zur Navigation springen
Stormarner Tageblatt

17. August 2017 | 23:38 Uhr

Trittau : Rückkehrer mit neuen Einblicken

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Marvin Meincke (23) aus Trittau verbrachte 350 Tage in Chicago und war beeindruckt.

Es waren 350 Tage, die ihn nach eigener Aussage nachhaltig prägten. Der junge Trittauer Marvin Meincke war im Rahmen des parlamentarischen Austauschprogramms (PPP) zwischen dem Bundestag und dem amerikanischen Congress ein Jahr lang in Chicago. „Ich sehe nicht nur Amerika aus einer anderen Perspektive, sondern jetzt nach meiner Rückkehr auch Deutschland“, berichtet er. Bundestagspate Franz Thönnes (SPD) aus Ammersbek freut sich über das Feedback. „Gerade in diesen Zeiten, in denen es so wirkt, als wenn unsere Länder auseinandergehen, sind diese Begegnungen besonders wichtig. Es gibt auch republikanische Abgeordnete, die uns als Partner in Deutschland bitten, gerade jetzt zu zeigen, dass uns Amerika wichtig ist und dass wir einen Weg in Trumps Isolation nicht mitgehen wollen“, so der Sozialdemokrat.

Wahlkampf hautnah

Meincke erlebte den hart geführten Wahlkampf direkt in Chicago. „Manche Menschen waren nach Trumps Sieg geradezu verzweifelt. Im weltoffenen Chicago gab es eine große Demo im Rahmen des Women-Marchs. Daran nahmen eine Million Bürger teil. Das war beeindruckend. Auch die große Community Homosexueller hat protestiert“, erzählt Meincke. Er habe vor allem die Städter als sehr weltoffen erlebt.

Beeindruckend fand der 23-Jährige neben der großen Offenheit und Toleranz den Stolz der meisten Amerikaner. „Sie sind stolz auf ihre Stadt, auf ihr Sportteam oder auch die Universität. Ich glaube kaum, dass sich jemand das Logo der Hamburger Uni tätowieren lassen würde. Ich denke, dass wir ruhig stolz darauf sein könnten, Europäer zu sein und was wir so erreichen“, so Meincke. Imponiert habe ihn der soziale Zusammenhalt. „Die Menschen bringen sich sehr viel und gerne ehrenamtlich ein. Selbst schwer beschäftigte Geschäftsleute helfen abends etwa bei der Betreuung von Obdachlosen“, sagt der junge Betriebswirt. In dem Bereich brachte er sich auch selbst ein. „Ich war sogar plötzlich mit in der Leitung einer Obdachlosenbetreuung. Aus angedachten 40 Stunden Community-Service wurden so im Endeffekt 120. Eine tolle Erfahrung. Ich werde mich jetzt auch hier ehrenamtlich einbringen“, so Meincke weiter.

Arm und Reich

Aber es gebe durchaus auch einige negative Eindrücke. „Der Bruder einer Freundin dort ist Autist. Die Familie bekommt aber keine staatliche Hilfe. Wenn die Kirche nicht einspringen würde, wären sie aufgeschmissen“, sagt Meincke. „Die Schere zwischen arm und reich geht weiter auseinander als in Deutschland. Chicago teilt sich quasi in einen reicheren und einen ärmeren Teil mit sehr hoher Kriminalität“, berichtet der 23-Jährige.

Positiv bleibe ihm rückblickend jetzt schon die „Ausgehmentalität“ vieler Amerikaner in Erinnerung. „Nach der Arbeit sitzt man noch im Restaurant oder einer Bar zusammen. Socializing spielt eine große Rolle“, sagt der Trittauer. Sein obligatorisches Praktikum absolvierte er in den USA bei Bosch. Jetzt sucht er einen neuen Job in Deutschland. Gerne solle der sich im wirtschaftlichen Bereich mit IT und Neuen Medien abspielen. Denn genau in diesen Gebieten habe er im Praktikum sehr gute Erfahrungen sammeln können.

Für Thönnes war es der letzte Job als Pate des Programms. Er tritt in diesesm Jahr nicht mehr zur Bundestagswahl an. Das Programm geht aber natürlich weiter.

 


>Infos über das Programm unter:

www. bundestag.de/ppp

zur Startseite

von
erstellt am 08.Aug.2017 | 18:17 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen