie nicht verraten.

„Das ist die Problematik des instationären Bauens mit ständig wechselnden Bedingungen“, erklärt ein Fachmann der Berufsgenossenschaft Bau: „Das ist das große Problem der Bauindustrie.“ Einerseits gebe es die Richtlinien für die Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen (RSA 95) mit detaillierten, technischen Anweisungen, wie Baustellen gesichert zu sein haben. In Paragraf 1.5 der RSA heißt es aber auch, dass die Eignung dieser Anweisungen „für die jeweilige örtliche und verkehrliche Situation unter Zugrundelegung strenger Maßstäbe zu prüfen“ sei. In Absatz 4 steht sogar explizit, dass es sich bei größeren Arbeiten „zumeist anbietet, dass die Behörde selbst ein Verkehrskonzept erarbeitet und abstimmt“. Im Klartext: Das Straßenbauamt darf von den Vorgaben durchaus abweichen. Der Grund ist für die Berufsgenossenschaft klar: „Der Baulastträger hat die politische Vorgabe, dass der Verkehr fließen muss.“ Ein Spagat zwischen Verkehrsbedürfnissen und Sicherheit.

Jürgen Berlitz, Baustellenexperte beim ADAC, betrachtet den Unfall aus einem anderen Winkel. „Man hat den Obergurt zu weit überstehen lassen. Daraus ergibt sich die Unfallschwere.“ Der Unfall hätte also glimpflicher ablaufen können. Berlitz verweist auf die „Richtlinie für passiven Schutz auf Straßen durch Fahrzeugrückhaltesysteme“. Demnach sei eine „Anfangskonstruktion“ vorzusehen. Den Willen dazu kann der ADAC-Mann durchaus erkennen, denn ein Teil der Leitplanke sei ja schräg nach unten geführt worden. „An sich macht man das so, dass dann kein freies Ende mehr rausragt. Sonst bräuchte ich die Anfangskonstruktion doch nicht, das widerspricht sich“, macht Berlitz deutlich.

Die Zuständigkeit ist für ihn eindeutig: „Die Behörde hat eine Überwachungspflicht, die soll da regelmäßig kontrollieren. Das ist ein Problem des Know-Hows. Es ist ja bekannt, dass die personell nicht wirklich gut aufgestellt sind.“

Die überstehenden Teile des Obergurts sind demontiert worden. Ein mit Sand gefülltes Bigpack steht mittlerweile an der Unfallstelle. Auch das findet wenig Gnade in den Augen des ADAC-Experten: „Das schaut nach einer schnellen Lösung aus. Wenn man es wirklich wollte, gibt es Anpralldämpfer.“ Er rät zu einer schräg angebrachten transportablen Schutzplanke mit der verhindert werde, dass Autos zwischen die beiden Planken kommen. Jens Sommerburg, Leiter Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein, Niederlassung Lübeck (LBV) war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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