Bad Oldesloe : Reißleine ziehen oder genehmigen?

Die aufgehängten Banner können nur unzureichend verbergen, dass sie aus Bad Schwartau recycelt sind.
Die aufgehängten Banner können nur unzureichend verbergen, dass sie aus Bad Schwartau recycelt sind.

Der verkaufsoffener Sonntag in Bad Oldesloe dieses Wochenende steht auf der Kippe. Bislang hat die Stadtverwaltung noch keine Genehmigung erteilt.

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15. März 2018, 06:00 Uhr

Stell dir vor: Es ist verkaufsoffener Sonntag in Bad Oldesloe, aberkaum einer weiß, was dort eigentlich los sein soll. Oder ob überhaupt etwas passiert, denn bis Mittwochabend gab es für das Ereignis, das eigentlich am Freitag beginnen soll, noch keine Genehmigung – aber viele Bedenken.

Die Geschichte dieser speziellen Einkaufstage schien vorbei, als im vergangenen Jahr die Interessengemeinschaft Handel ihr Auflösung erklärte. Kurz vor Toresschluss fand sich dann doch eine kleine Truppe um Hans-Jörg Steglich von der Löwen-Apotheke,die sich bereit erklärte, in die Rolle es Koordinators zu schlüpfen. „Mehrere Kaufleute baten mich darum, weil sie an verkaufsoffenen Sonntagen festhalten wollen. Bisher habe ich auch nur positives Feedback – bis auf ein paar Filialisten – dass es weitergeht und dass man sich auch einbringen will“, so Steglich. Für drei der vier Sonntage – die von der Stadt mit jeweils 4000 Euro gefördert werden sollen – engagierte er den Schaustellerprofi Rolf Niehuesbernd aus Bad Schwartau. Der ist nun für das Programm verantwortlich. Unter dem Motto „Bad Oldesloe attraktiv und mobil“ soll mit diversen Buden bereits ab Freitag die Innenstadt belebt werden. Eigentlich sollte das Programm sehr lokal geprägt ausfallen. Von den zuvor in Aussicht gestellten Auftritten der lokalen Musikschule, Musikvereinen oder Tanzschulen lässt sich nichts mehr finden. Stattdessen sollen die „Sweet Voices“ und „Silver Shadow“ auftreten – zwei externe Bands, die zum Umfeld des Veranstalters gehören. „Es war zeitlich alles sehr knapp. Leider war es dann nicht möglich, lokale Vereine oder die Musikschule zu gewinnen. Das hatte ich mir auch anders vorgestellt“, bedauert Steglich. Zu 100 Prozent glücklich sei er damit nicht, aber das Zeitfenster sei „sehr, sehr eng“ gewesen. Außerdem liege die Programmgestaltung für die Bühne exklusiv bei Niehuesbernd. Das kleine Zeitfenster sei auch der Grund dafür, dass es kaum Werbung und keine genaueren öffentlichen Informationen gegeben habe. Steglich wertet es als positiv, dass es gelungen sei, überhaupt etwas auf die Beine zu stellen. „Ehrlich gesagt, hatte ich mir das alles etwas einfacher vorgestellt“, gibt er zu. Immerhin soll die Ausstellung verschiedener Autohäuser auf der Hude lokal geprägt werden.

„Generell begrüßen wir das ehrenamtliche Engagement von Herrn Steglich und den Kaufleuten. Dass es einen verkaufsoffenen Sonntag gibt, ist positiv“, sagt Agnes Heesch von der Oldesloer Stadtverwaltung: „Es ist allerdings nicht alles ganz so gelaufen, wie wir es gewohnt sind. Anfang der Woche lagen uns noch nicht alle Unterlagen vor, dementsprechend ist auch noch gar nicht alles genehmigt.“

Gestern gab es ein Krisengespräch zwischen Steglich, Niehuesbernd und der Stadtverwaltung. Als Ergebnis wurde vereinbart, dass die Aktivitäten am Freitag und Sonnabend gestrichen werden. Wenn überhaupt, werde es nur ein Sonntagsprogramm geben. Doch ob sich Rolf Niehuesbernd darauf einlässt und ob es genehmigungsfähig sein wird, ist noch fraglich. Eine Entscheidung wird im Laufe des heutigen Donnerstags erwartet. Agnes Heesch: „Wir fördern gerne die Kaufleute in der Stadt. Aber das Geld soll dazu dienen, das Image der Innenstadt aufzuwerten. Wenn die Gefahr besteht, dass eine Veranstaltung eher zu einem Imageschaden führt, muss man auch mal bereit sein, die Reißleine zu ziehen.“ Darüber hinaus könne die Verwaltung nicht bei externen Veranstaltern beide Augen zudrücke und Sachen genehmigen, die lokalen Anbietern zuvor untersagt worden seien.

„Wir haben uns unter unseren Mitgliedern umgehört. Sie sehen mehrheitlich einen solchen Einkaufssonntag als Imagemaßnahme“, erklärt Nicole Brandstetter von der Wirtschaftsvereinigung. Sie verweist darauf, dass zur Genehmigung von Sonntagsöffnung große Veranstaltungen eine zwingende Voraussetzung seien. „Diese sollte dann aber auch Qualität haben. Das zu organisieren ist sehr aufwendig. Daher hatten wir ja vorgeschlagen, sich an bestehende Veranstaltungen anzuhängen. So ist es ja mit dem Pflasterart-Straßenkünstlerfestival auch geplant. Das ist der richtige Weg“, so Brandstetter weiter.

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