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Trittau : Regulierungswut macht kleinen Banken zu schaffen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Trotz Rekordergebnis will die Raiffeisenbank Südstormarn Mölln fusionieren. Andere Institute versuchen es allein.

von
erstellt am 22.Jan.2016 | 06:00 Uhr

Mit dem Jahresergebnis der Raiffeisenbank Südstormarn Mölln eG sind Carsten-Peter Feddersen und Kai Schubert überaus zufrieden. Sorgen bereitet den den Vorständen aber die „fürchterliche Bürokratie und überbordende Regulierung“ durch die EU. „Das hat die deutsche Kreditwirtschaft im vergangenen Jahr zehn Milliarden Euro gekostet“, sagt Schubert.

Und ein Ende sei nicht abzusehen, Als nächstes tritt die europäische Wohnimmobilien-Kreditrichtline in Kraft. „Das sind alles keine qualitativen Erhebungen, sondern es werden einfach mehr Kennzahlen abgefragt, auch solche, die im deutschen Bankenwesen bisher völlig unbekannt waren“, ärgern sich die Vorstände, dass Genossenschaftsbanken und Sparkassen mit international agierenden Konzernen über einen Kamm geschoren werden. „Dabei waren es die kleinen regionalen Banken, die nach der Krise 2008 dafür gesorgt haben, dass noch Kredite zur Verfügung gestellt werden“, so Feddersen.

Dass die Menschen eher den regionalen Instituten vertrauen, lässt sich auch an den Rekordzahlen der Raiffeisenbank Südstormarn Mölln ablesen. Im vergangenen Jahr stieg die Bilanzsumme um acht Prozent auf 670 Millionen Euro, das Kreditgeschäft legte noch etwas stärker auf 385 Millionen zu, und trotz Niedrigzinsen stiegen auch die Einlagen um 6,3 Prozent auf 454 Millionen Euro.

„Wir sind besonders stolz auf das Kreditgeschäft, denn damit tragen wir zum Erhalt und zur Schaffung von Arbeitsplätzen bei. Weitere Kredite für Wohnungsbau über 35 Millionen Euro wurden an Hypothekenbanken vermittelt. Mit dem Betriebsergebnis, dass sich mit 6,5 Millionen auf Vorjahresniveau bewegt, sind Feddersen und Schubert „angesichts des schwierigen Umfelds sehr zufrieden.“

Neben den Bürokratiekosten verhageln vor allem die Niedrigzinsen die Bilanz der Banken. Zudem verlangt die fortschreitende Digitalisierung zusätzliche Investitionen in Technik und Personal. Weil man den „Megatrends“ nicht entkommen kann, will die Raiffeisenbank Südstormarn Mölln mit der Volksbank Lübeck zur Volksbank Südholstein fusionieren. Der Vertrag ist unterschrieben, die Gesellschafter müssen einer rückwirkenden Fusion zum 1. Januar 2016 allerdings noch zustimmen.

Beide Häuser sind etwa gleich groß. Mit 330 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von 1,4 Milliarden Euro würde die drittgrößte Genossenschaftsbank in Schleswig-Holstein entstehen. Das Geschäftsgebiet erstreckt sich von Travemünde bis Zarrenthin und von Oststeinbek bis Mölln. Da es keine Überschneidungen gibt, sollen auch keine Geschäftsstellen geschlossen werden, und „betriebsbedingte Kündigungen wird es auch nicht geben“, so Feddersen.

Die Volksbank Stormarn war 2003 aus der Volksbank Bergedorf und der Raiffeisenbank Oldesloe entstanden. Mit einer Bilanzsumme von 570 Millionen Euro ist man ähnlich groß wie die Raiffeisenbank Südstormarn Mölln. Aktuelle Pläne für eine Fusion gibt es nicht, auch wenn die Vorstände Kay Schäding und Holger Wrobel ähnlich kritische Anmerkungen zur Nullzinspolitik und zur „unaufhörlichen Regulierungswut aus Brüssel und Berlin“ machen.

Noch kleiner ist mit einer Bilanzsumme von knapp 200 Millionen Euro (2014) die Raiffeisenbank Bargteheide, die neben der Hauptstelle und dem Immobilienzentrum in Bargteheide Geschäftsstellen in Bargfeld-Stegen und Mollhagen hat. Nach der Südstormarn-Lübeck Fusion wird sie „die letzte Raiffeisenbank in Stormarn“ sein, so Vorstand Stefan Lohmeier. Er sieht aktuell keine Notwendigkeit zu einer Fusion. „Wir bewegen uns in einem dynamischen Geschäftsfeld und haben gute Zukunftsaussichten. Am Ende entscheidet immer der Kunde, mit wem er Geschäfte macht.“

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