Effektiver Wildschutz : Rehkitz-Rettung mit dem fliegenden Auge

Das Ziel: Rehkitze sollen vor dem sicheren Tod durch ein Mähwerk bewahrt werden.
Das Ziel: Rehkitze sollen vor dem sicheren Tod durch ein Mähwerk bewahrt werden.

Zum Schutz der Tiere: Neben Drohnen werden Mähflächen im Vorwege auch mit Jagdhunden abgesucht.

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03. Juni 2020, 13:58 Uhr

Basthorst | Durch Drohnen mit Wärmebildkamera können Rehkitze in hohen Wiesen ausfindig gemacht und gerettet werden, bevor der Landwirt mit dem Mähwerk kommt. Reporter Peter Wüst war in Basthorst mit seiner Drohne dabei.

Rehkitze leben und verstecken sich im hohen Gras der Felder und Wiesen”, sagt Landwirt Christoph Stamer von der Bauerngemeinschaft Hamfelder Hof. Im Frühjahr ist das Problem besonders groß. Um Futter und Silage für das Vieh zu beschaffen, betreibt der Landwirt zwölf Hektar Dauergrünland in der Nähe des Gutes Basthorst. Jetzt ist die Frühjahrsmahd fällig, zusammen mit der Brut- und Setzzeit vieler Wildtiere, die in Wiesen und Grünroggen ihren Nachwuchs sicher wähnen.

Das Ducken und Tarnen schützt zwar vor dem Fuchs, nicht aber vor dem Kreiselmäher oder dem Mähbalken. Christoph Stamer, Landwirt

 

„Mein Mähwerk ist sechs Meter breit und ich fahre deshalb mit reduzierter Geschwindigkeit von 10 km/h über das Grünland. Doch wenn ich ein Kitz entdecke, ist es meistens schon zu spät. Rehkitze springen beim Herannahen eines lauten Traktors nicht auf und fliehen, sondern bleiben liegen und verstecken sich noch tiefer im Gras.”

Dieses Feld wurde mit der Drohne abgeflogen, um mit einer Wärmebildkamera eventuelle im Gras versteckte Rehkitze aufzuspüren.
Peter Wüst/rtn
Dieses Feld wurde mit der Drohne abgeflogen, um mit einer Wärmebildkamera eventuelle im Gras versteckte Rehkitze aufzuspüren.
 

Deshalb hat der umsichtige Landwirt vor der anstehenden Mahd Drohnenpilot Thomas Reinecke von der Hamburger Firma UCTV mit einer Flugüberwachung beauftragt. Assistiert wurde er vom Barsbütteler Unternehmen Quastorf und Kagemann sowie Seniorchef Wolfgang Kagemann und einem Jungjäger aus dem Bereich. Bei der Suchaktion wurde kein Rehkitz entdeckt, dafür aber Feldhasen, die beim Annähern der Drohne sofort die Flucht ergriffen.

Die Drohne ist mit einer Wärmebildkamera ausgestattet.
Peter Wüst/rtn
Die Drohne ist mit einer Wärmebildkamera ausgestattet.
 

Effektiver Wildtierschutz beginnt jetzt kurz vor und während der Mahd. Darauf machen der Bundesverband Lohnunternehmen (BLU), der Bundesverband der Maschinenringe (BMR), der Deutsche Bauernverband (DBV) und der Deutsche Jagdverband (DJV) aufmerksam, schreibt die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Denn auch in Corona-Zeiten kommt es bei der Mahd von Grünland oder Energiepflanzen wie Grünroggen auf die Kitzrettung an.   

Vorbereitung auf den Drohnenflug.
Peter Wüst/rtn
Vorbereitung auf den Drohnenflug.
 

Die Frühjahrsmahd fällt mit der Brut- und Setzzeit vieler Wildtiere zusammen, die in Wiesen und Grünroggen ihren Nachwuchs sicher wähnen. Die Verbände empfehlen Landwirten, den Mähtermin mindestens 24 Stunden vorher mit dem Jagdpächter abzusprechen oder selbst erforderliche Maßnahmen für den Schutz von Wildtieren durchzuführen. Entscheidend ist, die anstehenden Grünschnitt-Termine – für Silage als Futtermittel oder zur Biomasseproduktion – rechtzeitig mit dem Jagdpächter abzustimmen und die Mähweise dem Tierverhalten anzupassen.

Aktiver Wildschutz: Thomas Reinecke, „Steuermann“ Wolfgang Kagemann und Christoph Stamer lassen die Wiese von eineer Drohne überfliegen. Fotos: radio tele nord
Peter Wüst/rtn
Aktiver Wildschutz: Thomas Reinecke, „Steuermann“ Wolfgang Kagemann und Christoph Stamer lassen die Wiese von eineer Drohne überfliegen.
 

Die Verbände empfehlen, das Grünland grundsätzlich von innen nach außen zu mähen. Das ermöglicht Rehen, Feldhasen oder Fasanen während der Mahd die Möglichkeit zur Flucht. Bei der Ernte der Ganzpflanzensilage verspricht die Begrenzung der Schnitthöhe auf etwa 15 bis 20 Zentimeter in der kritischen Aufzuchtzeit zusätzlichen Erfolg – gerade bei Rehkitzen, die sich instinktiv ducken, oder auch bei Bodenbrütern.

Bewährte Maßnahmen

Vor dem eigentlichen Mähtermin haben sich verschiedene Maßnahmen in der Vergangenheit bewährt, um Tierleben zu schützen. Dazu gehören auch – in Corona-Zeiten mit dem gebotenen Sicherheitsabstand zum Mitstreiter – etwa das Absuchen der Wiesen mit Jagdhunden. „Knistertüten“, Flatterbänder oder auch Kofferradios, die bereits am Vorabend aufgestellt werden, sind ebenfalls effektiv und zudem noch kostengünstig: Rehe zum Beispiel sind beunruhigt und bringen ihren Nachwuchs schnell in Sicherheit. Auch elektronische Wildscheuchen, die unterschiedliche Töne wie Menschenstimmen, klassische Musik oder Motorengeräusche aussenden, haben sich im Praxiseinsatz bewährt. Pro Hektar wirkt bereits eine Maßnahme zur Vertreibung, haben Experten herausgefunden.


 

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