Reinfeld : Revolution auf dem Klo

Simon Jost (l.) und Karsten Lutz: „Schluss mit der Zerstörung der Natur für Hygienepapiere!“ Sie setzen auf ungebleichtes Toilettenpapier aus 100 Prozent Bambus.
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Simon Jost (l.) und Karsten Lutz: „Schluss mit der Zerstörung der Natur für Hygienepapiere!“ Sie setzen auf ungebleichtes Toilettenpapier aus 100 Prozent Bambus.

Reinfelder Start-up-Unternehmen setzt auf samtig-weiches Klopapier aus Bambus und damit auf die Umwelt.

shz.de von
05. Juli 2015, 15:45 Uhr

„Gut für die Haut – gut für die Natur – gut fürs Karma“ - mit diesem Slogan werben Karsten Lutz (26) und Simon Jost (28) für die „Revolution in deutschen Badezimmern“ – wie sie ihr Projekt augenzwinkernd nennen. Die beiden Reinfelder haben eine (hoffentlich) zündende Idee: Sie wollen mit „Smooth Panda“ das erste reine Bambus-Toilettenpapier auf den deutschen Markt bringen.

„Jedes einzelne Blatt bietet drei wohlig weiche Schmuselagen aus 100 Prozent Bambus“, schwärmt Lutz und hält die Rolle Klopapier hoch. Zugegeben: Es ist wirklich flauschig, reißfest, fühlt sich angenehm weich an, und der Verbraucher hat dabei ein gute Gefühl, unterstützt er doch mit dem Kauf die Rettung der Regenwälder. 270  000 Bäume finden täglich in Form von Toiletten- oder Hygienepapier ihren Weg ins Badezimmer. Herkömmliches Toilettenpapier besteht zu 80 Prozent aus Zellstoff. Fast ein Viertel seines Zellstoffs bezieht Deutschland aus Brasilien und gefährdet damit die Regenwälder. Mit „Smooth Panda“ macht sich das Startup-Unternehmen für den Umweltschutz stark.

„Das erste Mal habe ich in Thailand Toilettenpapier aus Bambus gesehen“, erzählt Globetrotter und Verkaufsexperte Lutz. Seit Ende Januar arbeitet er nun an seinem Projekt und holte Simon Jost, Marketingexperte und bereits selbstständig mit anderen veganen Internet-Projekten, mit ins Boot. Ihnen sei bewusst, dass bei weitem nicht jeder Deutsche an Nachhaltigkeit, Umwelt- und Tierschutz oder Verpackungen ohne Erdöl interessiert sei. „Natürlich muss man nicht super grün sein, um Smooth Panda kaufen zu wollen, jedoch sehen wir in Idealisten und Weltverbesserern, Veganern und Vegetariern, Ökos und Rebellen unsere Kernzielgruppe“, ergänzt er.

Nach langer Suche fanden sie ein Unternehmen in China, das ungebleichtes Toilettenpapier aus 100 Prozent Bambus herstellt und auch selber ohne Pestizide und Düngemittel anbaut. Es kämen keine umweltschädigenden Maschinen zum Einsatz. Nur 80 Kilometer sei die Plantage vom Werk entfernt, von dort werde direkt verschifft. Bambus wächst schnell, nach drei Jahren kann bereits geerntet werden, stirbt nicht ab, sondern wächst nach. „Auch bei der Verarbeitung haben wir darauf geachtet, dass nur das absolute Minimum an Chemikalien benötigt wird“, sagt Lutz. Einziges Manko: Der Transport per Schiff. Natürlich sei das nicht „sehr ökologisch“, ließe sich aber noch nicht vermeiden. Wenn alles gut läuft, wollen die rührigen Stormarner einen Hersteller in Südeuropa finden, um die Transportwege fürs Klopapier zu verkürzen.

Damit es aber gut läuft und das Bambus-Papier bald im Onlineshop und später auch im Einzelhandel verkauft werden kann, haben die Newcomer noch einige Hürden zu nehmen. Mit dem so genannten „Crowdfunding“ auf der Plattform „Startnext“ wollen die findigen Reinfelder ihr Projekt anschieben. „Es geht hier nicht um Spenden, sondern darum, ein innovatives, kreatives Projekt zu unterstützen und ein Teil der Idee zu werden“, sagt Jost. Fast 12  000 von festgesetzten   16  000 Euro wurden bereits durch Supporter finanziert. Als Dankeschön erhalten diese – wie sollte es anders sein – neben kleinen Geschenken das Bambus-Toilettenpapier. Aber erst, wenn dieses im Oktober endlich in Reinfeld eingetroffen ist und die Vorfinanzierung durch das Crowdfunding klappt.

Wenn nicht, wird das Geld zurückerstattet. Immerhin unterstützen fast 400 Supporter das innovative Projekt. Bis Mittwoch, 8. Juli, läuft die Frist. Jost und Lutz zeigen sich zuversichtlich: „Das müsste zu schaffen sein. Dann kann auch der erste Container aus China bei uns ankommen.“

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