Unfallstatistik : Risikogruppe Senioren

Wie sicher fahren Ältere? Wolfgang Gringmuth, hier mit Annika Grünthal, war einer der Teilnehmer an der bundesweiten Studie.
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Wie sicher fahren Ältere? Wolfgang Gringmuth, hier mit Annika Grünthal, war einer der Teilnehmer an der bundesweiten Studie.

Ältere sind ebenso wie junge Fahrer überproportional oft Verursacher von Unfällen.

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15. März 2014, 08:00 Uhr

So viel Unfälle wie 2013 hat es seit mindestens zehn Jahre nicht mehr in Stormarn gegeben. 5185 mal krachte es im vergangenen Jahr. Die auf den ersten Blick schlechte Nachricht ist beim zweiten Hinschauen aber eher eine gute: Die Zunahme gab es nur bei den marginalen Blechschäden, bei den schwereren Unfällen gingen die Zahlen dagegen zurück.

782 Unfälle mit Verletzten waren 36 weniger als im Jahr davor. S1- und S2- Unfälle, bei denen Straftaten oder schwere Ordnungswidrigkeiten vorlagen, sanken von 526 auf 511. Die Blechschäden (S3), bei denen die Polizei kommt, aber keinen Bericht schreibt, legten von 3841 auf 4324 stark zu, aber das hat einen Grund: Neben der hohen Verkehrsdichte vor allem am Hamburger Rand war das vor allem der lange und harte Winter, bei dem viele auf Glatteis und Schnee ausrutschten.

Verletzt wurden 909 Menschen 127 weniger als 2012. Einen Anstieg gab es bedauerlicherweise bei den Getöteten. Zehn Menschen verloren ihr Leben im Straßenverkehr, drei mehr als 2012. In Glinde wurden eine Fußgängerin, ein Roller- und ein Radfahrer tödlich verletzt. Ebenfalls in Glinde sowie in Reinfeld und Rümpel landeten Autofahrer aus unbekannter Ursache am Baum. Alkohol spielte bei 78 Unfällen, aber bei keinem der tödlichen, eine Rolle.

Ein besonderes Augenmerk richtet die Polizeidirektion seit einigen Jahren auf zwei Risikogruppen: Die jungen Fahrer bis 24 und die Senioren ab 65 Jahre. Senioren waren an jedem zweiten tödlichen Unfall beteiligt, zu 60 Prozent waren sie über alle Unfallgruppen auch die Verursacher. Polizeidirektor Holger Meincke geht zudem von einer großen Dunkelziffer aus. Weil Ältere meistens vorsichtiger und damit langsamer fahren, „gehen wir bei den S3-Unfällen von einer hohen Seniorenbeteiligung aus.“

Erfasst werden diese Zahlen nicht, aber die Statistiker haben sich die anderen Unfälle genauer vorgenommen. Ergebnis: Je schwerer die Unfälle und je älter die Beteiligten sind, desto häufiger sind sie auch die Verursacher. Bei Unfällen mit Personenschäden sind es 63,5 Prozent, und die über 75-Jährigen sind zu fast 80 Prozent auch die Verursacher. Bei den unter 70-Jährigen haben weniger als die Hälfte (45,6 Prozent) Schuld, wenn es mal kracht.

„Das Risiko, einen Verkehrsunfall zu verursachen, steigt signifikant mit dem Alter“, sagt Holger Meincke. Zwar sind Jugendliche ebenso häufig Verursacher schwerer Unfälle, aber bei ihnen gibt es den Führerschein auf Probe. Für Senioren könnte sich Meincke eine „Inaugenscheinnahme“ durch den Hausarzt vorstellen. Eine regelmäßige Gesundheitsprüfung will er zwar nicht das Wort reden, „aber das ist für mich keine Altersdiskriminierung. Das gibt es in vielen Berufsgruppen, und auch Jüngere können fahruntüchtig sein. Das ist keine Frage des Alters, auch wenn das Risiko naturgemäß mit dem Alter steigt.“

Aktionen, freiwillig auf den Führerschein zu verzichten, haben wenig gebracht. „Das liegt im Promillebereich“, sagt Abteilungsleiter Kay-Uwe Güsmer, „der Führerschein ist für viele das heiligste Dokument und das letzte Stück persönliche Freiheit. Das möchte niemand einfach hergeben, und das verstehe ich.“ Trotzdem solle sich jeder selbst fragen, ob er sich noch hinters Steuer setzt. Meincke: „Es kann nicht darum gehen, Senioren aus dem Straßenverkehr zuziehen. Autofahren ist Lebensqualität. Man muss aber eine Balance finden, damit Senioren nicht Verursacher schwerer Unfälle werden. Da sollte sich jeder individuell prüfen. Da sind auch die Hausärzte und die Angehörigen gefordert.“ Zumal das Problem nicht kleiner wird. „Die Entwicklung wird sich überproportional fortsetzen“, sagt Meincke, „nicht nur wegen der Demographie, sondern vor allem weil unter den Senioren von morgen viel mehr Frauen mit Führerschein sein werden.“

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