zur Navigation springen

Travenbrück : Richter: „Hören Sie endlich auf mit dem Scheiß-Kiffen“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Delikt im Drogenmilieu – Angeklagte wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Wer in der Verhandlung wegen schweren Raubes und Verstoßes gegen das Waffengesetz gegen Artan I. und Yusuf T. lügt oder nicht, konnte auch am zweiten und letzten Verhandlungstag nicht in allen Punkten geklärt werden. Zwar konnte der Vorsitzende Richter Kai Schröder anhand der Überwachungskamera der Sparkasse in der Oldesloer Hagenstraße beweisen, dass das Opfer (30) nicht gelogen hatte, als es behauptete, seine Kontokarte gesperrt und mit dem Angeklagten Artan I. den Kontostand in der Sparkasse am Tag vor der Tat überprüft zu haben. Jedoch blieben viele Fragen offen. Der 30-Jährige verschwieg, dass es bei dem Raub um Marihuana ging, hatte mit der Anzeige bei der Polizei bis zum Tag nach der Tat gewartet – wohl, weil er sich selbst nicht belasten wollte und Angst vor weiteren Übergriffen hatte.

Die beiden in Bad Oldesloe lebenden Angeklagten werden beschuldigt, im Juli 2015 gewaltsam und mit vorgehaltener Scheinwaffe in seine Wohnung eingedrungen zu sein, ihn bedroht, beraubt und gefesselt zu haben und mit einer geringen Menge Marihuana und anderen Wertgegenständen geflüchtet zu sein. Artan I. ist wegen Betruges und Diebstahls bereits vorbestraft und zahlt noch eine Geldstrafe ab. Er arbeitete als Fachlagerist bei der Lufthansa am Hamburger Flughafen, verlor aber wegen der Straftaten seine Arbeit. Yusuf I. ist bisher nur wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis aufgefallen, arbeitet als Plattenleger, ist verheiratet und hat ein Kind.

Ein weiterer Zeuge, der ein am Tatort von Artan I. entwendetes Handy kaufte, wies darauf hin, dass das Opfer mit Drogen handele. Tralau sei dafür bekannt. Bei ihm habe man fast alles bekommen können – von Marihuana bis zu Amphetaminen. Der Richter fragte ihn, ob auch Albaner mit im Spiel gewesen seien. Im Laufe der Jahre habe er viele Albaner aus Oldesloe wegen Drogendelikten verurteilt. Dies konnte der Zeuge jedoch nicht bestätigen.

Die Staatsanwaltschaft sah es als erwiesen an, dass die Angeklagten mit einer Scheinwaffe gemeinschaftlich, gewollt und geplant und mit „hoher krimineller Energie“ an Gras kommen wollten. Zwar handele es sich um ein Delikt im Drogenmilieu, beide Täter seien jedoch voll schuldfähig und nicht durch den Drogenkonsum beeinflusst gewesen. Zugunsten hielt er den Angeklagten ihr Geständnis, ihr Bedauern des Übergriffes, die geringe Beute und die wirtschaftlich ungünstige Lage von Artan I.

Die Verteidiger wiesen darauf hin, dass der Einsatz einer Waffe nicht bewiesen werden könne, so dass es sich um einen Diebstahl, nicht um einen Raub handele. Sie baten um geringe Bewährungsstrafen für ihre Mandanten.

Doch Richter Kai Schröder hielt sich im Strafmaß an die Forderungen des Staatsanwalts und verurteilte den Serben Artan I. zu zwei Jahren auf Bewährung und 100 Sozialstunden. Der türkischstämmige Yusuf T. erhielt ein Jahr und sechs Monate auf Bewährung und muss 500 Euro in Raten an die Staatskasse zahlen. Richter Schröder: „Damit sie merken, dass dies eine Strafe ist!“

Richter Schröder begründete seine Entscheidung vor allem damit, dass das Opfer hinsichtlich der Kontokarte und dem Besuch bei der Sparkasse nicht gelogen habe. „Sie haben versucht, das Opfer abzuziehen, und als dies nicht gelang, haben Sie es ausgeraubt“, so Schröder. Das hier sei die Fortsetzung der bekannten Tätlichkeiten unter Alkoholikern –jedoch unter Drogenkonsumenten. „Hören Sie endlich mit dem Scheiß-Kiffen auf und suchen Sie sich eine Arbeit“, gab er Artan I. mit auf den Weg. Dieser konnte die hohe Bewährungsstrafe nicht nachvollziehen und bemerkte auf dem Weg aus dem Gerichtsgebäude: „Das alles wegen ein bisschen Gras.“


zur Startseite

von
erstellt am 24.Feb.2017 | 06:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen