Rentnerin überfallen – Ein Mittäter packt aus

19-Jähriger berichtet minutiös vom Tathergang / Gemeinschaftlicher schwerer Raub

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18. Dezember 2017, 15:39 Uhr

Vor der III. Großen Strafkammer des Landgerichts Lübeck wurde gestern der Prozess gegen Rainer D. fortgesetzt. Der 24-Jährige aus Reinbek ist des gemeinschaftlichen schweren Raubs angeklagt. Er soll mit zwei Kumpanen eine heute 79-Jährige am 4. November des vergangenen Jahres in Glinde überfallen und ausgeraubt haben. Dabei fiel dem Trio beträchtliche Beute in die Hände, allein das Bargeld betrug 30 000 Dollar und 8000 Euro. Mit einem Trick verschaffte sich D. Zutritt zu ihrer Wohnung, fesselte die Dame und ließ dann seine Komplizen, wie berichtet, durch die Terrassentür hinein.

Gestern sagte ein Mittäter aus. Der 19-Jährige berichtete minutiös über den dreisten Tathergang. Nachdem er in die Wohnung eingedrungen war, sah er die Blutspuren der misshandelten Frau und war schockiert. „Ich musste sie bearbeiten“, soll D. dazu gesagt haben. „Er hatte ein Messer in der Hand und drohte ihr, weil sie nicht sagen wollte, wo ihr Geld ist“, so der Zeuge. „Wir wussten aus sicherer Quelle, dass sie viel Geld und einen Tresor hat.“

Von der Putzfrau habe das der dritte Mittäter erfahren, der gestern trotz Ladung nicht vor Gericht erschien. Er muss ein Ordnungsgeld von 150 Euro zahlen oder ersatzweise drei Tage in Haft. „Wir haben dann alles von Wert eingesammelt, die Frau hat uns auch den Tresor gezeigt und den Schlüssel gegeben“, so der Zeuge. Er war wegen einer anderen Straftat vom Sondereinsatzkommado (SEK) verhaftet worden. Drei Monate habe er in Untersuchungshaft gesessen, bis er ein Geständnis ablegte. „Anfangs hatte ich Angst zu reden, weil der dritte von uns auf freiem Fuß war“, sagt er. Einer von dessen Freunden habe ihn verfolgt und beschimpft.

Der Raub wurde gründlich vorbereitet. Das Haus wurde ausgespäht, am Tattag kaufte das Trio Handschuhe und das Panzerband, mit dem das Opfer gefesselt wurde. Und einen Ball, mit dem es an die Tür gelockt wurde. Auf ihm fanden sich DNA-Spuren des Zeugen, wie auch an einem Käppi, das er auf der Flucht weggeworfen hatte. Mit einem Pluszeichen auf dem Handy informierte D. seine Mittäter, dass er die Frau überwältigt hatte.

Nach der Tat floh das Trio durch einen Wald in ein Maisfeld, wo sie die Beute aufteilten und einige Stunden warteten, um der Fahndung zu entgehen. „Wir hörten die Sirenen und ein Helikopter kreiste über uns.“ Einige Schmuckstücke wurden dort vergraben. Von einem Bekannten ließ sich das Trio dann abholen. Jeder erhielt zuvor auch eine Goldmünze. „Die habe ich für 1000 Euro an einen Juwelier verkauft“, sagte der Zeuge aus. Die Dollars tauschten die Täter in einer Wechselstube ein.
Einen Mittäter lernte er in einer Fahrschule kennen und durch den dann auch D. „Sie prahlten mit ihren Taten und zeigten mir Fotos ihrer Beute aus früheren Taten und von einer Pistole.“ Er habe den Eindruck gehabt, dass es sich bei ihnen um Profis gehandelt habe. Beim Überfall gab es die Anweisung, mit russischem Akzent zu reden.

„Nach der Tat war D. glücklich, dass er keine Geldsorgen mehr hatte“, erklärte der Sachverständige. Der mehrfach Vorbestrafte war zeitweise obdachlos, schlief öfter bei seiner Mutter, geriet aber immer wieder in Streit mit ihr. D. kündigte mehrfach Selbstmord an. „Ich wollte damit Aufmerksamkeit auf mich lenken“, war eine von Ds spärlichen Einlassungen. Trotz mehrerer Therapieversuche konnte er seine Cannabis-Abhängigkeit nicht abstreifen. „Ich bin bis heute süchtig“, sagte er. Wann er zuletzt konsumiert habe, will der Vorsitzende Richter wissen. „In der Haft“, antwortet D.

Der Hauptangeklagte D. hatte auch einem Freund über eine Whats-App von seinen Taten berichtet, mit dem er online PC-Spiele führte. „Ich habe selbst teilweise einen kriminellen Hintergrund, deshalb konnte er mir das sagen“, gibt er zu. „Er hat auf dicke Hose gemacht und war spendabel, wenn er mal Geld hatte“, sagte der Zeuge. D. rede viel und sei nicht immer in der Realität angekommen.

>Die Verhandlung vor dem Landgericht in Lübeck wird am Dienstag, 9. Januar 2018, mit den Plädoyers fortgesetzt.

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