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Schätze aus dem Archiv : Reise durch 150 Jahre Stormarn

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Einblicke in die Erfolgsgeschichte eines Kreises: Das Kreisarchiv Stormarn veröffentlicht eine Broschüre zum Jubiläum 2017.

„150 Jahre Kreis Stormarn“ – Zum Jubiläum im nächsten Jahr hat das Kreisarchiv eine Broschüre über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Kreises veröffentlicht. Auf 73 Seiten wird die Entwicklung von einer landwirtschaftlich geprägten Region zum wirtschaftsstarken Standort in der Metropolregion Hamburg beschrieben.

„Stormarn kann trotz mancher Einschnitte auf eine 150-jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken“, heißt es im Vorwort von Landrat Henning Görtz und Kreispräsident Hans-Werner Harmuth. Barbara Günther, Dr. Karin Gröwer und Prof. Dr. Norbert Fischer haben die Texte für die zweisprachigen Broschüre (Deutsch und Englisch) verfasst.

Die Zeitreise durch 150 Jahre und der Blick in die Zukunft werden durch zahlreiche Bilder illustriert. Die Kapitel heißen „Wachstum, Entwicklung und Mobilität“, „Bildung, Medien und Gesellschaft“, „Natur, Landschaft und Erholung“ sowie „Die Zukunft meistern“.

Die Reise beginnt 1867, als aus den dänischen Herzogtümern die preußische Provinz Schleswig-Holstein entstand, die in Landkreise aufgeteilt wurde. Die Region zwischen Hamburg und Lübeck bekam den seit dem Mittelalter bekannten historischen Namen „Stormarn“. In den Dörfern wurde noch eine traditionelle Landwirtschaft ohne große Maschinen betrieben. Daneben boten das Handwerk und das Kleingewerbe Beschäftigung.

Die Kreisverwaltung wurde bereits 1873 vom Schloss Reinbek nach Wandsbek verlegt. 1907 beschloss der Kreis den Bau einer eigenen Bahnstrecke. Die Südstormarnsche Kreisbahn zwischen Trittau und Tiefstack verband den Südosten des Kreises mit Hamburg. Überregionale Waren und Rohstoffe gelangten so schneller nach Stormarn, und die Einwohner wurden mobiler.

Die Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren mit großer Arbeitslosigkeit führte zu politischer Instabilität. 1933 kam die NSDAP an die Macht. Das „Führersystem“ schränkte Landrat und Kreisgremien in ihren eigenen Entscheidungen stark ein. Durch das Groß-Hamburg-Gesetz verlor Stormarn 1937 mehr als die Hälfte seiner 130  000 Einwohner und einen großen Teil seines Gebiets – die gewerblich geprägten Gemeinden im Hamburger Nordosten.

1934 bis 1937 wurde die Autobahn Hamburg - Lübeck gebaut. Und es wurden gleichzeitig Rüstungsbetriebe angesiedelt; die „Feuerwerkerei“ in Trittau oder das Kurbelwellenwerk Glinde, mit 6000 Arbeitskräften immer noch der größte jemals in Stormarn produzierende Betrieb. Nach dem Kriegsausbruch 1939 wurden viele Betriebe auf die Produktion von Rüstungsgütern um gestellt. In Ahrensburg wurden sogar Torpedos für die Marine produziert.

Das Ende des Zweiten Weltkriegs brachte neue Herausforderungen. Stormarn gehörte zu den Kreisen mit dem höchsten Flüchtlingsaufkommen. Neben den „Butenhamborgern“, die nach den verheerenden Bombenangriffen auf Hamburg 1943 nach Stormarn gekommen waren, suchten Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten hier Zuflucht.

Noch Anfang der 1950er Jahre lag ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung zwischen 50 und 55 Prozent. Der Zustrom verschärfte die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und infrastrukturellen Probleme des Kreises erheblich. Neben der Versorgung mit Lebensmitteln und Bekleidung mussten vor allem Wohnraum und Arbeitsplätze geschaffen werden.

Das Stormarnhaus in Wandsbek war bei einem Bombenangriff komplett zerstört worden. 1949 wurde Bad Oldesloe zur neuen Kreisstadt und zum Sitz der Kreisverwaltung ernannt. Die länderübergreifende Regionalplanung des 1928 gegründeten Hamburgisch-Preußischen Landesplanungsausschusses wurde wieder aufgenommen und
erwies sich als Wegbereiter einer modernen Region. 1957 wurde die Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn mbH (WAS) gegründeten, die erste Wirtschaftsfördergesellschaft in Deutschland.

In den folgenden Jahrzehnten veränderte der Kreis rasant seine soziale Struktur. Begünstigt durch die Nähe zur Industrie- und Handelsmetropole Hamburg entwickelte sich Stormarn zu einem der bedeutendsten gewerblich-industriellen Räume Schleswig-Holsteins.

Obwohl Stormarn 1970 mit Gründung der Stadt Norderstedt seine ersten und größten Gewerbegebiete verlor, ist der Kreis heute einer der wirtschaftsstärksten in Deutschland und begehrte Wohnregion zwischen Hamburg und Lübeck. Mit nur 766 Quadratkilometern ist Stormarn zweitkleinster Kreis im Land, bei der Einwohnerzahl liegt er mit rund 240  000 Menschen an vierte Stelle.

Den Blick in die Zukunft wagt Landrat Dr. Henning Görtz. Zu den kommenden Herausforderungen zählt er überbelastete Verkehrswege und die angesichts des Bevölkerungswachstums zu geringe Zahl von Wohnungen. Und eine der Hauptaufgaben bleibe es, die Landesplanung zu überzeugen, dass die Dynamik in der Metropolregion Hamburg eine besondere ist. „Die Herausforderungen der Zukunft meistert man am besten, wenn man die Erfahrungen der Vergangenheit im Blick hat“, so Görtz. Die Erfolge, von denen man heute zehre, seien nicht vom Himmel gefallen, „sondern das Ergebnis einer harten gemeinsamen konsensorientierten Arbeit – dem Stormarner Modell.“

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erstellt am 07.Dez.2016 | 11:34 Uhr

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