Reinfelds Wappentier ist Natur pur

Annegret und Alfred Wenskus sind gut vorbereitet auf Karpfenprobe, Karpfenfest und Karpfensaison.
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Annegret und Alfred Wenskus sind gut vorbereitet auf Karpfenprobe, Karpfenfest und Karpfensaison.

Teichwirt Alfred Wenskus lässt den Schulteich ab / Neues Kochbuch mit 100 Karpfenrezepten/ Karpfenfilet liegen im Trend

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06. September 2011, 08:29 Uhr

Reinfeld | Im Reinfelder Fischhaus herrscht vor dem Karpfenfest Hochbetrieb. Teichwirt Alfred Wenskus und seine Frau Annegret haben alle Hände voll zu tun. Ständig klingelt das Telefon, und der Teichwirt nimmt Bestellungen an. Der Reinfelder Martin Huss, Koch im Hotel Waldesruh im Sachsenwald, begrüßt ihn mit einem freundschaftlichen Schulterklopfen und holt mal schnell zehn frisch geräucherte Forellen ab. So geht es hier zu wie im Taubenschlag. "Das ist natürlich sehr gut fürs Geschäft, aber wir sind jetzt wirklich am Arbeitslimit", sagt der sympathische Reinfelder und hilft seiner Kollegin Nina Schaufuß beim Ausnehmen der Fische. Zwischendurch säubert er mal schnell einen Fischbehälter, bevor er zu den Hältern nebenan geht, um nach "seinen" Karpfen zu schauen.

Das macht er mehrmals am Tag, denn pünktlich zur Eröffnung der Karpfensaison sollen die ersten frischen Karpfen ja auch verkauft werden. Zehn Tage schwimmen die Spiegelkarpfen in den mit Leitungswassern gefüllten Bassins, damit sie nicht so moderig "nach Herrenteich" schmecken. "In den Hältern befinden sich genug Karpfen für die Karpfenprobe und das Karpfenfest", weiß er. Und natürlich auch für die vielen Vorbestellungen der Gaststätten. Da hat der erfahrene Teichwirt natürlich längst vorgesorgt.

Überall dort, wo das Reinfelder Wappentier frisch auf den Tisch kommt, soll bald das Gütezeichen der Landwirtschaftskammer mit der Aufschrift "Holsteiner Karpfen frisch auf den Tisch" hängen. Zu seinen Kunden zählen nicht nur die Reinfelder Gaststätten, sondern auch das Hotel Waldesruh und die Strengliner Mühle bei Pronstorf. Darauf ist er stolz, denn seitdem er die Teichwirtschaft vor einigen Jahren übernommen hat, floriert nicht nur das Geschäft mit dem "Karpfen blau", sondern auch mit Eigenkreationen des Teichwirts. Da werden Karpfenchips, Karpfen in Aspik (lecker mit Bratkartoffeln), geräucherter Karpfen, die Karpfenbratwurst mit neuer Rezeptur und Karpfenfilets in sämtlichen Variationen serviert - diese Köstlichkeiten nach eigener Rezeptur werden natürlich auch auf dem Karpfenfest vom 9. bis 11. September am Fischhaus angeboten. Seitdem es den Karpfen filetiert gibt, ist er der neue Renner unter den Fischspezialitäten. "Dabei haben mich am Anfang alle ausgelacht, als ich den Karpfen als Filet anbieten wollte", schmunzelt er. Der Teichwirt freut sich: "So erhält unser Wappentier ein neues Ansehen". Ein Räucherofen für Aale, Hechte, Karpfen und Forellen steht für seine Kunden bereit.

"Anregungen zu immer neuen Karpfenkreationen gibt es in einem Kochbuch aus der Oberpfalz, das ich pünktlich zum Karpfenfest im Fischhaus anbieten werde", sagt Wenskus. Die Fischer waren bei ihm zu Besuch und brachten das interessante Kochbuch mit: "Ein ideales Geschenk mit 100 Rezepten und Wissenswertes rund um unseren Karpfen".

Alfred Wenskus, von allen Reinfeldern liebevoll "Ali" genannt, kontrolliert in diesen Tagen den Wasserstand des Schulteichs, der beim Karpfenfest am Sonntag ab 11 Uhr abgefischt werden soll. Immer wieder steigt er zum Mönch (Ablaufbauwerk) hinunter und zieht ein weiteres Brett aus dem Wehr. So fließt das Wasser kontinuierlich in die Mühlenau ab. Pünktlich zum Fest schwimmen die Karpfen dann im flachen Wasser und können mit Keschern abgefischt werden. "Ali" ist sich sicher, dass die Fische des Schulteiches für den ersten Ansturm der Saison ausreichen. Danach folgen der Schwarze am 16. Oktober der Herrenteich und zum Schluss der Messingschläger Teich. Das muss dann schnell gehen, weil laut Naturschutzgesetz am 1. November der Herrenteich wieder vollgelaufen sein soll. "Außerdem fischt der Fischer aus Heilshoop am ersten November ab, da muss das Wasser wieder da sein", erklärt er.

Wichtig ist ihm die Teichpflege. Alle Reinfelder Teiche, bis auf den Herrenteich, werden nach dem Abfischen erst einmal für zwei Monate trocken gelegt, damit sich keine Parasiten bilden und der Bodenschlamm durchlüftet werden kann. Nicht aber der Herrenteich. Der Teichwirt hat Bedenken, dass durch diese Regelung die Fische in naher Zukunft vielleicht zu wenig Sauerstoff bekommen. Er setzt die Mini-Karpfen (600 bis 1000 Gramm) im Frühjahr in die Teiche - ein Teil eigene, ein Teil bayerische Karpfen - so dass sie bis zur Eröffnung der Saison gut wachsen und ein festes, schmackhaftes Fleisch entwickeln können. "Wir füttern nur dann zu, wenn der Teich keine natürliche Nahrung mehr bietet - und dann nur reines Getreide", betont Wenskus. Die Karpfen seien "Natur pur". Daher, so ist er sich sicher, könne man den Spiegelkarpfen durchaus als "Biofisch" bezeichnen.

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