Rollende Arztpraxis geplant

Mediziner und Ministerin wollen "Docmobil" für Behandlungen auf dem Land testen

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26. Januar 2013, 11:15 Uhr

KIEL | Damit die Menschen sich trotz Ärztemangels künftig auch in Dörfern medizinisch behandeln lassen können, wollen die Ärztegenossenschaft Nord und Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin, Kristin Alheit, neuartige "rollende Arztpraxen" einführen, auch "Docmobil" genannt. "Wir möchten das Docmobil auf den Weg bringen", sagte der Geschäftsführer der Ärztegenossenschaft (ÄGN), Thomas Rampoldt, unserer Zeitung. SPD-Ministerin Alheit steht dem Konzept auch "offen und positiv" gegenüber: "Es könnte einen Beitrag zu einer dauerhaften wohnortnahen Versorgung leisten."

Geplant ist ein Pilotprojekt in Dithmarschen, wo schon acht Hausarztsitze verwaist sind. Der Weg zur nächsten Praxis ist daher oft aufwändig - oder gar unmöglich. "Wir haben aus den Dörfern viele Patienten, die kaum zu uns kommen können, da sie entweder zu krank sind oder Angehörige pflegen", berichtet der Brunsbütteler Internist Stefan Krüger. Er will beim Docmobil mitmachen und trifft sich Ende Februar mit weiteren Ärzten bei Ministerin Alheit, um Details festzuzurren. ÄGN-Chef Rampoldt hofft, noch dieses Jahr starten zu können.

Vorgesehen ist, dass die Ärzte reihum im Ein- bis Zweiwochenrhythmus entlegene Dörfer aufsuchen. Für das Docmobil sind dabei zwei Varianten im Gespräch: Entweder fahren die Mediziner per Kleinbus herum, in dem Diagnosegeräte etwa zur Ul traschalluntersuchung oder Lungenfunktionsprüfung installiert sind. Oder eine Arzthelferin bringt mobile Apparate ins jeweilige Dorf, stellt sie in einem Gemeinderaum auf - und der Arzt kommt im eigenen Wagen nach.

Die Doktoren bevorzugen das zweite Modell: "Sonst geht zu viel Zeit fürs Rumfahren drauf", erklärt Rampoldt. Aufbau und Wartung der Geräte wolle das Westküstenklinikum übernehmen, die Anschaffungskosten von rund 150 000 Euro - inklusive Auto - das Land mit Hilfe eines Sponsors. Das mag Alheits Sprecher noch nicht bestätigen: "Die Einzelheiten werden derzeit ausgelotet."

Ein ungelöstes Problem ist die Bezahlung der Ärzte. Weil die fürchten, dass ein Tag im Docmobil weniger Geld bringt als in der Praxis, fordern sie einen festen Stundensatz von 40 bis 50 Euro, ähnlich wie im Notdienst. Das aber lehnt die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein ab. "Aus dem Honorartopf kann das Geld nicht kommen", sagt ihr Sprecher Marco Dethlefsen. Zwar wolle man dem Docmobil "keine Steine in den Weg legen". Doch halte man selbst es "nicht für sinnvoll, Ärzte auf zeitraubende Bustouren zu schicken". Statt dessen sollten lieber umgekehrt Fahrdienste die älteren Patienten aus den Dörfern zum Arzt bringen.

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