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Bei Spaziergang in Hoisdorf : Rentner von Herdenhunden angefallen: „Ich hatte im Kampf Todesangst“

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Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der 65-Jährige und sein stark blutender Hund konnten sich in ein Haus retten. Das Amt Siek muss gegen Besitzer der angreifenden Hunde vorgehen.

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erstellt am 06.Mai.2016 | 06:00 Uhr

Hoisdorf | Die Faktenlage ist zwar eindeutig: Zwei Kangals – türkische Herdenhunde – hatten den Hoisdorfer Rentner Gerd Schröder und seinen Welshterrier Charly angegriffen, als er am Morgen des 18. März unweit seines Hauses spazieren ging. Doch konkret möchte niemand etwas dazu sagen: Die Polizei verweist auf das Amt Siek, die Amtsverwaltung versteckt sich hinter „Datenschutz“, und Bürgermeister Dieter Schippmann sagt: „Mir sind die Hände gebunden, ich kann nur informieren.“

Der Waldweg, auf dem es zu den Attacken kam, ist bei Spaziergängern sehr beliebt. Auch Kinder sind hier viel unterwegs.

Der Spaziergänger wurde von hinten von einem Kangal angesprungen und umgerissen. Beide Tiere umkreisten ihn und seinen Hund, griffen an und schleuderten den Welshterrier durch die Luft. Der 65-Jährige und sein stark blutender Hund konnten sich in ein Haus retten. „Ich hatte in den zehnminütigem Kampf Todesangst“, schrieb der Rentner in der Anzeige bei der Polizei in Ahrensburg.

Die verwies auf das Ordnungsamt in Siek, weil es sich um eine Ordnungswidrigkeit handeln würde, obwohl die Kangals am gleichen Tag noch eine 48-jährige Hundehalterin angegriffen hatten und noch weitere Anzeige vorlagen. „Grundsätzlich ist die Polizei aber raus, weil keine konkrete Gefahr vorliegt“, sagt Holger Meier, „alles andere ist Sache des Ordnungsamts“, so der Sprecher der Polizeidirektion Ratzeburg.

Dort gibt man sich allerdings ganz kurz angebunden: „Kein Kommentar“ heißt es aus der Sieker Amtsverwaltung. Begründung: „Datenschutz“. Das bekamen auch die Schröders zu hören, als sie sich erkundigen wollten, was amtlicherseits denn unternommen worden sei.

„Wir wollen doch wissen, ob wir wieder ohne Angst im Wald mit unseren Hunden spazieren gehen können“, sagt Angela Schröder, „und wir sind ja nicht die einzigen, denen es so geht.“ Sie sorgte sich auch um die Kinder in der Kita, der Schule und auf dem Sportplatz. Alle Einrichtungen grenzen an das große Grundstück der Kangal-Besitzer an, wo mehrere Familien wohnen. „Meine Enkel sind in der Kita und in der Schule. Muss denn erst etwas passieren“, fragt Angela Schröder.

Einen Tag nach dem Angriff im März hatte sich „eine junge Frau, die ihren Namen nicht sagen wollte“, bei ihr gemeldet, um sich zu entschuldigen. Mittlerweile haben die Kangal-Halter auch die Tierarztrechnungen für Charly in Höhe von mehr als 700 Euro bezahlt. Angela Schröder möchte aber auch wieder ohne Angst, Pfefferspray und Ultraschall-Dog-Stop spazieren gehen können.

Waffe 1 von Angela Schröder: Pfefferspray.
Waffe 1 von Angela Schröder: Pfefferspray. Foto: Rolf Blase
Waffe 2 von Angela Schröder: Der Ultraschall-Dog-Stop.
Waffe 2 von Angela Schröder: Der Ultraschall-Dog-Stop. Foto: Rolf Blase
 

„Ich möchte den Hunden auch nicht im Wald begegnen“, sagt Bürgermeister Schippmann. Und: „Ich habe alles veranlasst, was man machen kann, und mittlerweile müsste alles eingetütet und geregelt sein.“ Am Anfang sei die Angelegenheit von den Kangal-Besitzern vielleicht auf die leichte Schulter genommen worden räumt er ein: „Aber jetzt man man es offenbar begriffen.“

Dass die Tiere im Zwinger sein sollen, glaubt Angela Schröder nicht. Und der Maschendrahtzaun von nicht mal 1,50 Meter Höhe sei für die großen Hunde kein Hindernis. „Ich würde gern wissen, ob eine Wesensprüfung veranlasst wurde und was bis dahin angeordnet wurde“, sagt die 62-Jährige. Das Amt könnte für Klarheit sorgen. Dort hat man sich aber nur selbst einen Maulkorb verpasst.

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