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Reinfeld : Rechter Vandalismus? Stolperstein wird ersetzt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der Stolperstein, mit dem an Nazi-Opfer Carl Harz erinnert wird, wurde mutwillig beschädigt. Die Erneuerung ist beschlossene Sache, der Termin dafür steht jetzt.

shz.de von
erstellt am 15.Feb.2017 | 06:00 Uhr

„Wer macht sich bewusst mit einem Hammer auf den Weg und schlägt gezielt so heftig zu, dass tiefe Kerben entstehen? Was treibt so einen Menschen an?“, fragt sich Albrecht Werner, Mitglied der Arbeitsgruppe (AG) Stolpersteine. Der Gedenkstein für Carl Harz ist mutwillig zerstört worden. Die Tat wurde bereits kurz vor Weihnachten entdeckt, jetzt gibt es einen Termin für die Verlegung eines neuen Stolpersteins zum Gedenken an das Opfer des Nationalsozialismus.

Die Stolperstein-Gruppe erstattete Anzeige, jedoch wie erwartet ohne Erfolg. Bislang konnte niemand ermittelt werden. Albrecht Werner macht sich keine Illusionen, dass der oder die Täter jemals gefasst werden. Hat die Tat einen rechtsextremen Hintergrund? „Es geht um Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener und Beschädigung eines öffentlichen Denkmals“, empört sich Werner. Am Mittwoch, 14. Juni, ab 16 Uhr wird der Kölner Künstler Günter Demnig erneut in Reinfeld erwartet, um den Stolperstein auszutauschen. Die Kosten von 120 Euro für die Neuverlegung spielten keine Rolle, dafür stehe Geld zur Verfügung, dass die engagierten Schüler der AG Stolpersteine vom Wilhelm-Strech-Fonds zur Förderung ihres Engagements für die Stolpersteine erhalten haben. Auch viele Bürger hätten ihre Bereitschaft erklärt, für die Kosten aufzukommen. Nach einer kurzen Gedenkstunde in der Aula der Immanuel-Kant-Schule werden die Beteiligten zum Stolperstein von Carl Harz gehen, um dort den neuen Stein zu verlegen. Konkrete Pläne werden noch ausgearbeitet.

Die Arbeitsgruppe versucht, Referenten zum Thema Schutzhaft der Gestapo sowie eventuell Esther Bejarano, Überlebende des KZ Auschwitz, zu gewinnen. Eine musikalische Begleitung ist ebenso angedacht wie eine filmische Dokumentation zum Thema Stolpersteine. Auch der Urenkel und weitere Verwandte von Carl Harz, die sich sehr betroffen über die Beschädigung des Stolpersteins zeigten, sind eingeladen. Bei der Gelegenheit soll dann auch endlich eine Gedenktafel vor dem Haus des Nazi-Opfers angebracht werden. Carl Harz flüchtete am 13. August des Jahres 1943 im Alter von 83 Jahren nach vierwöchiger Nazi-Haft in Lübeck-Lauerhof in den Tod.

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