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Stormarner Tageblatt

23. Oktober 2017 | 10:22 Uhr

Ahrensburg : Rechtsstreit endet mit Vergleich

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Andres kontra Sarach: Die Stadt Ahrensburg muss die Stellenausschreibung für die Bauamtsleitung stoppen.

Der Rechtsstreit zwischen der früheren Ahrensburger Bauamtsleiterin Angelika Andres und Verwaltungschef Michael Sarach wurde Dienstag vor dem in Lübeck tagenden Verwaltungsgericht Schleswig mit einem Vergleich beendet. Allerdings mit unangenehmen Folgen für die Stadt: Das Ausschreibungsverfahren für die Leitung des Bauamtes (es gab acht Bewerbungen) muss sofort beendet und neu gestartet werden.

Damit hätte Angelika Andres theoretisch die Chance, sich erneut um diese Leitungsfunktion zu bewerben. Die studierte Architektin war von Bürgermeister Michael Sarach im vergangenen Jahr vom Bauamt in den neu geschaffenen Bereich „Stadtmarketing/Stadtentwicklung“ umgesetzt worden und hatte sich im Rahmen der jetzt gestoppten Ausschreibung wieder für die Leitung beworben. Einen Tag vor dem Bewerbungsgespräch hatte der Bürgermeister sie aber wieder ausgeladen.

Der Vorsitzende Richter Helmut Meerjanssen ließ schnell durchblicken, dass eine Klärung in der Sache auch ohne Gerichtsverhandlung möglich gewesen wäre, „eine Mediation hätte vermutlich geholfen“, kritisierte er zugleich das Verhalten des Bürgermeisters. Sarach hatte mit dem Anwalt von Angelika Andres nach deren Widerspruch gegen die Versetzung ein „Gentleman Agreement“ in Erwägung gezogen, sich dann aber nicht mehr gemeldet.

Sarach, der zusammen mit Stadtjustiziar Thomas Reich vor Gericht erschienen war, räumte diesen Fehler ein und nannte mangelnde Zeit und den Bürgermeister-Wahlkampf als Gründe. Mehrfach betonte Michael Sarach, dass er die Qualifikation von Angelika Andres schätze und nichts Persönliches gegen sie habe – ein Satz, bei dem die frühere Bauamtsleiterin lachen musste. „Ich muss alles mit dem Bürgermeister abstimmen, ich mache beim Stadtmarketing Sekretärinnenarbeit, ich werde wie ein Schulmädchen behandelt“, schilderte sie ihre jetzige Situation. Bei Sitzungen der Stadtverordneten oder des Bauausschusses sei sie wiederholt daran gehindert worden, ihre Pläne und Vorstellungen zu erörtern. Ein Vorwurf, dem Sarach deutlich widersprach.

Die Schieflage zwischen ihr und dem Bürgermeister sei nach einer Missbilligung durch Sarach im Jahr 2012 entstanden, sagte Andres. Damals hatte sie eine Bauakte ohne Absprache veröffentlicht. Eine maßgebliche Rolle für die Versetzung habe, so Sarach, auch eine anonyme Umfrage unter Mitarbeitern gespielt, die angeblich mit dem Führungsstil der Beamtin nicht einverstanden waren. Diese „Umfrage“ wurde vom Anwalt der Klägerin, Dr. Mischa Färber, als „nicht verwertbar, weil nicht ordnungsgemäß durchgeführt“ bewertet. 31 von 60 Fragebögen kamen zurück.

„Das ist doch kein repräsentatives Ergebnis“, musste sich Sarach von Helmut Meerjanssen anhören, der außerordentlich verwundert darüber war, dass es im Ahrensburger Rathaus keine bindenden Beurteilungsrichtlinien gebe, „ich kann Ihnen da mal passende Literatur nennen“, sagte der Vorsitzende Richter mit Ironie.

Zweiter Punkt des Vergleichs: Die Stadt muss Andres bis Ende Januar 2016 eine dienstliche Beurteilung für den Zeitraum 2011 bis 2016 schreiben, „aber bitte keine, die Frau Andres in den Müll werfen kann“, sprach der Vorsitzende Richter klare Worte.

„Wenn es zwischen dem Bürgermeister und mir eine Mediation gibt und wir das Dienstverhältnis wieder normalisieren können, dann werde ich mich erneut bewerben“, sage Angelika Andres nach der Verhandlung.

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