Ringen um Aufklärung

Avatar_shz von
22. Februar 2011, 08:12 Uhr

Ahrensburg | Vor sechs Wochen ist die Initiative "Dialog in Ahrensburg" mit ihrem "Aufruf zu Vernunft und Besonnenheit" auf ihrer Internetplattform an die Öffentlichkeit gegangen. Mehr als 100 Frauen und Männer haben die acht Thesen der Ini tiatoren bislang unterzeichnet, in denen vor allem die "unprofessionelle" und "wenig erfolgreiche" Aufklärungsarbeit des Kirchenvorstand s und dessen zu große Nähe zum Opferverein "Missbrauch in Ahrensburg" kritisiert wird.

"Uns ist wiederholt der Vorwurf begegnet, wir wollten Beschuldigte reinwaschen und seien nicht an Aufklärung interessiert. Das Gegenteil ist der Fall. Wir sind verärgert, dass die bisherige Aufklärungsarbeit, und zwar konkret die des Kirchenvorstandes, so wenig erfolgreich verläuft. Die frühe Festlegung des damaligen Vorsitzenden Pastor Haak hat das Gremium in eine unglückliche Lage gebracht", lautet die Ansicht der Initiatoren Nele McElvany und Nikolaus Lemberg, die in den 90er Jahren beide in den Jugendgruppen von Pastor H. waren.

"Natürlich soll der Kirchenvorstand die Opferseite ernst nehmen und deren Sache unterstützen. Er soll aber auch berücksichtigen, dass mehrere seiner Mitglieder selbst in die Geschehnisse verstrickt waren", sagen Nele McElvany, Nikolaus Lemberg und Werner Treß.

In einem Gedankenaustausch mit Vorstandsmitgliedern des Vereins "Missbrauch in Ahrensburg" konnten sie in einem Punkt Einigkeit feststellen: Beide Initiativen hoffen, dass die Aufklärungsarbeit in Ahrensburg von einer externen Instanz unterstützt wird.

Das bestätigt Anselm Kohn vom Opferverein: "Die Kirche sollte jemanden beauftragen, der die Geschehnisse von außen beleuchtet - so wie bei der Odenwaldschule." Seines Wissens nach werde die Aufklärung durch die nordelbische Kirche eher spärlich vorangetrieben: "Im vergangenen Sommer wurde dort nur mit einer dreiviertel Stelle am Ahrensburger Fall gearbeitet." Vom Kirchenvorstand, der sich derzeit ein einmonatiges Moratorium auferlegt hat, erwarte Kohn nun einen deutlichen Schritt nach vorne.

Auch die Initiative "Dialog in Ahrensburg" vermisst laut Nikolaus Lemberg weiterhin eine offizielle Reaktion des Kirchenvorstands. Briefe von Initiativen-Mitgliedern seien gar nicht und nur sehr knapp beantwortet worden. "Nun erwarten wir mit Spannung die heutige Sitzung des Kirchenvorstands. Uns ist mitgeteilt worden, dass man sich dann mit unserem Aufruf und dem Brief mit vielen Fragen zur Aufarbeitung und Vergangenheit befassen wird", so Nikolaus Lemberg. "Sollte es bei der momentanen Verweigerung des Kirchenvorstandes bleiben, so bestätigt das unsere Befürchtung, dass dieses Gremium in seiner heutigen Zusammensetzung nicht geeignet ist, die momentanen Herausforderungen zu bewältigen." Noch glaube man aber an gemeinsame Gespräche.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen