3. Liga : Rolf Landerl: „Ich freue mich auf jedes Spiel“

Daumen hoch: VfB Lübecks Trainer Rolf Landerl sieht sein Team nach dem Aufstieg in die 3. Bundesliga schon gut aufgestellt, sucht aber noch weiter nach Verstärkungen.
Daumen hoch: VfB Lübecks Trainer Rolf Landerl sieht sein Team nach dem Aufstieg in die 3. Bundesliga schon gut aufgestellt, sucht aber noch weiter nach Verstärkungen.

Im ST-Interview spricht VfB Lübecks Trainer Rolf Landerl über die Highlights, Veränderungen in der Mannschaft und die 3. Liga als solche.

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03. Juli 2020, 11:27 Uhr

Lübeck | Bevor Rolf Landerl in sein fünftes Jahr als Trainer beim Drittliga-Aufsteiger VfB Lübeck geht, gönnt sich der Österreicher seit Ferienbeginn noch einige Tage Auszeit mit seiner Familie in der zweiten Heimat Kärnten – der Fußball-Alltag holt den 44-Jährigen am 6. Juli wieder ein, wenn die Grün-Weißen mit ersten Leistungstests beginnen. Wir sprachen mit dem Fußball-Lehrer über Highlights, Veränderungen rund um die Mannschaft und die 3. Liga als solche.

Rolf Landerl, wenn für Sie in einigen Tagen die Vorbereitung beginnt, wartet eine neue Liga auf den VfB. Worauf freuen Sie sich in der 3. Liga am meisten?

Erst einmal freue ich mich auf jedes einzelne Spiel. Aber natürlich gibt es Spiele, die besondere Highlights sind. Kaiserslautern, 1860 München, Dynamo Dresden – das sind Namen, die zu meiner Zeit als junger Bursche Bundesliga-Vereine waren. Die Sportschau-Übertragungen aus der deutschen Bundesliga habe ich auch in Wien immer verfolgt. Kaiserslautern war zu jener Zeit auch Deutscher Meister. Auf dem Betzenberg zu spielen, könnte ein besonderer Moment sein.

Wie viel verliert die Liga an Reiz, wenn keine oder nur wenig Zuschauer dabei sein können?

Schon sehr. Ein Spiel wie beispielsweise in Kaiserslautern ist nur dann etwas Besonderes, wenn auch Zuschauer dabei sein können. Ich hoffe sehr, dass bis zum Start eine Lösung gefunden wird, dass wir zumindest einige Fans in den Stadien haben.

Für einen Aufsteiger wie den VfB wären Geisterspiele ein klarer Nachteil, oder?

Das sehe ich so. Jeder Aufsteiger nimmt eine Menge Euphorie mit in die neue Liga, diese Freude überträgt sich auf die Fans und umgekehrt. Wir wissen, dass gerade auf der Lohmühle, in einem engen Fußball-Stadion, eine spezielle Atmosphäre entstehen kann, die uns als Mannschaft enorm pushen kann. Es wäre schade, wenn das verloren ginge – für uns als Mannschaft ebenso wie für die Fans.

Sie nutzen aktuell die Zeit auch, um intensiv die Spiele der noch laufenden Drittliga-Saison zu verfolgen. Welche Erkenntnisse haben Sie dabei gewonnen?

Ich sehe einen bunten Mix auf einem guten Niveau, erheblich höher als wir es aus der Regionalliga kennen. Spielerische Klasse ist bei einigen Teams vorhanden, aber bei vielen auch brutales Abwarten, wo nur die Null hinten im Vordergrund steht und die Chance, ein oder zwei Konter zu nutzen. Insgesamt ist die Haltung in dieser Liga sehr ergebnisorientiert. Viele Mannschaften bewegen sich auf ähnlichem Niveau. Insgesamt ist es schneller, athletischer, geprägt von Spielern, die in den Nachwuchsleistungszentren ausgebildet wurden, oft auch in großen Vereinen.

Wenn die neue Saison – nach derzeitigem Stand voraussichtlich Mitte September – startet, werden Sie über ein halbes Jahr kein Pflichtspiel absolviert haben. Hört sich auch wie ein Nachteil an, oder?

Das ist es auch. Wir werden länger benötigen als andere Mannschaften, die jetzt noch spielen, um wieder das Niveau zu erreichen, das wir brauchen, um in der Liga zu bestehen. Eine solch lange Pause haben die wenigsten schon einmal erlebt. Das kann man mit individuellem Training oder Kleingruppentraining nicht auffangen.

Im Gegensatz zu den Mannschaften, die jetzt noch spielen, werden Sie aber eine längere Vorbereitung haben. Kann das ein Vorteil sein?

