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Reinfeld vor einer heißen Sitzung: Ja oder Nein zum Erotik-Center

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Heikles Thema: Stadt berät über Bauantrag für einen FKK-Saunaclub mit Wellness-Hotel im Gewerbegebiet an der A 1

shz.de von
erstellt am 02.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Reinfeld | Wird Reinfelds Gewerbegebiet bald zur sündigen Meile? Fünf Spielhallen, darunter ein größeres Casino, haben sich dort bereits angesiedelt. Jetzt liegt der Stadtverwaltung ein Bauantrag für einen FKK-SaunaClub mit "bordellartigem Charakter" inklusive Wellness-Hotel vor.

Mit diesem brisanten Thema werden sich die Politiker nach der langen Sommerpause in der ersten Sitzung des Bauausschusses beschäftigen müssen, die am Dienstag, 6. August, um 19.30 Uhr im Rathaus anberaumt ist. Die Betreiber haben für ihr Etablissement eine verkehrsgünstige Lage im Blick. Das Gewerbegebiet einen Steinwurf von der A 1. Direkt hinter dem Markant- und dem Aldi-Markt gelegen grenzt das avisierte Grundstück an der Barnitzer Straße 2 an das Wohngebiet Krögerkoppel, dessen Bewohner die Pläne des Antragstellers kaum begeistern dürfte.

Dort soll ein viergeschossiges Gebäude mit fast 1 000 Quadratmetern Grundfläche entstehen, in dem ein so genannter "FKK-Sauna-Club" eingerichtet werden soll. Laut Antrag werden dort "kostenpflichtige Erotik-Dienstleistungen an Dritte" erbracht. Ausgestattet mit Pool, diversen "Ruheräumen", Saunen, einer Bar, Massageraum und einem VIP-Bereich soll das neue Erotik-Center an der Autobahn Gäste aus Nah und Fern anlocken.

Anscheinend ein lukratives Geschäft für die Betreiber. Von 11 bis 4 Uhr soll der FKK-Sauna-Club geöffnet haben. Im dritten und vierten Obergeschoss ist ein Wellness-Hotel mit 32 Zimmern vorgesehen. "Männliche und weibliche Personen entrichten zur Nutzung der Räumlichkeiten entsprechendes Eintrittsgeld" heißt es im Antrag. 46 Parkplätze sollen am geplanten Gebäude direkt an der kleinen Stichstraße hinter McDonalds entstehen. Zukünftig sollen in dem "Freudenhaus" fast 30 Angestellte arbeiten.

"Wir müssen jetzt abwarten, wie die Mehrheiten sich bilden", sagt Reinfelds Bauamtsleiter Stephan Kruse. Er vermutet, dass die ausgesprochen verkehrsgünstige Lage den Betreibern gutes Geschäfte verspricht. Bestes Beispiel dafür sei das Casinoim Reinfelder Gewerbegebiet. "Das merken wir an unseren Gewerbeeinnahmen", erläutert Kruse. Bei dem FKK-Sauna-Club handele es sich eindeutig um eine "Vergnügungsstätte", die nur "ausnahmsweise" zulässig sei. Stephan Kruse schlägt in seiner Beschlussvorlage dem Bauausschuss drei Entscheidungsmöglichkeiten für die Sitzung am kommenden Dienstag vor. Zu beurteilen seien nicht nur die wirtschaftlichen, sondern auch die rechtlichen und moralischen Gesichtspunkte.

Variante 1: Der Ausschuss entscheidet sich für den Bau eines Erotik-Clubs im Gewerbegebiet an der Autobahn mit der Begründung, dass ein "bordellähnlicher Betrieb" eine so genannte "kerngebietstypische Vergnügungsstätte" ist. Da Reinfeld kein Kerngebiet ausgewiesen hat, ist eine Ausnahme-Genehmigung für Gewerbegebieten erlaubt.

Variante 2: Die Stadt entscheidet sich gegen den Sauna-Puff, weil es im Gewerbegebiet schon fünf Spiel betriebe gibt und das zu einer "unzulässigen" Anhäufung von Vergnügungsstätten führen könnte. Diese Möglichkeit sei jedoch schwierig durchzusetzen, da sich das besagte Grundstück rechtlich zwar im Geltungsbereich des Bebauungsplans 15 b, tatsächlich aber in 15 c befinde. In 15c gibt es zurzeit keine Vergnügungsstätten.

Variante 3: Der Bauausschuss empfiehlt dem Ausschuss für Stadtentwicklung, Wirtschaft Verkehr, den B-Plan 15 b so zu ändern, dass die Zulässigkeit von Vergnügungsstätten im Gewerbegebiet dauerhaft geregelt ist. Dadurch könnte das Vorhaben für ein Jahr auf Eis gelegt werden.

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