Ahrensburg : Reise nach Oldesloe – zum Einbruch

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Die 42-jährige Angeklagte muss für ein Jahr und sechs Monate ins Gefängnis. Die Opfer leiden noch heute.

shz.de von
31. März 2017, 15:32 Uhr

„Ich hatte Stress mit meinem Mann und wollte mal raus“, sagt die Angeklagte vor dem Schöffengericht Ahrensburg aus. So sei sie mit einem Bekannten und einem weiteren Mann aus Düsseldorf weggefahren, mit Ziel Hamburg. Das Trio steuerte aber Bad Oldesloe an. Im Steinfelder Redder brachen sie die Terrassentür eines Einfamilienhauses auf und durchwühlten die Wohnung, während die Bewohner in Berlin weilten.

Nachbarn beobachteten in jener Nacht zum 2. Dezember den Einbruch und alarmierten die Polizei. Drei Streifenwagen rückten aus und konnten die 42-Jährige aus Kroatien in Tatortnähe festnehmen. Die beiden Männer entkamen.

Sie habe nichts von einem geplanten Einbruch gewusst, ihr Bekannter habe sie erst in Bad Oldesloe unter Druck zum Mitmachen bewegt, weil sie Geld schuldete: „Sonst hätte ich Probleme bekommen“, sagt die Angeklagte. Den Namen ihres Mittäters will sie nicht nennen, den dritten habe sie nicht gekannt. Sie habe Angst.

„Wir sind durch die Geräusche aufgewacht“, berichtet eine Nachbarin als Zeugin, „durch das Licht der Straßenlaterne konnte ich die Einbrecher sehen.“ Später hatte sie beobachtet, wie die Einbrecher mit Taschenlampen Räume durchsuchten.

Wie auch ihre Nachbarin habe sie seelische Schäden und Schlafstörungen davongetragen und viel Geld in Sicherheitstechnik investiert.

„Der Anblick bei meiner Rückkehr war ein Albtraum“, so schildert es das Einbruchsopfer. Eine Terrassentür war total zerstört und aus der Wand gebrochen. „Selbst die Urne von meinem Hund wurde durchwühlt.“ Gestohlen wurde letztlich nur eine Parfümflasche. Sie glaubt, dass sie am Vortag ausgespäht wurde: „Mein Hund war so unruhig, wir wurden da schon durch die Hecke beobachtet.“ Bis heute nimmt sie psychologische Hilfe in Anspruch, hat immer noch Panikattacken und Angstzustände.

Es ist nicht der erste Einbruch, bei dem die 42-jährige Angeklagte dabei war. Mit einer weiteren Frau und einem Mann war sie vor neun Jahren in ein Haus in Wuppertal eingebrochen. Ein Nachbar beobachtete das, alarmierte die Polizei und nahm selbst die Verfolgung auf, ebenso wie die Polizei. Mit überhöhter Geschwindigkeit lenkte die Angeklagte, die kaum Fahrpraxis hatte, den Fluchtwagen.Dabei geriet sie auf die Gegenfahrbahn und prallte mit dem Auto einer 28-Jährigen zusammen. Die junge Frau wurde schwer verletzt und starb auf dem Weg ins Krankenhaus, auch die Angeklagte wurde damals schwer verletzt. Zwei Jahre und drei Monate Haft verhängte das Amtsgericht Wuppertal für Einbruch und fahrlässige Tötung, anderthalb Jahre verbrachte die 42-Jährige in Haft.

Vor Gericht entschuldigt sie sich beim Einbruchsopfer, will den Schaden wieder gutmachen. 650 Euro hat sie gespart, die ihr Anwalt übergibt. Während der Plädoyers weint sie. Die Staatsanwältin mag ihr nicht recht glauben: „Es ist nicht plausibel, dass sie so massiv bedroht und so zum Mitmachen bewegt wur-den.“ Vielmehr gehe sie von einem gezielten Diebstahl aus, der möglicherweise durch Ausspionieren am Vortag vorbereitet wurde. Die Angeklagte sei einschlägig vorbestraft und habe wenig zur Aufklärung beigetragen, die psychischen Folgen für das Opfer erheblich. Sie fordert ein Jahr und sechs Mo-nate Freiheitsstrafe. Dafür entscheidet sich dann auch das Gericht. „Bad Oldesloe wurde zielorientiert als Tatort ausgesucht“, sagt der Vorsitzende Richter. Auch er verweist auf die psychischen Folgen für Einbruchsopfer: „Das ist das Hauptproblem dabei.“ Das sei auch der Grund für den Plan der Gesetzgeber, die Mindeststrafe von sechs Monaten auf ein Jahr Haft zu erhöhen. Zwar sei die Angeklagte nicht die treibende Kraft der professionell agierenden Einbrecher gewesen, sie habe sich aber nicht aus deren Umfeld gelöst. „Mit dem Urteil machen wir deutlich, welches Leid sie anderen zufügten.“


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