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Rumpsteak und Lachsfilet im Blouson versteckt: Geldstrafe

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

„Ich hatte Hunger und keinen Cent Geld mehr“, rechtfertigt sich der Angeklagte und ringt seine Hände. Deshalb langte er im Trittauer Lidl-Markt in die Kühltruhe und versteckte Rumpsteak, Lachsfilet, Butter und Pralinen in seinem Blouson. Gesamtwert der Beute 15,69 Euro. Damit kam er aber nicht weit. Zwei Verkäuferinnen hatten ihn beobachtet und stellten den 63-Jährigen am Ausgang hinter der Kasse. Es kam zu einer Rangelei. „Ein Kunde kam uns zu Hilfe, wir konnten ihn an die Wand drücken“, sagt eine Zeugin vor dem Schöffengericht Ahrensburg aus.

Dort muss sich der Trittauer wegen räuberischen Diebstahls verantworten. „Ich war schon länger arbeitslos“, sagt er, „zuerst konnte ich meinen Lebensstandard mit meinen Rücklagen halten.“ Er habe sich auf über 100 Stellen beworben, vergeblich. „Bei der Arbeitsagentur hat man mir gesagt, ich sei schon zu alt.“ Dort habe er den Rat erhalten, sich vorzeitig verrenten zu lassen.

Beim Antrag auf Wohngeld habe man ihn abgewimmelt. Zum Leben blieben ihm nur 315 Euro monatlich, damit sei er nicht ausgekommen. Zur Tafel mochte er nicht gehen, um sich Lebensmittel zu beschaffen: „Das ist mir peinlich.“ Ob es ihm nicht peinlicher sei, sich hier vor Gericht zu verantworten, fragt der Richter.

Es habe ein mildes Handgemenge gegeben, sagt die Verkäuferin. „Er schubste mich massiv an der Schulter zur Seite.“ Sie habe möglicherweise für 16 Euro ihr Leben riskiert, entgegnet der Vorsitzende Richter. „Ich habe nicht an eine Waffe gedacht“, sagt sie, „das mache ich auch für 3,99, weil es mich ärgert.“ Eigentlich habe sie die Anweisung, sich wehrende Diebe ziehen zu lassen.

Es war nicht das erste Mal, dass der Trittauer beim Klauen erwischt wurde und sich wehrte. In einem Hamburger Zoo-Laden entwendete er später Fischfutter und wurde dabei ertappt. Und ebenfalls im vergangenen September klaute er zehn Schachteln Zigaretten in einem Trittauer Supermarkt.

„Die beiden Geldstrafen von zusammen über 1400 Euro seien aber auch nicht gezahlt worden. Sie würden jetzt in die Gesamtstrafe einbezogen, macht der Richter ganz deutlich.

Er öffne gewisse Briefe gar nicht mehr, „irgendwann gibt man sich selbst auf“, sagt der Angeklagte. Er habe sich offensichtlich darauf eingerichtet, seine Situation durch Diebstahl zu verbessern, so der Richter: „Wir müssen das in Zukunft verhindern.“ Am Ende verhängt das Gericht 75 Tagessätze zu 20 Euro Geldstrafe. „Die kriminelle Einstellung hat sich in ihrem Kopf verfestigt“, begründet der Richter. Allerdings kann der Angeklagte die Summe auch durch gemeinnützige Arbeit ableisten.

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