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Stormarner Tageblatt

22. Oktober 2017 | 22:13 Uhr

Wirbel um Wind : Rekordsitzung für Windpark

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

130 Zuhörer kamen zur Sitzung des Bauausschusses ins Ganztagszentrum. Drei Stunden dauerte es, bis die Experten ihre Gutachten vorgestellt hatten und Fragen zu den geplanten Windrädern vorgebracht und beantwortet waren.

shz.de von
erstellt am 27.Sep.2013 | 00:33 Uhr

Ring frei für eine neue Runde: Im Bargteheider Ganztagszentrum befassten sich die Bauausschuss-Mitglieder fast drei Stunden lang mit dem geplanten Bürgerwindpark. Etwa 130 Besucher waren gekommen, wohl bisheriger Rekord. Zwei Gutachter stellten ihre Expertisen vor und die Besucher hatten viel Zeit, um ihm Fragen zu stellen. Die große Mehrzahl ist gegen den Windpark.

Das Thema Sicherheit spielt eine große Rolle. „Was geschieht, wenn die Kunststoff-Flügel Feuer fangen?“, fragte ein Teilnehmer, „dann wird ein Feuerregen mit giftigem Phosphor über der Stadt niedergehen.“ Eine Teilnehmerin griff diesen Ball auf: „Ein Feuer wäre nicht beherrschbar, was wäre, wenn die Tierklinik davon betroffen wird.“ Dort werde in der Diagnostik mit radioaktiven Substanzen gearbeitet. Die Feuerwehr könne die Anlage dann nur kontrolliert abbrennen lassen und die Umgebung evakuieren, so Bauamtsleiter Jürgen Engfer: „Das Brandschutzkonzept ist eine Aufgabe der Anlagenbauer.“

Der Standort am Glindfelder Weg sei nicht geschützt, so Landschaftsplaner Raimund Weidlich. Die Obere Naturschutzbehörde lege strenge Prüfkriterien an, sie sei aber mit den Plänen einverstanden. „Einige Knicks werden beeinträchtigt, sie können aber verschoben werden“, sagte er. Für den Bau werde ein fünf Meter breiter Schotterweg von der Jersbeker Straße her angelegt. Zwei Eichen müssen dafür weichen, als Ersatz sollen neun neue gepflanzt werden.
Die Betreiber zahlen für die Landschaftseingriffe 730 000 Euro, das Geld geht an den Kreis und wird für den Naturschutz verwendet. „Sündengeld“ sei das, kritisierte Hartmut Scheffler. „Junge Familien werden betrogen, die hier ein Haus gekauft haben“, ereiferte sich eine Teilnehmerin, „die Kinder werden krank gemacht.“ „Ich bin für Windkraft, aber diese Anlagen sind zu groß“, argumentierten mehrere Teilnehmer.
Gerhard Artinger, der neben der Tierklinik wohnt, beklagte den erwarteten Lärm der Anlagen: „40,2 Dezibel in meinem Schlafzimmer, Tag und Nacht.“ Die Grenzwerte würden eingehalten, entgegnete Engfer: „Darauf haben sie einen Rechtsanspruch.“ Hans Pirch lud die Kommunalpolitiker zu einer Besichtigung baugleicher Anlagen in Mecklenburg-Vorpommern ein: „Ich stelle den Bus und übernehme die Kosten, sprechen sie mit den Leuten dort.“ Stadtrat Claus Christian Claussen verwies auf die breite politische Mehrheit, die sich für die Anlagen ausgesprochen habe. Das Thema sei auch im Wahlkampf erörtert worden, die CDU habe klar Position bezogen. „FDP und WfB waren dagegen, sie haben bei der Wahl weniger Prozente als vorher erhalten.“ Die Entscheidung für den Bürgerwindpark sei auch lange und sorgfältig erörtert worden, das Verfahren laufe bereits seit zwei Jahren.

Engfer verwies auf die Ziele des Bargteheider Klimaschutzkonzepts. „Mit den Anlagen kann sich Bargteheide rechnerisch selbst mit Strom versorgen.“ Der könne über das Umspannwerk am Krögen ins Mittelspannungsnetz eingespeist werden.

Geplant sind jetzt drei neu entwickelte Rotoren mit 3,3 statt drei Megawatt Leistung. „In Nabenhöhe haben wir eine durchschnittliche Windgeschwindigkeit von 6,9 Meter pro Sekunde“, erklärte Gutachter Carsten Nording, „das ist für Norddeutschland ein guter Wert.“

Eigentlich kann nur noch eine Klage oder ein negatives Gutachten das Projekt stoppen, denn Baurecht besteht bereits. „Wir werden klagen“, kündigte ein Klein Hansdorfer schon an, „es wird Gegenwind vom Feinsten geben.“

Die Ausschussvorsitzende Renate Mascher bedankt sich für die diesmal recht disziplinierte Diskussion, „auch wenn es Ansätze von Anbrüllen gab“.

Am Montag, 21. November, werden die letzten Gutachten im Ausschuss vorgestellt, darunter eines zum Artenschutz. „Danach wird voraussichtlich der Bauantrag beim Landesamt gestellt“, erläuterte Engfer. Bis Mitte Februar dauere die Prüfung, dann gebe es höchstwahrscheinlich grünes Licht von der Behörde. Denn die Stadt und die Kommunalpolitiker hätten den Windpark sorgfältig vorbereitet und eine Fülle von Gutachten eingeholt. Auch die Öffentlichkeit wurde ausgiebig beteiligt, alle Gutachten können auf der Homepage der Stadt eingesehen werden.

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