Ja, doch. Jeder Nachteil hat auch seinen Vorteil, hat Johan Cruyff mal gesagt. Wir haben Zeit, und die müssen wir gut nutzen. Ich hoffe, dass wir mit dem SHFV-Pokal-Finale ein Zwischenziel haben werden. Vielleicht kann man im Anschluss daran eine Woche frei machen, damit die Vorbereitung nicht zu lang wird. Das hängt natürlich auch davon ab, wie schnell wir uns taktische Inhalte erarbeiten. Ich gehe davon aus, dass wir schnell in die inhaltliche Arbeit einsteigen können, da die Spieler alle individuelle Trainingspläne hatten und hoffentlich fit zum ersten Training erscheinen werden.

Veränderungen wird es im Trainerteam geben. Mit Ihrem neuen Co-Trainer Lukas Pfeiffer haben Sie zu Beginn der vergangenen Woche intensive Gespräche geführt. Was versprechen Sie sich von ihm?

Mit Lukas habe ich vor allem organisatorische Abläufe rund um die Vorbereitung besprochen. Wir werden uns auch mit einem Videoanalysten aus dem Team verstärken, in dem zuletzt auch Lukas in Köln für den DFB gearbeitet hat. In den ersten Wochen der Vorbereitung wird ein spezieller Fußball-Athletik-Trainer mit dabei sein. Wir werden versuchen, die richtigen Schwerpunkte zu setzen. Mit Lukas, den ich in den ersten Gesprächen als sehr gut ausgebildet und sehr zielorientiert erlebt habe, kommt ein neuer Reiz hinzu.

Ist der nach vier Jahren Rolf Landerl beim VfB nötig?

Es sind ja nur Marvin Thiel und Sven Mende alle vier Jahre dabei gewesen. Aber bei einigen geht es in dieser Konstellation ins vierte Jahr, bei anderen ins dritte. Frischer Input ist nicht verkehrt.

Welche Veränderungen soll man in der neuen Saison auf dem Platz sehen?

Unser Stil soll schon der gleiche bleiben. Aber wir stehen vor Herausforderungen auf deutlich höherem Niveau, da müssen wir Anpassungen vornehmen und flexibler werden. Das haben wir in Spielen gegen gut organisierte Gegner auch in der Regionalliga erkennen können. Es wird Spiele geben, wo wir über längere Phasen tiefer verteidigen müssen. Umgekehrt erhoffe ich mir auch, dass wir aus unserem gewohnten 3-5-2 auch Varianten mit Viererkette erarbeiten. Dagegen gab es in der Mannschaft ein paar Vorbehalte, die gilt es abzubauen.

Wie weit sind Sie in der Planung der Vorbereitung?

Wir stehen mit einigen Mannschaften aus dem Profibereich in Gesprächen, um viele Möglichkeiten zu bekommen, auf hohem Niveau testen zu können. Ich hoffe, dass wir einige echte Gradmesser haben werden.

Die Kaderplanung ist noch nicht abgeschlossen. Was steht derzeit beim Blick auf den Transfermarkt für den VfB im Vordergrund?

In erster Linie dürfen wir uns nicht unter Druck setzen lassen. Die Entscheidungen, die wir treffen, müssen gut sein. Weil die Meisterschaften in den Profiklassen bis jetzt andauern, hat sich bislang auf dem Markt wenig bewegt. Ich erwarte, dass sich das Karussell bald in Bewegung setzt. Aufgrund der Corona-Krise, die viele Vereine zum Sparen zwingen wird, werden auch im August noch interessante Spieler zu bekommen sein.

Auf welchen Positionen liegt Ihr Hauptaugenmerk?

Wichtig wird sein, dass wir einen Typ wie Ahmet Arslan finden, der an einem guten Tag ein Spiel für uns entscheiden kann. Das ist aber die schwierigste Aufgabe, denn solche Akteure sind überall gefragt. Der Verein wird finanziell keine verrückten Dinge machen, aber Spieler dieser Art haben ihren Preis. Und wenn man sich in Konkurrenz mit anderen Vereinen befindet, muss man den bezahlen, wenn man überzeugt davon ist.

Daneben sind fünf bis sechs andere Positionen – Innen- und Außenverteidiger, zentrales Mittelfeld, ein weiterer schneller, dribbelstarker Angreifer – zu besetzen. Ist die U23-Regel das Hauptkriterium, um diese Kaderplätze zu belegen?

Nicht das wichtigste, aber ein wichtiges Kriterium. Neben dem Alter geht es in erster Linie um Qualität. Wir werden es uns nicht leisten können, dass Spieler nur mitfahren, weil sie die Altersregel erfüllen. Junge Spieler, die wir holen, sollen möglichst schon in der 3. Liga gespielt haben oder auf höchstem Niveau in der Regionalliga ihre Qualität nachgewiesen haben.

Die richtigen Entscheidungen vorausgesetzt, glauben Sie, dass der VfB in der 3. Liga bestehen wird?

Wir verfügen über ein gutes Grundgerüst, dem wir auch eine Klasse höher einiges zutrauen. Von daher bin ich überzeugt, dass wir mithalten können. Klar ist auch: Als Aufsteiger und mit einem der kleinsten Budgets der Liga werden wir uns nicht viele Fehlgriffe leisten können.

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