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Spektakel in Reinfeld : Reichlich Ernte beim Abfischen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Großes Spektakel in Reinfeld: Alfred Wenskus lässt den Herrenteich ab. Trotz Wetterproblemen haben sich die Karpfen gut entwickelt

Lange bevor die ersten Schaulustigen an Fischhaus und Herrenteich einen ersten Blick auf das Abfischen werfen, sind Teichwirt Alfred Wenskus, kurz „Ali“ genannt, und sein 20-köpfiges Team bereits vor Ort. Ali prüft mit kritischem Blick, ob der Herrenteich genügend abgelaufen ist. Und das ist er, denn die Karpfen sammeln sich vor dem Mönch, von wo aus sie weiter in den Fließkanal des Fischhauses schwimmen, um dort mit Zugnetzen eingefangen und anschließend auf dem großen Holztisch sortiert zu werden.

„Da sind ja ganz schöne Lümmel dazwischen“, freut sich Wenskus. Jedes Mal sei es wieder eine Überraschung, wie die Karpfen sich entwickelt hätten. Trotz des viel zu kalten Frühjahrs und des heißen Sommers mit weniger Sauerstoff hätten sich die Karpfen prächtig gemacht. Die letzten Herbstwochen mit nur wenig Niederschlag hätten dazu beigetragen, dass das Wasser rechtzeitig und gleichmäßig abfließen konnte.

„Wir sind schon seit sieben Uhr auf den Beinen“, sagt Mirco Lippardt, der bereits seit er „laufen kann“ beim Abfischen mithilft. Auch sein Sohn Niclas packt kräftig mit an. „Das macht riesigen Spaß, ich bin auch schon mehrere Jahre dabei“, erzählt der 13-Jährige. Altbekannte Gesichter sieht man beim Keschern und Sortieren der Fische. Nicht nur den berühmten Spiegelkarpfen ziehen die mit Fischerhose und Gummistiefeln vor Spritzwasser und Modder geschützten Männer aus dem Herrenteich sondern auch Schleie, Weißfische, Barsche, Hechte und sogar Flusskrebse. „Das ist ein europäischer Flusskrebs“, erklärt Mirco Lippardt und hält ein Prachtexemplar hoch. Ein eindeutiges Zeichen für die besonders gute Wasserqualität der Reinfelder Teiche. Die Männer haben alle Hände voll zu tun, um die Fische so schnell wie möglich in die dafür vorgesehen Behälter zu werfen, denn im Minutentakt wird der Fang aus dem Fließkanal gefischt und auf dem Sortiertisch ausgekippt. Anschließend werden die Karpfen in Bottichen mit einem speziellen Förderband nach oben zum Kleintransporter befördert. Den Schrägaufzug bedient Alfred Leschert (74), der seit 35 Jahren beim Abfischen dabei ist. Ehrensache für den Reinfelder, der schon unter dem ehemaligen Teichwirt Ludwig Harburg mithalf.

„Die Karpfen kommen jetzt gleich in die Hälterbecken, um sich auszuschwimmen“, erklärt Teichwirts-Tochter Emelie Wenskus, die gemeinsam mit ihrer Schwester Karolin und ihrem Bruder Stephan tatkräftig mit anpackt. Wenn es zu viele Karpfen sind, müssen die beiden angrenzenden Teiche als Reserve dienen. Für die Hechte und Barsche steht ein LKW aus der bayerischen Stadt Tirschenreuth bereit. „Die Bayern bringen uns im Winter den Karpfenbesatz, wir beliefern sie im Gegenzug mit Barschen und Hechten“, erklärt Emelie.

Neu im Abfisch-Team ist Jürgen Schlöhe. Er hat die Aufgabe, die drei bis vier Kilo schweren Spiegelkarpfen vom Tisch in die Bottiche zu hieven. „Ganz schön schmierig und glitschig“, meint er. Aber es mache viel Spaß.

Fachsimpeln und eine gute Prise Fischer-Humor gehörten natürlich auch dazu, sagt Mirco Lippardt. Nicht nur der Spiegelkarpfen würde gut schmecken, weiß Schlöhe, der Graskarpfen sei sehr zart und schmecke fast wie Rindfleisch.

Immer leerer wird der Herrenteich im Laufe der nächsten Stunden. Nur noch vereinzelt sind die Karpfenrücken vor dem Mönch zu erkennen. Die Fische verhalten sich ruhig, um Energie zu sparen. Stephan Wenskus steigt ins seichte Wasser, holt sich die am Ufer liegen gebliebenen Karpfen und wirft sie mit Schwung zurück ins tiefere Wasser, damit sie mit durch den Mönch schwimmen können – „Fliegende Karpfen“ aus dem Herrenteich.


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