Pilgerherberge Klein Wesenberg : Rekord: 1000 Pilger auf der Via Baltica

Der Pilgerweg führt über die Klein Barnitzer Trave-Brücke. In diesen Tagen aber kann zwar noch auf die Brücke gehen, kommt aber auf der anderen Seite nicht mehr weiter.
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Der Pilgerweg führt über die Klein Barnitzer Trave-Brücke. In diesen Tagen aber kann zwar noch auf die Brücke gehen, kommt aber auf der anderen Seite nicht mehr weiter.

Rund 200 Übernachtungen in der Pilgerherberge in Klein Wesenberg bedeuten Rekordbesuch.

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28. Dezember 2014, 11:39 Uhr

„Wir haben nicht alle Pilger gezählt, die in diesem Jahr durch unsere Gemeinde gekommen sind“, sagt Pastor Erhard Graf. Doch er weiß, dass an so manchem Tag fünf Pilger gleichzeitig in Klein Wesenberg Station gemacht haben. Im Schnitt seien es in der Saison von März bis Oktober drei Pilger pro Tag gewesen. „Gut 200 haben bei uns im Gemeindehaus übernachtet“, sagt er – im Vergleich zum Vorjahr ein Rekord. Der engagierte Pastor, selbst begeisterter Pilger und zertifizierter Wegbegleiter, schätzt die Zahl der Pilger auf 1000.

Nach dem Erscheinen von Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal Weg“ im Jahre 2006 erlebte das Pilgern auf dem Jakobsweg einen wahren Boom, und dieser ist – so belegen es die Zahlen aus Nordstormarn – bis heute ungebrochen. „Der Wegabschnitt von Lübeck bis Hamburg ist wegen der guten Erreichbarkeit mit der Bahn und der Möglichkeit, in Reinfeld oder Bad Oldesloe wieder aufzuhören, sehr beliebt“, so Graf. Außerdem könne man den Wegabschnitt auch mit wenig Training in drei Tagen gut bewältigen. Auch ohne Flyer, besondere Werbung oder Kartenmaterial seien sehr viele Menschen unterwegs. Graf empfiehlt jedoch eine gute Wanderkarte, da es schon mal sein könne, dass die Jakobsmuschel auf dem Pilgerweg durch Zweige verdeckt sei. Außerdem verliefen sich viele Pilger an einer neuen Abzweigung in Lübeck-Genin und kämen so nicht auf die Via Baltica, sondern die Jutlandica in Richtung Lüneburg.

Im Jahr 2009 wurde in der Gemeinde ein Pilger-Stein gesetzt, der den Wanderern den Weg zur Klein Wesenberger Kirche zeigt. Immer mehr Pilger entdeckten den idyllischen Ort an der Trave. Um der Nachfrage gerecht zu werden, wurde das Gemeindehaus umgestaltet. Zwölf Betten in vier Zimmern stehen dort bereit.

Gastfreundschaft ist für das ehrenamtliche Team der evangelischen Kirchengemeinde eine Selbstverständlichkeit. Pastor Graf betont aber, dass dieses Beherbergungsangebot ein freiwilliges sei. Schließlich habe der Jakobsweg nichts mit der Kirchengemeinde zu tun, sondern sei eine Initiative der Jakobusgesellschaft. Ein wenig stolz sind er und sein ehrenamtliches Team darauf, dass so viele Pilger durch den Ort kommen, denn im nahen Reinfeld und Bad Oldesloe sei ein Übernachtungsangebot aus organisatorischen Gründen nicht möglich.

Pastor Graf spricht von „einem großen Gewinn für die Region“. Trotz fehlender Werbung würde der Pilgerweg von immer mehr Menschen genutzt, was doch dafür spreche, dass das Pilgern hohe Bedeutung habe. Durch das Wandern verlangsame sich das Leben, die Wahrnehmung für die kleinen Freuden und Dinge des Lebens werde geschärft. Graf: „Zu Fuß unterwegs sein verbindet uns mit der Schöpfung.“ Mancher Gedanke, der von den Sorgen des Alltags verdeckt war, darf nun gedacht werden, unterwegs sein, nachdem man im Alltag eingespannt war. Es geht auch darum, auf eine bestimmte Art und Weise zu pilgern: Zu Fuß, mit dem Rad, zu Pferd, mit dem Schiff – immer langsam. Veränderungen und Verwandlungen erfahren, sich selbst und die Schöpfung intensiver spüren – auf 111 Kilometern auf der Via Baltica durch Nordstormarn haben Pilger die Möglichkeit dazu.



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